Orientierungslauf in Deutschland


Hohe Auszeichnung – mahnende Erinnerung

Im Jüdischen Museum zu Berlin konnte Deutschlands erfolgreichste Orientierungsläuferin Frauke Schmitt Gran die Flatow-Medaille aus den Händen des Bundesministers des Innern, Otto Schily, entgegennehmen. Die Flatow-Medaille erinnert mahnend an die von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Flatow Cousins, die als erfolgreiche und engagierte Turner Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Sportgeschichte schrieben.


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Frauke Schmitt Gran mit der Flatow-Medaille.
Frauke Schmitt Gran mit der Flatow-Medaille.

Frauke Schmitt Gran, aus Lahr im Schwarzwald stammend, arbeitete hart und konsequent an ihrem sportlichen Erfolg, der mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 1999 in Schottland kulminierte. Es ist bis heute die höchste WM-Platzierung für deutsche Orientierungsläufer.
Eine ihr Denken und ihre Lebenseinstellung charakterisierende, eindrucksvolle Handlung spielt sich 2001 bei einer der bedeutendsten Staffelläufe, der finnischen JUKOLA ab. Sie rettet einer verletzten, russischen Konkurrentin das Leben, indem sie deren Bein mit ihrem Lauftrikot abbindet und so die Blutung der aufgerissenen Schlagader eindämmt. Als endlich ärztliche Hilfe eintrifft, setzt sie ihren Lauf sogar fort. Für diese Aktion verlieh der Deutsche Journalistenverband ihr bereits vor drei Jahren den Fair Play Preis.


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Frauke Schmitt Gran im Kreis der zwei weiteren Preisträger Anna Dogonadze und Henrik Stehlik. Rechts neben ihr Bundespräsident Horst Köhler.
Frauke Schmitt Gran im Kreis der zwei weiteren Preisträger Anna Dogonadze und Henrik Stehlik. Rechts neben ihr Bundespräsident Horst Köhler.

Sichtlich bewegt von den Reden Wider des Vergessens der alltäglichen Gräuel und der Ausgrenzung jüdischer Sportler im Dritten Reich nahm Frauke Schmitt Gran den Preis entgegen. Zu den Rednern und Gratulanten gehörten unter anderem Bundespräsident Horst Köhler, der Bundesminister des Innern, Otto Schily, der Präsident des Deutschen Sportbundes Manfred von Richthofen, der Präsident des DTB Rainer Brechtken, das Präsidiumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland Dr. Dieter Graumann und viele andere.
Nach der Preisverleihung und dem Empfang im Restaurant Liebermanns stand für Frauke auch der Besuch des äußerst interessanten Jüdischen Museums und des gerade eröffneten Holocaust Denkmals auf dem Programm. Morgen nimmt sie an den Deutschen Meisterschaften über die Mitteldistanz teil.

Frauke Schmitt Gran, die seit vielen Jahren in Norwegen lebt und arbeitet, sieht die Bedeutung dieser Auszeichnung auch in Hinsicht einer Popularisierung des Natursports Orientierungslauf. Schließlich wird sie als Vorbild, als Orientierungsläuferin vor so großer Öffentlichkeit und den Verantwortlichen des deutschen Sports ausgezeichnet. Nicht nur Einsätze des Nationalteams sind zum Beispiel direkt von Zuschüssen aus dem Ministerium des Gratulanten Otto Schilys abhängig. Dabei müssen diese Nationalläufer heute, wie schon damals Frauke Schmitt Gran, sich sogar finanziell kräftig an ihren Einsätzen beteiligen.
Aber der heutige Anlass ist nicht würdig, um von Geld zu reden. Unter dem Naziregime ging es auch für viele Freizeit- und Leistungssportler um das nackte Überleben. Und die ermordeten Flatow Cousins fuhren in ihrer sportlich aktiven Zeit, 1896 auch auf eigene Faust, ohne Verbandsunterstützung zu den olympischen Spielen nach Athen.


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Autor: Lutz Spranger
Eingestellt am 20.05.2005

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