Orientierungslauf in Deutschland


Gelungener Einstand für deutsches Gehörlosen-Orientierungslaufteam

Mit einem deutschen Medaillengewinn endete die Premiere bei den 4. Weltmeisterschaften für Gehörlose in Olomouc / Tschechien vor einer Woche. Bei einer internationalen Meisterschaft war der deutsche Gehörlosensportverband (DGS) im Orientierungslauf noch nie vertreten. Erst im Herbst 2018 wurde Orientierungslauf als Unterabteilung in die Sparte Leichtathletik bei der Spartentagung aufgenommen. Orientierungslauf ist bei den olympischen Spielen für Gehörlose, sogenannte Deaflympics, sogar im Programm.

Eröffnung mit Michael Margolin, Thomas Goepfert und Sergei Roskop (v. l. n. r.)
Eröffnung mit Michael Margolin, Thomas Goepfert und Sergei Roskop (v. l. n. r.)  Foto: Team Deutschland

Sergei Roskop aus Braunschweig, Thomas Göpfert aus Weil der Stadt und Michael Margolin aus Düsseldorf bildeten am letzten Wettkampftag ein Staffelteam in Námest na Hané. Göpfert ging in der Staffel (3 x 6,1km mit 210 Höhenmetern und 26 Posten) als Startläufer ins Rennen. In dem feinkupierten Gelände sorgte der Organisator mit vielen dicht aufeinander folgenden Posten bei den Läufern für Verwirrung. Göpfert übergab unter den zehn Teams auf Platz 6. Dank der klugen Aufstellung gelang es dem Schlussläufer Sergei Roskop, von Platz sieben gestartet hinter der Ukraine und Tschechien aufs Podium zu laufen. Vier Teams fielen aufgrund von Fehlstempeln aus der Wertung.

Zuerst fand der Sprintwettbewerb im bekannten botanischen Garten von Olomouc und teilweise in der historischen Altstadt statt. Sergei Roskop überlief den ersten Posten und leistete sich zwei Routenwahlfehler, blieb aber unter den Top 8, Göpfert wurde 14. Der dritte Deutsche Michael Margolin lief aufgrund seines Alters in allen Wettbewerben außer in der Staffel nur im offenen Lauf mit.

Staffelstart mit Startläufer Thomas Göpfert
Staffelstart mit Startläufer Thomas Göpfert  Foto: Team Deutschland

Ein ganz starkes Ergebnis erzielte wie gewohnt der Braunschweiger auf der Langstrecke im Skigebiet Kladky. Nur 10 Sekunden trennten ihn nach 10 km und 395 Hm auf Platz vier von der Bronzemedaille. Durch Nervosität verlor er an zwei Posten im letzten Drittel wertvolle Sekunden. Mit einem solchem Top-Resultat hatte das deutsche Team jedoch nicht gerechnet. Göpfert verpasste dagegen sein eigenes Ziel, Top 12 und wurde 13.

Zwei Tage später stand die Mitteldistanz auf dem Programm. Im gleichen Gebiet bei Cechy pod Kosírem, wo vier Wochen zuvor die europäische Studentenmeisterschaften stattfanden, belegte Roskop erneut den hervorragenden 8. Platz. Zwei Fehler an vergleichsweise leichten Posten kosteten die mögliche Bronzemedaille. Läuferisch lag er in Schlagdistanz zu allen drei Medaillengewinnern.
In allen Einzelwettbewerben dominierten ukrainische und russische Orientierungsläufer. Teams aus Litauen und Ungarn waren ebenfalls stark vertreten.

Gehörlose Orientierungsläufer müssen in allen Wettbewerben ohne Hörhilfen rennen, was ein Handicap bedeutet, da sie die Pieptöne am Posten und vom SI-Chip nicht registrieren. Weiterhin können sie auch Schritte und Geräusche von Konkurrenten im Wald nicht wahrnehmen. Gehörlose Sportler nehmen dagegen mehr visuell wahr. Teilnehmen können hörbehinderte Sportler mit mindestens 55 dB auf der besten Ohrseite.

Kartenausschnitt Mitteldistanz
Kartenausschnitt Mitteldistanz

Der Deutsche Gehörlosensport (DGS) ist der Dachverband des organisierten Gehörlosensports in Deutschland und vereint im Ressort Leistungssport die Sportarten, die entweder deaflympisch sind oder auf international so hohem Niveau betrieben werden, dass sie regelmäßig vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat gefördert werden. Der DGS existiert seit 1919 und ist ein eigenständiger Verband mit 26 Sportarten. Dieser gehört dem Deutschen Olympischen Sportbund an und hat ca. 10.000 Mitglieder. Seit dem Jahr 1997 zählt der Orientierungslauf als deaflympische Sportart zum Programm der Olympiade für Gehörlose.

Dank Sergei Roskop hat die Sparte Leichtathletik den Orientierungslauf im Jahr 2018 aufgenommen. Da Orientierungslauf erst seit kurzem im DGS ist, gibt es jetzt erst zwei Kadersportler. Einige Breitensportler sind interessiert, um das Team zu verstärken. Ziel ist es, künftig ein starkes Staffelteam bilden zu können. Gesucht werden daher hörbehinderte Orientierungsläufer (egal ob Schwerhörige, Gehörlose, mit CI versorgte Sportler mit max. 55 dB Hörvermögen auf der besten Ohrseite).

Die WM für Gehörlose in Olomouc / Tschechien wurde seit 2007 inzwischen zum vierten Mal ausgetragen. Die EM für Gehörlose existiert seit 1988 und findet ebenfalls alle vier Jahre statt. Die EM 2020 findet entweder in Schweden (Ende August 2020) oder Aserbaidschan (Anfang Oktober 2020) statt.


Mehr:
Homepage Veranstaltung & Ergebnisse
DGS Sparte Leichtathletik mit Orientierungslauf
Deutscher Gehörlosensportverband

Autor: Thomas Göpfert, Ergänzung/Korrektur Daniel Härtelt
Eingestellt am 30.08.2019

© 2001-2019 TK OLImpressum und Datenschutz