Orientierungslauf in Deutschland


Wettkampfbestimmungen überarbeitet

Mit dem Stichtag 01.04.2018 ist die 29. Fortschreibung der Wettkampfbestimmungen (WKB-OL) in Kraft getreten. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Nebeneinander von ISOM2000 und ISOM2017 bis einschließlich 2019 (B 1.1, B 6.2)
Um aktuell laufende Kartierungsprojekte nicht zu verkomplizieren, können Orientierungslaufkarten für die Wald-Disziplinen bis einschließlich 2019 sowohl nach der Kartierungsnorm ISOM2000 als auch nach den neuen Vorschriften der ISOM2017 erstellt werden. Eine Information, welche Zeichnungsvorschrift Anwendung findet, ist sowohl in der Ausschreibung (B 6.3) als auch in den Technischen Hinweisen (B 7.5) zu veröffentlichen. Die vom schweizerischen, deutschen und österreichischen OL-Verband gemeinsam erstellte deutsche Übersetzung der ISOM2017 ist unter Dokumente > Kartenwesen verlinkt.

Elektronisches Kontrollsystem im Mischbetrieb bei Bundesveranstaltungen (B 2.3.2)
Nach langer Diskussion und Beobachtung der Entwicklungen im Ausland („Schweizer Modell“) startet 2018 bei Bundesveranstaltungen eine zweijährige Erprobungsphase für den Mischbetrieb aus berührungsloser und „klassischer“ Registrierung. Für Ausrichter besteht dabei keine Verpflichtung zur kostenfreien Bereitstellung der elektronischen Datenträger. Das TK OL empfiehlt allen Ausrichtern von Bundesveranstaltungen die Probephase von 2018 bis 2019 zu unterstützen, indem der sogenannte Beacon-Modus bei allen nationalen Wettkämpfen zum Einsatz kommt und bietet über die Arbeitsgruppe Wettkampfwesen entsprechende Unterstützung und Schulungsmaterial an.

Änderung des Berechnungsmodus der Bundesrangliste (Anlage 3)
Einem Vorschlag der BR-Führer folgend, ergeben sich wesentliche Änderungen bei der Berechnung der Bundesrangliste. So werden zukünftig die Grundpunkte nur noch einmal, und zwar zu Beginn der Saison, berechnet (anstatt wie bisher jeweils zu Beginn der Frühjahrs- und Herbstsaison). Außerdem wird es keine rollierende Berechnung der Ranglistenpunkte über den Jahreswechsel mehr geben, d.h. jeder Wettkämpfer und jede Wettkämpferin startet zu Beginn des Jahres mit 0 Ranglistenpunkten. Mit diesen Änderungen soll der erheblichen Diskrepanz zwischen Wertungsläufen im Frühjahr und Herbst entgegengewirkt werden und das System der Bundesrangliste für die LäuferInnen überschaubarer und leichter verständlich werden. Zudem reduzieren die beschlossenen Maßnahmen den Aufwand der BR-Führer und erleichtern die Implementierung der Berechnungsroutine in den O-Manager erheblich. Voraussetzung für die Wertung in der Bundesrangliste ist das Vorhandensein eines Läufer-Datensatzes im O-Manager mit einer eindeutigen ID. Alle anderen Wettkämpfer erhalten keine Ranglistenpunkte. Sie werden wie Läufer, die außer Konkurrenz starten, behandelt. Die Meldeverantwortlichen der Vereine sind daher im Vorfeld eines BRL dazu verpflichtet, neue Vereinsmitglieder im O-Manager einzutragen.

Ermittlung der Startreihenfolge bei DM und DBK bei Einzel-OL (B 8.2.2)
Im Zusammenhang mit den Änderungen des BR-Berechnungsmodus wurde auch das Vorgehen zur Ermittlung der Startreihenfolge bei Deutschen Meisterschaften und Bestenkämpfen der Einzel-OL-Formate angepasst. Die der neuen Herangehensweise zugrunde liegenden Gedanken hat Jürgen Schubert (als einer der beiden BR-Führer) treffend zusammengefasst:

