Orientierungslauf in Deutschland


Swiss O Week 2009 – Schlechtes Wetter besiegt Schweizer Präzision

Der 6-Tage-OL, der keiner war – so könnte man die Swiss O Week 2009 in Muotathal zusammenfassen. Das Top-Highlight im internationalen OL-Terminkalender mit seinen Hochgebirgsetappen und seinem unvergleichlichen Transportkonzept hatte in diesem Jahr erstmals mit Wetterproblemen zu kämpfen, welche die in Brunnen 1996 oder Zermatt 2006 gezeigte Schweizer Präzision und Perfektion bei der Durchführung der SOW-Wettbewerbe an ihre Grenzen brachte. Knapp 300 Deutsche unter den über 3000 Teilnehmern erlebten dennoch eine atemberaubende Woche in der Zentralschweiz.

Logo der Swiss O Week 2009 Muotathal
Logo der Swiss O Week 2009 Muotathal

Denn genau „breathtaking“ lautete der Slogan der diesjährigen Auflage der Swiss O Week. Geboten wurden einmal mehr OL und Ferien, gemischt mit Abenteuer. Dennoch hätte sich so mancher Teilnehmer vielleicht etwas weniger Abenteuer und etwas mehr Ferien gewünscht. Teilweise sorgte schlechtes Wetter bei den Hochgebirgsetappen für zusätzliches Risiko und sogar für die Verschiebung und Streichung von Etappen. Auch das ausgeklügelte – aber komplizierte – Transportkonzept an die Etappen mit Militärkonvois, Bussen und Fußwegen klappte nicht immer reibungslos. Los ging es mit einem wahren Feuerwerk, nämlich dem am 1. August über dem Vierwaldstättersee zum Schweizer Nationalfeiertag. Da war das Wetter noch sonnig, anders als am nächsten Tag, wo in den verwinkelten Gassen von Schwyz bei strömendem Regen die erste Etappe („die Schnittige“) stattfand, bei der interessante Routenwahlen auf die Läufer warteten. Leider besserte sich das Wetter zunächst nicht, und auch bei der zweiten Etappe auf dem Schwialppass („die Abwechslungsreiche“) goss es aus Eimern. Vor allem der steil abfallende Schlussabschnitt entwickelte sich zu einer Schlammrutsche und durch einen unverzeihlichen Organisatorenfehler mussten über 200 Orientierer, darunter viele Deutsche, bis zu eineinhalb Stunden im strömenden Regen auf den Rücktransport durch den Militärkonvoi warten. Zu allem Überfluss wurde die Etappe für die HE und HAL wegen eines zwischenzeitlich falschen Postens komplett annulliert. Zur dritten Etappe („die Arktische“) auf der Glattalp mussten die längeren Kategorien erst einmal den schweißtreibenden, 4 km langen und mit 700 Höhenmetern garnierten Aufstieg zum Start-Ziel-Areal auf sich nehmen, wurden im Wettkampf aber mit einem interessanten Mix aus Alpweiden und Karstlabyrinth, sowie erstmals trockenem Laufwetter entschädigt. Der für die kürzeren Kategorien geplante Lauf auf der tiefer gelegenen Ruosalp konnte aus Sicherheitsgründen aufgrund der zu viel Wasser führenden Gebirgsbäche nicht durchgeführt werden und wurde ersatzlos gestrichen.

SOW-Traumwetter gab es vor allem am vierten Wettkampftag
SOW-Traumwetter gab es vor allem am vierten Wettkampftag

