Orientierungslauf in Deutschland


Elitetipp im September: Impfschutz im OL (Teil 1: Tetanus)

Kleinere offene Verletzungen wie Kratzer und Schrammen gehören zur Natur des Orientierungslauf. Selten gibt es größere tiefere Verletzungen. Normalerweise heilen diese problemlos ab, es bleibt manchmal eine Narbe, die dann Anlass zu Geschichten über große Siege oder Niederlagen werden. Sind diese Verletzungen gefährlich? Und was hat Impfen mit diesen Verletzungen zu tun? Darum geht es in diesem Elitetipp.

der Elitetipp
der Elitetipp  Foto: Ingo Horst

Durch offene Verletzungen ist der natürliche Schutzmantel unseres Körpers, unsere Haut, verletzt und ubiquitäre Keime haben die Möglichkeit in unseren Körper einzudringen. Das sind vor allem Bakterien. Einer davon ist Clostridium tetani. Unter Luftabschluss in der Tiefe einer Wunde kann sich Clostridium tetani sehr gut vermehren und produziert ein Zellgift, das Tetanospasmin. Dieses gelangt entweder entlang der Nervenfasern ins Gehirn und Rückenmark oder wird auf dem Blutweg dorthin transportiert. Das Gift blockiert das Großhirn hemmende Nervenfasern des Kleinhirns. Es erfolgt die Erkrankung durch unkontrollierte Anspannung von Muskulatur und Krämpfe. Beginnend im Gesicht breiten sich die Krämpfe über Nacken- und Rückenmuskulatur im ganzen Körper aus. Am Ende stirbt der Erkrankte an Erschöpfung, das Bewusstsein bleibt ungetrübt!

Glücklicherweise ist durch die Routine-Impfung, die im Kindesalter begonnen wird, diese Krankheit bei uns extrem selten, mit 1 Erkrankung pro 1 Millionen Einwohner pro Jahr; doch die Impfbereitschaft in der Bevölkerung lässt stark nach. In der Notaufnahme unserer Klinik beispielsweise sind rund ein Viertel aller Patienten ohne ausreichenden Tetanus-Impfschutz. Weltweit erkranken ca. 300.000 Menschen am Wundstarrkrampf, von denen auch heutzutage noch die Hälfte stirbt.

Damit es nicht soweit kommt hilft nur der Impfschutz zur Vorbeugung. Um den Impfschutz zu prüfen kann man in seinem Impfpass nachschauen, hier werden normalerweise alle Impfungen notiert. Wer das ärztliche „Gekrakel“ nicht entziffern kann wendet sich am besten an seinen Hausarzt.
In Deutschland werden Neugeborene und Kleinkinder bei den Vorsorgeuntersuchungen des Kinderarztes auch regelmäßig geimpft, unter anderem auch gegen Tetanus (zusammen mit Diphtherie und Keuchhusten). Meist erfolgt die Grundimmunisierung im Kleinkindalter und eine Auffrischungsimpfung im 6.Lebensjahr vor der Einschulung. Danach, ab dem 16. Lebensjahr entsteht meist eine Impflücke, da der Impfschutz 10 Jahre andauert.

Symbolbild
Symbolbild  Foto: Wuestenigel.com

Die Impfung ist sehr gut verträglich, manchmal gibt es den fast typischen Muskelkater-artigen leichten Schmerz, sehr selten dagegen eine leichte Rötung in der Umgebung der Einstichstelle.

Die Grundimmunisierung erfolgt durch Simultanimpfung von Tetanol (0,5 ml Toxoid) und Tetagam (1 mg Immunglobulin) und nach 1 und 6 Monaten je eine 0,5 ml Tetanol-Auffrischungsimpfung. Danach dauert der Impfschutz 10 Jahre an. Eine erneute Tetanol-Auffrischungsimpfung am Ende dieser Zeit verlängert den Impfschutz für weitere 10 Jahre.
Ist der Impfschutz bereits länger als 10 Jahre zurück genügt ebenfalls eine Tetanol-Auffrischungsimpfung um den Impfschutz für weitere 10 Jahre wiederherzustellen.
Lediglich bei ausgedehnten und schweren Verletzungen, sowie tiefen, stark verschmutzten Wunden wird eine sofortige Auffrischungsimpfung empfohlen.
Darunter fallen glücklicherweise die wenigsten Verletzungen beim Orientierungslauf!


Autor: Dr. med. Rolf Breckle
Unfallchirurgie, Uniklinik Göttingen
Mitglied der Nationalmannschaft 1992-1999

Der Elitetipp erscheint monatlich auf orientierungslauf.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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Autor: Ingo Horst
Eingestellt am 16.09.2019

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