„Gewünscht ist, bei Meisterschaften und Bestenkämpfen die Startliste anhand der Papierform aufzustellen: Die langsamen vorn, die schnellen hinten. Zur Beurteilung der Papierform soll die Bundesrangliste dienen. Die Bundesrangliste, wie sie ab 2018 betrieben wird, liefert für die Lösung des Problems zwei Arten von Daten: Grundpunkte und die aktuellen Ranglistenpunkte zu einem Stichdatum. Die Grundpunkte repräsentieren die Papierform über einen längeren Zeitraum und sind zudem noch mit Hilfe von Faktoren normalisiert, um Ausreißer (mehr oder weniger gut) einzuebnen. Rein mathematisch spräche nichts dagegen, die Grundpunkte zum alleinigen Startlistenkriterium zu machen. Ihr Nachteil ist: Sie sind naturgemäß nicht mehr ganz aktuell. Die aktuellen Ranglistenpunkte sind - wie der Name schon sagt - aktuell, aber eben möglicherweise nicht repräsentativ, weil die Datenbasis schmal ist, wenn bis zum Stichtag nur wenige Ranglistenläufe stattfanden. Im ungünstigsten Fall ist die Datenbasis komplett leer - wenn der erste Ranglistenlauf gleich eine Meisterschaft ist. Mathematisch ist es also nicht möglich, die aktuellen Ranglistenpunkte als alleiniges Kriterium für die Startlistenerstellung zu nehmen. Gemäß den Berechnungsregeln der Rangliste kann sich der Punktestand eines Läufers im Laufe einer Saison nur erhöhen, nicht verringern. Grundpunkte ergeben sich folglich aus dem Punkthöchststand des jeweiligen Läufers im Vorjahr. Im Normalfall wird sich der Läufer irgendwann im Laufe der Saison mit seinen Ranglistenpunkten seinem Grundpunktestand annähern oder ihn übertreffen. Entscheidend für die Startreihenfolge bei Meisterschaften und Bestenkämpfen soll daher zukünftig der Bestwert von Grundpunkten und aktuellen Ranglistenpunkten sein. Das bedeutet: Sind die Grundpunkte höher als die aktuellen Ranglistenpunkte (z.B. am Anfang der Saison), zählen die Grundpunkte, übertreffen die Ranglistenpunkte die Grundpunkte, dann zählen die Ranglistenpunkte. Jeder Läufer wird so mit seinem Optimum an Punkten bewertet: Am Anfang der Saison, wenn die Datenlage dünn ist, zählen automatisch die Leistungen des Vorjahres. "Überflieger" kommen dennoch zu ihrem Recht. Und „Späteinsteiger" erhalten bei der DM Lang-OL den Startplatz, der ihnen wahrscheinlich zusteht, auch dann, wenn es ihr erster Lauf im Jahr ist.“

Verkürzung der empfohlenen Richtzeiten bei Staffel-OL (Anlage 4)
Entsprechend mehrerer Anträge, die das Ziel formuliert haben, Staffel-Rennen attraktiver werden zu lassen, wurden auf der diesjährigen Tagung der Technischen Delegierten und Wettkampfleiter Vorschläge zur Verkürzung der empfohlenen Richtzeiten vorgestellt und nach kontroverser Diskussion angepasst. In den Jugend-, Junioren- und älteren Senioren-Kategorien sind die Änderungen minimal, d.h. größtenteils überschneiden sich die neuen Richtzeit-Korridore noch mit den alten. Nur im Bereich der Elite und jungen Senioren-Kategorien ist der Verkürzung signifikanter - aber gerade aus diesen Kategorien war mehrfach der Wunsch nach spannenderen Rennen mit mehr Gegnerkontakt aufgrund kürzerer Laufzeiten, kurz: „mehr Staffel-Feeling“, geäußert worden.

Erhöhung des Meldegeldes für den JLVK (Anlage 6)
Gemäß Beschluss der Bundestagung vom 2. Dezember 2017 wird das Meldegeld für den Jugend- und Junioren-Ländervergleichskampf (JLVK) um 8 Euro auf nunmehr 50 Euro erhöht. Seit der letzten Erhöhung im Jahr 2016 hat sich gezeigt, dass es mit dem bisherigen engen Finanzrahmen zunehmend schwieriger wurde, die allgemein steigenden Kosten für Catering, Übernachtung, Parkplatz, Forstnutzungsgebühren usw. zu decken, was die Suche nach JLVK-Ausrichtern erschwerte.


Mehr:
WKB 2018
WKB 2018 mit Änderungsdetails zum Vorjahr

Autor: Jan Müller
Eingestellt am 16.04.2018

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