Die nächste wetterbedingte Hiobsbotschaft erreichte die Läufer nicht viel später. Durch einen Murenabgang wurde das für die vierte Etappe geplante Laufgebiet in Lidernen von der Außenwelt abgeschnitten, die Zufahrtstraße komplett verschüttet. Kurzerhand wurde die sechste Etappe Chinzig-Seenalp („die Atemberaubende“) auf den vierten Wettkampftag vorverlegt. Hier erwartete die Starter nun endlich bestes SOW-Wetter, wie man es von den bisherigen Events kannte. Strahlender Sonnenschein sowie abwechslungsreiches Gelände mit Alpweiden, Blockfeldern, Seen und Geländeformationen machten den Tag zum Erlebnis. Einzig der steile „Zielschuss“, bei dem auf 2 Kilometer rund 500 Höhenmeter abwärts absolviert wurden, bereitete so manchem Läufer etwas Kniebeschwerden. Die fünfte Etappe auf dem Bergstock Gibel bei Schwyz trug die Bezeichnung „die Ruppige“. Wie ruppig das bewaldete, felsige Gebiet aber tatsächlich war, stellte sich erst während oder nach dem Wettkampf heraus. Kilometerschnitte der Sieger von weit jenseits der 10 Minuten waren bei dieser Mitteldistanz keine Seltenheit, längere Suchaktionen in den dicht bewachsenen Fels- und Senkenpartien an der Tagesordnung. Parallel dazu begann das Euromeeting der B-Nationalteams, leider ohne deutsche Beteiligung. Da aus Sicherheitsgründen eine Durchführung der Lidernen-Etappe trotz Freilegung der Zufahrtsstraße nicht möglich war, stellten die Organisatoren in einer immensen Energieleistung über Nacht eine Ersatz-Etappe, erneut auf dem Gibel, auf die Beine. Kurzerhand wurden Bahnen gelegt und Postenbeschreibungen erstellt. Die Bahn musste sich jeder Läufer bei dieser sechste Etappe (man könnte sagen „die Provisorische“) selbst in den zehn Minuten vor dem Start in die Karte einzeichnen. Erneut ging es auf einer Mitteldistanz in das ruppige, schwer belaufbare Terrain. Anfänglich bewölkt, erwischte es die später Gestarteten erneut mit Regen, was zu erhöhter Verletzungsgefahr führte. Leider musste wegen eines gestohlenen und zwei mangels Vormarkierung falsch gesetzten Posten die Etappe in nicht weniger als 17 Kategorien annulliert werden, was bei der abschließenden Rangverkündigung zu zahlreichen enttäuschten Mienen führte.

Swiss O Week pur: Wiesen, Felsen... und Kühe
Swiss O Week pur: Wiesen, Felsen... und Kühe

Fazit: Eine abenteuerliche, interessante Woche liegt hinter den Teilnehmern. Die SOW war einmal mehr ein gut organisiertes Event, bei dem jedoch erstmals augenscheinlich wurde, wie wetteranfällig ein 6-Tage-OL im Hochgebirge ist. Die bisherigen SOW-Events in Brunnen, Rapperswil oder Zermatt mit ihrem Traumwetter haben Organisatoren und Teilnehmer vielleicht etwas unbekümmert werden lassen. Eine weniger wetteranfällige Ersatzetappe in der Hinterhand erscheint hier für künftige Events – die nächste Auflage gibt es 2011 in Flims-Laax – empfehlenswert. Ebenso die Überlegung, ob bei einem falschen oder fehlenden Posten gleich die ganze Etappe gestrichen wird oder vielleicht bei einem derartigen Sport&Ferien-Event besser Teilstrecken herausgerechnet werden, aber die Etappe in die Wertung kommt. Denn in nur 15 Kategorien war es ein echter 6-Tage-OL, von dem fünf Etappen in die Wertung einflossen. In 21 Kategorien wurde das Ergebnis aus vier der fünf verbliebenen Etappen gebildet, in elf Kategorien gab es gar nur eine Wertung mit drei aus vier Etappen. Den einzigen deutschen Sieg holte Holger Zimmerling (Sächsischer Turnverband) in der Rahmenkategorie Ferien Lang. In den Wertungskategorien gab es drei zweite Plätze durch Jens Leibiger (LG Ost) in H 50, Bernd Döhler (TUS Karlsruhe-Rüppurr) in H 55 und Maik Kurr (LG Ost) in HB; sowie vier dritte Plätze durch Cornelia Eckardt (USV TU Dresden) in D 40, Helmut Conrad (USV TU Dresden) in H 65, Christoph Bruder (OLG Ortenau) in HAM und Dietmar Zoltner (OL-Team Bayern) in HC. In den Elitekategorien, wo die Deutschen nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun hatten, siegten Katja Mjøsund (Finnland) und Benno Schuler (Schweiz).

Text: Ralph Körner
Bilder: Jonas Trindler


Mehr:
Homepage der Swiss O Week 2009 Muotathal
Ergebnisse der SOW 2009

Autor: Ralph Körner
Eingestellt am 10.08.2009

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