Orientierungslauf in Deutschland


WM-Königin Stine - und Bernd schafft persönliche Bestleistung

Die Norwegerin Stine Hjermstad Kirkevik krönte sich mit ihrer zweiten Goldmedaille zur aktuellen Königin der diesjährigen Ski-OL-WM. Bernd Kohlschmidt schaffte mit Platz 26 sein bisher bestes Resultat bei einer WM und eine Top-Platzierung für das deutsche Team. Und die Gastgeber aus Schweden finden mit drei Medaillen immer mehr in die Erfolgsspur. Das sind die Erkenntnisse der Mitteldisanz, die heute im schwedischen Åsarna im Massenstart ausgetragen wurde.

Die Norwegerin Stine Hjermstad Kirkevik auf dem Weg zu ihrer zweiten Goldmedaille
Die Norwegerin Stine Hjermstad Kirkevik auf dem Weg zu ihrer zweiten Goldmedaille

Zehn Jahre mussten die Norweger auf ein richtig großes Erfolgserlebnis im Ski-OL warten, und dann das: Ausgerechnet beim Nachbarn Schweden dominieren sie durch eine Stine Hjermstad Krikevik, die stark wie nie ist, die WM bei den Damen. Auf der heutigen Mitteldistanz holte sie sich im zweiten Rennen die zweiten Goldmedaille.
Dabei ließ der Massenstart-Wettkampf keine Wünsche in puncto Spannung offen. Drei Runden hatten die Damen zu bewältigen, und bei jedem Durchlauf durch das Stadion lag die Spitze mit wechselnder Besetzung sehr dicht beieinander. Erst beim letzten Passieren des Sichtpostens erschaffte sich Stine Kirkevik einen kleinen Vorsprung, den sie bis zum Schluss-Posten so weit ausbaute, dass sie mit über eine halben Minute Vorsprung vor der Schwedin Marie Lund ungefährdet ins Ziel einlaufen konnte. Damit haben die schwedischen Damen auch endlich ihr erstes Erfolgserlebnis, das durch die Bronzemedaille von Stina Grenholm komplettiert wurde. Sie kämpfte im Foto-Finish die Russin Tatiana Vlassova nieder - die beiden trennten nur drei Zehntel Sekunden.
Glückliche Gesichter auch bei den schwedischen Herren. Tomas Löfgren toppte seine Silbermedaille von der Langstrecke durch den WM-Titel auf der Mitteldistanz. Der zwar in Umeå wohnende aber für Östersund laufende Schwede konnte nahe seiner sportlichen Heimat den erhofften Erfolg einfahren und setzte sich mit acht Sekunden Vorsprung vor dem erneut starken Norweger Tommy Olsen durch. Platz drei ging ungefährdet an Arto Lilja aus Finnland. Erneut enttäuscht war Lokalmatador Bertil Nordqvist. Bei seiner vermutlich letzten WM vergaß der 35-Jährige auf der ersten von vier Runden, einen Posten zu stempeln und war seinem Ziel, eine Medaille zuhause zu gewinnen, ferner denn je.

Massenstart der Damen zur Mitteldistanz
Massenstart der Damen zur Mitteldistanz

Ganz und gar nicht enttäuscht war hingegen Bernd Kohlschmidt. Der 24-Jährige vom Chemnitzer PSV erwischte einen Top-Lauf und wurde 26. Damit gelang ihm seine bisher beste Platzierung bei einer WM. Auf den sehr anspruchsvollen Strecke blieb er nahezu fehlerfrei und holte sich endlich das so lang von ihm ersehnte, gute Resultat.
Leider blieb es aus deutscher Sicht bei diesem einen Highlight. Die anderen drei Herren enttäuschten mit ihrer Leistung. Grund war vor allen Dingen, dass sowohl Eike Bruns, als auch Sergej Sonnenberg und Henning Bruns in der ersten Runde große o-technische Fehler machten. Dies war um so ärgerlicher, da alle drei die Möglichkeit hatten, unter die ersten Vierzig zu laufen und damit für sie gute Ergebnisse zu holen. Am Ende blieb so jedoch nur für Eike Bruns Platz 41, der damit wie vor zwei Jahren bei der Mitteldistanz knapp an seinem Ziel scheiterte, bei einer WM seit nunmehr acht Jahren unter die ersten Vierzig zu kommen. Sergej Sonnenberg holte Rang 43, und Henning Bruns blieb bei seinem Auftakt zu seiner achten WM Platz 47. Allerdings nahm er im Hinblick auf die morgige Staffel, auf die die deutschen Herren setzen, einen Gang heraus.
Auch die deutschen Damen zeigten sich wenig zufrieden. Christiane Tröße kam auf Platz 33 und haderte bei ihrem Auftakt zur diesjährigen WM sehr mit ihrer Leistung - vor allen Dingen aufgrund zu vieler o-technischer Fehler. Vor zu große o-technische Probleme sah sich auch Susan Kurth gestellt. In dem sehr diffizilen Loipennetz verlor auch sie zu viel Zeit und landete am Ende auf Rang 37. Die beste Platzierung aus deutscher Sicht bei den Damen hätte noch Katrin Renger holen können. Zwar hätte sie sich mit Platz 24 auch nicht zufrieden gezeigt, doch um so schlimmer wurde sie wie sehr viele andere Läufer am heutigen Tage Opfer des aufwändigen Gabelsystems und leistete sich einen Fehlstempel.

