Orientierungslauf in Deutschland


WM heute tosend eröffnet

In der Eishalle von Rapperswil/Jona (SUI), die aber heute eher einem Treibhaus glich, fand die offizielle Eröffnung der diesjährigen WM durch den ranghöchsten Schweizer Politiker Bundespräsident Schmid statt. Es war eine stimmungsvolle Feier deren Hauptakt natürlich die eingebettet Sprintentscheidung war. Und bei dieser ersten Medaillenentscheidung ging es derart lautstark zu, dass ...

Ingo Horst an der Treppe
Ingo Horst an der Treppe

... den Läufern die Ohren dröhnten. Und das nicht nur im ausverkauften Zielareal, dass einem Schweizer Fahnenmeer glich. Auch in der reizvollen, mit engen Gassen und Treppen gespickten Altstadt von Raperswil konnte man kaum einen Sichtplatz an einem der 17 Posten ergattern. Unzählige Armeeangehörige und Organisatoren versuchten mühevoll die Laufgassen durch Zuschauer und Fotografen für die Wettkämpfer aus 41 Nationen freizuhalten. Behindert wurde aber am Ende niemand. Im Gegenteil, alle Befragten fanden die mehr durch die Zuschauer als durch das tropische Wetter aufgeheizte Stimmung motivierend und fühlten sich keineswegs in ihrer Konzentration gestört, so auch Gunda Fischer vom OLV Weimar, die ihr erstes WM-Rennen bestritt und auf einem guten 30. Platz landete. Sie konnte nicht ihre vollen läuferischen Stärken ausspielen und verlor vor allem an einer langen Treppenpassage 20 Sekunden. Die zweite deutsche Dame, Elisa Dresen von der Bielefelder TG wurde von der Hektik und vom Pech verfolgt. Sie überlief, nachdem sie die eine Minute vor ihr gestartete laufstarke Italienerin Laura Scaravonati eingeholt hatte, mit dieser gemeinsam Posten Acht. Elisa, die trotz ihrer Beinprobleme in einer erstaunlichen Form ist, hatte sonst eine sehr gutes Rennen und verschenkte einen Platz unter den ersten Zwanzig. Jetzt heißt es für sie den heutigen Lauf abhaken und sich voll auf die Staffel konzentrieren.
Weltmeisterin wurde in ihrem Heimatland die sagenhafte Simone Luder. Die Ausnahmeathletin bestreitet alle Wettkämpfe an dieser WM und versetzte die Schweizer zusammen mit ihren Teamkolleginnen Marie-Luce Romanens und Titelverteidigerin Vroni König Salmi, die Platz 2 und 4 belegten
Ingo Horst ist dran an der Weltspitze. Er erreichte durchgängig Zwischenzeiten dicht an der jeweiligen Streckenbestzeit. Zweimal leistete er sich allerdings 30 Sekunden Rauscher. Unter anderem lief er auf dem Unicampus (Posten 14) wegen des von einem nahen Maschendrahtzaun abgelenkten Kompasses zum falschen Gebäude. Bis zum Posten 7 hatte Ingo noch Platz 6 inne! Kein Skandinavier unter den ersten Sechs – gewonnen hat Jamie Stevenson aus Großbritannien mit einem komfortablen Vorsprung von 19 Sekunden. Die britischen Fans in der Stadt, die den deutschen Kommentar des Stadtsprechers nicht genau verstanden, fragten immer wieder Passanten, ob sie richtig verstanden hätten. Dann spragen sie in die Luft und rannten Richtung Ziel, um Ihren Läufer zu feiern. Die deutschen Fans ließen sich auch ohne Weltmeistertitel nicht lumpen und machten kräftig Stimmung, vielleicht die zweitlauteste nach dem Schweizer Lärm.

Veronika Gil Brotons aus Spanien
Veronika Gil Brotons aus Spanien

Zweimal gab es in der riesigen Zielhalle Querläufer. Wahrscheinlich um der Halle ein wenig mehr Waldflair zu verschaffen, setzte man nicht nur Bäume hinein, sondern trieb auch noch mehrere leibhaftige Wildschweine hindurch. Dummerweise kamen sie nach ihrem eigentlichen Auftrittsende zurück und konkurrierten mit der Rede des Schweizer Bundespräsidenten. Die Schwedin Gunilla Svärd versuchte ähnliches. Am letzten Posten, schon innerhalb der Halle, meinte sie, dass dies bereits das Ziel wäre und wanderte zum Ziel. Etwas verwundert nahm sie zur Kenntnis, dass die Weltmeisterin Simone Luder in einem nicht gerade langsamen Tempo an ihr vorbeisprintete. Gunilla wendet, geht zurück zum Endposten, locht wiederholt und trabt ins Ziel – ganz schön konfus.

Herrensieger Jamie Stevenson am Posten 5
Herrensieger Jamie Stevenson am Posten 5

WM 2003 Sprint Final Eschenberg/Jona (SUI) 5. Aug. 2003

Männer
(2.8 km, 60 m, 18 Controls)
1. Jamie Stevenson 75 GBR 12:43
2. Rudolf Ropek 70 CZE 13:02
3. Thierry Gueorgiou 79 FRA 13:04
4. Yuri Omeltchenko 71 UKR 13:08
5. Mikhail Mamleev 75 RUS 13:09
6. David Schneider 81 SUI 13:18
23. Ingo Horst 77 GER 14:08

Damen
( 2.6 km, 60 m, 17 Controls)
1. Simone Luder 78 SUI 13:21
2. Marie-Luce Romanens 73 SUI 13:30
3. Jenny Johansson 77 SWE 13:40
4. Vroni König-Salmi 69 SUI 13:47
5. Gunilla Svärd 70 SWE 14:24
6. Anne Margrethe Hausken 76 NOR 14:24
30. Gunda Fischer 70 GER 16:56
Elisa Dresen 80 GER Dis


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Autor: Lutz Spranger
Eingestellt am 05.08.2003

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