Orientierungslauf in Deutschland


Überraschungs-Dritter bei Jugend-Tiomila

Das war wahrlich eine Überraschung, die sich an diesem Wochenende in Schweden unweit von Skövde abspielte. Erstmals in der 27-jährigen Geschichte der bedeutendsten Jugendstaffel der Welt gelang einem nicht-skandinavischem Team der Sprung auf einen Medaillenrang. Es war ein Tag, an dem alles passte - entsprechend groß war der Jubel im deutschen Team. Dabei standen die Vorzeichen nicht unbedingt gut.


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Matthias Kretzschmar läuft die Staffel ins Ziel
Matthias Kretzschmar läuft die Staffel ins Ziel

Eigentlich sollte man meinen, wenn in einer 10er Staffel eine mitteleuropäische Nationalauswahl auf skandinavische Vereinsteams trifft, sollte erstere ganz gute Karten haben. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, wie stark die Skandinavier besetzt sind. Unter anderem haben sich Tschechen, Österreicher, Briten und Deutsche in den letzten Jahren die Zähne am Siegerpodest ausgebissen. Die beste deutsche Platzierung in der 10er Jungen-Staffel war ein siebter Rang aus dem Jahr 1997. Die Mädchen, die nur eine 5er Staffel laufen, konnten immerhin 1996 und 2000 schon zwei mal vierte Plätze einfahren.

Dem entsprechend waren die deutschen Erwartungen auch dieses Jahr eher gedämpft. Die Trainer Tim und Jan stimmten das Team auf einen Platz zwischen 20 und 30 ein, war man doch im Vorjahr in ähnlicher Besetzung 27. geworden. Sieben Starter von damals standen wieder in der 11-köpfigen Mannschaft (die 6. Bahn darf doppelt oder sogar dreifach besetzt werden). Erschwerend kam hinzu, dass die Mehrheit der Läufer in den letzten Wochen ein hammerhartes Programm hinter sich gebracht hatte: Jugend-EM oder Junioren-WM, O-Ringen und ein einwöchiges Trainingslager in Göteborg hatten Körner gekostet und viele Blessuren verursacht. Eigentlich freuten sich alle schon auf die Trainingspause, doch die Staffel setzte noch mal nicht für möglich gehaltene Kräfte frei.

Um 2.30 am Samstag Morgen ging Bjarne Friedrichs für das deutsche Team auf die Nacht-Startstrecke und kam überraschend bereits als Dritter aus dem Wald zurück. Max Röhnert - beim Einlaufen noch bös umgeknickt - übernahm von ihm und verlor nur 2 Positionen im Feld der 95 Staffeln. Die beiden Dämmerungsbahnen liefen Fabian Kempe und Franz Cruse und nach Beendigung dieser Strecken lag die Mannschaft auf dem vierten Platz. Zum selben Zeitpunkt im Vorjahr lag Deutschland auf Platz 54 - es kündigte sich eine Super-Platzierung an. Doch noch warnten die Trainer: Auf der fünften und längsten Bahn würden die Skandinavier ihre "Kracher" starten lassen. Nur nicht zu viele Plätze verlieren war die Devise. Doch unser JWM-Starter Christoph Brandt hatte noch ganz andere Pläne und führte die Mannschaft sogar auf den 3. Platz vor.



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Bei der Siegerehrung
Bei der Siegerehrung

Von da an lief alles wie im Traum. Die drei kurzen Bahnen 6, 7 und 8 wurden von Felix Späth und Florian Bergmann (zusammen auf der Parallelbahn unterwegs), Georg Zentgraf und Christoph Prunsche absolviert. Der dritte Platz wurde gehalten, doch die Abstände waren immer noch eng. Und auf den beiden letzten Bahnen, die wieder länger waren, starteten bei der Konkurrenz ganz prominente Namen. Konnten unsere Läufer Paul Lützkendorf und Matthias Kretzschmar da gegen halten? Sie konnten! Paul legte mit einem Superlauf auf der 9. Strecke (sechstbeste Zeit aller Läufer, obwohl komplett allein unterwegs) den Grundstein für den späteren Erfolg. Und Matthias brachte den dritten Platz ganz routiniert ins Ziel. Am letzten Sichtposten waren es 5 Minuten Vorsprung auf den vierten Rang. Noch einmal Bangen... Doch nur zwei davon ließ er sich bis ins Ziel abnehmen, was unserer Mannschaft die Gelegenheit gab gemeinschaftlich die Zielpflichstrecke abzulaufen. Der Rest war grenzenloser Jubel!

Auf den Plätzen 1 und 2 übrigens die Teams von Hagaby und Stora Tuna. Und der undankbare vierte Platz blieb für OK Tisaren, deren Trainer zwischendurch die taktische Marschroute ausgegeben hatten: "Bleib an dem deutschen Trikot dran!".

Des einen Freud, des anderen Leid: Unsere Mädchenstaffel startete fast so gut wie die Jungs: Marie Winkler kam als 5. von der ersten Bahn wieder. Doch dann lief so einiges schief, ein erst spät bemerkter überlaufener Posten kostete viel Zeit. Letztendlich wurde es ein 50. Platz. Auch das kann noch mal als Beleg gesehen werden, wie außergewöhnlich die Leistung unserer 11 Jungs an diesem Tag gewesen ist.


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Eingestellt am 06.08.2007

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