Katrin Renger (Nr. 117) leistete sich heute einen Fehlstempel, Christiane Tröße (rechts dahinter) zeigte sich als 33. wenig zufreiden
Katrin Renger (Nr. 117) leistete sich heute einen Fehlstempel, Christiane Tröße (rechts dahinter) zeigte sich als 33. wenig zufreiden

Überhaupt ließ die Mittelstrecke vom technischen Anspruch keine Wünsche offen. Schon beim Massenstart kam es vor allen Dingen bei den Herren im wahrsten Sinne des Wortes zu vielen Favoritenstürzen. Doch neben dem läuferischen Anspruch verlangte das Gabelsystem und das teilweise sehr feinkupierte Gelände sehr viel Konzentration ab. Vor allem Letzteres sorgte wieder dafür, dass man auch bei der Fein-Orientierung wie ein Fuß-OLer denken musste. Mit dem obendrein sehr diffusen System aus schmalen Loipen und der hohen Lauf-Geschwindigkeit war es für so gut wie keinen Teilnehmer möglich, ohne Fehler durchzukommen.
Zum heutige Rennen kamen endlich auch die erhofften Zuschauer. Zwar waren es lange nicht die prognostizierten tausend, aber meherere hundert - unter ihnen einige lautstarke und gut präparierte Fan-Clubs der schwedischen Läufer - sorgten für eine sehr gute Stimmung am Loipenrand.
Auch das Wetter und der Schnee sorgten für gute Bedingungen. Einige vereiste Teile wechselten sich mit sehr gut belaufbaren Stücken ab. Temperaturen, die nicht sehr weit über null Grad stiegen, ließen einen kaum das falschen Material erwischen. Allerdings ließen einige Streckenteile erkennen, dass bei der derzeitigen Wetterlage der Schnee für die nächsten beiden Rennen knapp werden könnte. Vor allen Dingen der abschließende Sprint, der wie ein Park-Race in Östersund geplant ist, ist stark gefährdet und muss unter Umständen verlegt werden.
Einziges Manko am heutigen Tage war, dass sich bei den gegebenen Umständen die Ausrichter mit den Siegerzeiten tatsächlich verschätzt haben. Elf Minuten sowohl bei Damen als auch bei den Herren lagen die Zeiten über den Richtlinien trotz nahezu idealer Bedingungen. Der Damenstart, der auf das Herren-Rennen folgte, musste sogar um eine halbe Stunde verlegt werden.
Morgen geht nun die Staffel über die Loipen. Hier nehmen sich von deutscher Seite sowohl die Damen als auch die Herren einiges vor.

Auszug aus den Ergebnissen der Mitteldistanz:

Damen, 9 km
1. Stine Hjermstad Kirkevik (NOR) 56:57,0
2. Marie Lund (SWE) 57:19,8
3. Stina Grenholm (SWE) 57:36,9

33. Christiane Tröße (GER) 1:33:29,0
37. Susan Kurth (GER) 1:47:23,4
Fehlst Katrin Renger (GER)


Herren, 12,3 km
1. Tomas Löfgren (SWE) 1:06:42,9
2. Tommy Olsen (NOR) 1:06:54,7
3. Arto Lilja (FIN) 1:07:28,8

26. Bernd Kohlschmidt (GER) 1:23:24,8
41. Eike Bruns (GER) 1:36:25,0
43. Sergej Sonnenberg (GER) 1:43:28,1
47. Henning Bruns (GER) 1:47:16,0


Mehr:
Ski-OL-WM 2004 im Internet

Autor: Eike Bruns
Eingestellt am 13.02.2004

© 2001-2017 TK OLImpressum