Orientierungslauf in Deutschland


WM 2004 - Sehr gut qualifiziert!

Am gestrigen Sonntag und heute standen als erste Läufe zu den Weltmeisterschaften 2004 im schwedischen Västeras die Qualifikation zur Langen und zur Mitteldistanz auf dem Programm. Das deutsche Team konnte sich 8 von zwölf bisher möglichen Finalplätzen sichern.

Das deutsche Team und seine Anhänger können mit dem "Vorspiel" wirklich zufrieden sein. Hier Tilo Pompe gemeinsam mit Sportwissenschaftler Gert Schote nach der Mitteldistanzquali.
Das deutsche Team und seine Anhänger können mit dem "Vorspiel" wirklich zufrieden sein. Hier Tilo Pompe gemeinsam mit Sportwissenschaftler Gert Schote nach der Mitteldistanzquali.

Das ist um so bemerkenswerter als daß im Vergleich zur Schweizer WM des letzten Jahres sich nur die ersten 15 statt 17 für die Finalläufe qualifizieren konnten.
Die Organisatoren versprachen die beste und vor allem auch schwerste WM aller Zeiten auszurichten. Nach den zwei ersten Tagen ist auf jeden Fall klar, dass die Belaufbarkeit und heute auch die Sicht schwer waren. Die Belaufbarkeit wird vor allem durch Sümpfe und Steinfelder erschwert, die Sicht dagegen durch kleinere Fichten im weißen und eigentlich Hochwald. Die Äquidistanz beträgt nur 2,5 Meter und oftmals ist es unmöglich all die feinen Höhen mitzulesen.
Über die Lange Distanz erreichten Karin Schmalfeld und Gunda Fischer das Finale am 16.09., wobei Gunda natürlich überglücklich ist (Ihre Familie unterstützt sie wie im vergangenen Jahr wieder hervorragend) und wir alle von Karin nichts anderes erwartet hatten. Beide leisteten sich kleinere Fehler wie fast alle Läufer. Karin berichtete von ihrer ständigen Angst, sich in dem "Urwald" gleich völlig ins Abseits zu stellen- Sie verfehlte trotz Sicherheitsstrategie gleich den ersten Posten. Meike Jaeger unterliefen zu viele Kleinstfehler so daß der Abstand zum rettenden Platz 15 bereits recht deutlich ausfällt.
Bei den Herren ergibt sich ein ähnliches Bild. Ingo Horst erfüllt seine und unsere Erwartungen. Das konnte selbst sein Sturz in eine Schlammpfütze nicht verhindern. Dem gerade passierenden Russen Novikow jagte das pechschwarze Ungeheuer Ingo einen ordentlichen Schrecken ein. Die junge Hoffnung Leif Bader erwischt einen optimalen Lauf und muss seine Freude über seine Platzierung jetzt im Zaum halten und sich auf das große Finale konzentrieren. Tilo Pompe scheidet mit einer Minute Rückstand auf Platz 15 etwas unglücklich als 16. aus. Aber es gibt sie wieder - die deutschen Herren im Langfinale!
Das Finale der Mitteldistanz sieht alle deutschen Frauen am Start, die zwar alle schwer mit der Karte zurechtkamen und manchmal leicht, nicht nur wörtlich sondern auch orientierungstechnisch schwammen. Karin Schmalfeld, Anke Xylander und Gunda Fischer starten also am Samstag über diese Distanz erneut.
Tilo Pompe rächte sich heute und schafft als 15. mit 19 Sekunden Vorsprung auf den Ungarn Levai den Einzug ins Finale. Dagegen müssen Axel Fischer und Christian Gieseler am Samstag zuschauen. Axel unterliefen einfach ein paar der kleinen Fehler zuviel während sich Christian bei der ersten WM völlig in den Wald stellte.
Nur wenige Favoritenstürze waren zu beobachten, so zum Beispiel bei Dainora Alsauskaite aus Litauen der frisch gekürten EM-Zweiten. Dagegen sprechen die von den Experten genau analysierten Leistungen beider Titelverteidiger über die Mitteldistanz Simone Niggli-Luder aus der Schweiz und Thierry Gueorgiou aus Frankreich für ihre erneute Favoritenrolle.

