Orientierungslauf in Deutschland


JEC 2004 – Sebastian Bergmann auf Platz 6

Der Junioren-Europa-Cup, traditionell der letzte internationale Wettkampfhöhepunkt der Nachwuchs-OLer fand dieses Jahr nördlich von London statt. Die junge und zahlenmäßig sehr kleine deutsche Mannschaft hatte vor allem zwei Ziele: Die Schmach des vergangenen Jahres vergessen machen, als beim JEC in Deutschland nur eine Top-10-Plazierung gelang und Erfahrungen sammeln, die in der kommenden Saison gute Ergebnisse ermöglichen sollen.

Sebastian Bergmann
Sebastian Bergmann

Die Deutsche Juniorennationalmannschaft steht im nächsten Jahr vor einem Neuaufbau. Mit dem starken 84er Jahrgang werden viele konstante Größen der letzten Jahre in die Elite aufsteigen. Nicht weniger als 8 (!) der 13 C-Kader verlassen die Juniorenklasse. Und ganz im Zeichen dieses Neuanfangs stand auch das JEC-Team: Neben den erfahrenen Christian Teich und Patrick Hofmeister, liefen für Deutschland die zwei 18er Jenny Seib und Sebastian Bergmann sowie die 16er Susann Jahn, Esther Doetsch, Sandra Juras und Philipp Müller. Ein Novum in der deutschen OL-Geschichte! Doch die guten Ergebnisse bestätigten diese Aufstellung.

Insbesondere das Herrenteam wusste gegen die Konkurrenz aus Norwegen, Tschechien, der Schweiz, Großbritannien, Russland, Frankreich, Österreich, Belgien, Irland und Kroatien zu überzeugen: In der Sprintentscheidung am Freitag gelang es allen vier Deutschen sich in der besseren Hälfte zu plazieren. Unter den über 60 Startern der Kategorien H-18 und H-20 belegten sie die Plätze 10 (Patrick), 12 (Christian), 22 (Philipp) und 32 (Sebastian).

Am nächsten Tag konnten sie dieses Resultat auf der Klassikdistanz sogar noch toppen. Hier wurden die Kategorien H-20 und H-18 getrennt ausgelaufen. Und sowohl Sebastian in der H-18 als auch Christian und Patrick in der H-20 gelang der Sprung in die Top-10! Sebastians 6. Platz war die erste Podiumsplazierung für einen deutschen Nachwuchsläufer seit 2 Jahren. Doch damit nicht genug: Ein Blick auf die Zwischenzeiten verrät, dass alle 3 Herren beinah schon sträflich im Anfangsteil der Bahn die verdienten Medaillen verschenkten.

Damit ging die deutsche Herrenstaffel als einer der Geheimfavoriten in die abschließende Staffelentscheidung am Sonntag. Doch eine Verletzung von Patrick, der sich im Lauf einen langen Nagel durch die Schuhsohle in den Ballen trat, zerstörte alle Hoffnungen.

Das beste Resultat der deutschen Mädchen, die allesamt mindestens eine Kategorie hochstarten mussten, holte Susann Jahn. Sie konnte die ersten Früchte ihres seit der JEM intensivierten Trainings ernten und belegte auf der Klassikdistanz unter 32 Starterinnen den 14. Platz. Im Gegensatz zu vielen anderen lief sie von Beginn an ein konzentriertes und kontrolliertes Rennen und konnte sich so in einem Klassefeld älterer Läuferinnen exzellent in Szene setzen.

Die anderen Mädchen haderten zum Teil mit dem ungewohnten Gelände und der gewöhnungsbedürftigen Bahnanlage, gaben sich aber nie auf und werden in Zukunft mit Sicherheit von den Erfahrungen profitieren, die sie in Großbritannien sammelten.

Und damit ziehen die Trainer ein positives Fazit der Saison: Ab 2005 werden einige Aktive des jetzigen C-Kaders in der deutschen Elite laufen, die dort eine ebenso gute Rolle spielen werden, wie in diesem Jahr Leif Bader, Christian Gieseler oder Sieglinde Kundisch. Das geflügelte Wort von den „Rohdiamanten“, die im B-Kader noch ihren Feinschliff bekommen müssen, machte in letzter Zeit immer wieder die Runde.

Und auch im Nachwuchsbereich dürfen wir in den nächsten Jahren auf weitere Achtungserfolge hoffen. Denn nicht nur im JEC-Team, sondern auch unter den Aktiven, die nicht in London laufen durften, gibt es eine ganze Reihe vielversprechender Nachwuchstalente. Gemeinsam müssen die Trainer auf Vereins-, Landes- und Bundesebene, die Familien und Freunde versuchen, diesen Talenten eine optimale Entwicklung zu ermöglichen.


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JEC 2004

Autor: Jan Birnstock
Eingestellt am 12.10.2004

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