Gute Stimmung im deutschen Team: heute vor ihrer Unterkunft in Västeras. Der Zusammenhalt ist toll, in Wirklichkeit sitzt keiner allein!
Gute Stimmung im deutschen Team: heute vor ihrer Unterkunft in Västeras. Der Zusammenhalt ist toll, in Wirklichkeit sitzt keiner allein!

Über die Mitteldistanz hat das deutsche Team nach dem Fiasko des letzten Jahres auch besonders gut trainiert. Und das Ergebnis rechtfertigt eindeutig die Trainingsqualen. Vor allem im Trainingslager vor vier Wochen in Schweden wurde immer wieder das Anlaufen des Postens aus dem vollen Tempo eines solchen 30 Minuten Laufes geübt. Dazu müssen natürlich Karte und Posten super genau stimmen. Um solche Bedingungen auch in Deutschland noch mehr zu finden, wurde auf der letzten Tagung der Technischen Delegierten und Wettkampfleiter das Thema ausführlich diskutiert und von Sportwissenschaftler Gert Schote heiß verfochten.
Auf Grund der bisher schon guten Ergebnisse ist die Stimmung im deutschen Mannschaftslager ausgesprochen gut. In den Unterkünften am Mälaren See, wo es sogar ein Unterwasserhotel gibt, lebt es sich am Seeufer auch ganz gut. Für das Frühstück und das Abendessen ist gesorgt. Am Mittag wird selbst gekocht. Heute waren Leif und Ingo an der Reihe und es gab tatsächlich nur lobende Worte für ihr Reisgericht.

Insider der deutsche OL-Szene sagen, es lohnt sich dieses Jahr besonders auf die Leistungen unsere OL-Sterne in den Finalläufen gespannt zu sein. Sie spüren das auch. Hoffen wir, dass sie ihre Nerven im Griff haben und drücken ganz fest beide die Daumen.

Postennetzkarte von der heutigen Qualifikation über die Mitteldistanz.
Postennetzkarte von der heutigen Qualifikation über die Mitteldistanz.



















WM 2004 in Västeras, Qualifikation Lange Distanz
12.09.2004, Ängelsberg

Damen, Lauf A, 6860 meter
1. Marika Mikkola Finland 45:34.5
7. Karin Schmalfeld Germany 50:07.8
Damen, Lauf B, 6870 meter
1. Heli Jukkola Finland 45:52.5
12. Gunda Fischer Germany 55:18.3
Damen, Lauf C, 6830 meter
1. Karolina Höjsgaard Sweden 45:23.4
15. Zsuzsa Fey Romania 54:13.9
18. Meike Jaeger Germany 58:30.7
Herren, Lauf A, 10990 meter
1. Marius Mazulis Lithuania 62:16.6
6. Ingo Horst Germany 63:35.1
Herren, Lauf B, 10980 meter
1. Mats Haldin Finland 60:03.9
14. Leif Bader Germany 70:23.6
Herren, Lauf C, 10970 meter
1. Kalle Dalin Sweden 61:13.9
15. Fabien Pasquasy Belgium 69:56.7
16. Tilo Pompe Germany 70:56.6

WM 2004 in Västeras, Qualifikation Mitteldistanz
13.09.2004, Tortuna

Damen, Lauf A, 3900 meter
1. Jenny Johansson Sweden 25:23.6
4. Karin Schmalfeld Germany 29:02.8
Damen, Lauf B, 3830 meter
1. Simone Niggli-Luder Switzerland 24:09.4
9. Anke Xylander Germany 29:17.4
Damen, Lauf C, 3910 meter
1. Minna Kauppi Finland 25:12.0
15. Gunda Fischer Germany 33:22.3
Herren, Lauf A, 4730 meter
1. Valentin Novikov Russia 26:17.6
15. Damien Renard France 31:42.1
17. Axel Fischer Germany 33:37.8
Herren, Lauf B, 4670 meter
1. Thierry Gueorgiou France 25:54.0
15. Tilo Pompe Germany 32:17.6
Herren, Lauf C, 4740 meter
1. Holger Johansen Norway 25:56.6
15. Alessio Tenani Italy 33:52.5
26. Christian Gieseler Germany 42:16.7


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Autor: Lutz Spranger
Eingestellt am 13.09.2004

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