Orientierungslauf in Deutschland


Umfrageergebnisse Orientierungslauf 2018

Von Anfang Dezember 2018 bis Anfang 2019 konnte man sich an einer Online-Umfrage zum Orientierungslauf in Deutschland beteiligen. Da diese Umfrage nach 2017 bereits ein zweites Mal durchgeführt wurde, ergab sich auch die Möglichkeit zu jahresübergreifenden Vergleichsbetrachtungen.

Umfrageergebnis: Verwendung von Spenden
Umfrageergebnis: Verwendung von Spenden

Mit knapp 350 Teilnehmern lag die Beteiligung an der Umfrage zwar nicht ganz so hoch wie im Vorjahr. Dennoch lässt die statistische Auswertung auch diesmal die Veröffentlichung von Ergebnissen zu, die repräsentativ für den deutschen Orientierungslauf sind.
Sowohl die Verteilung der Befragten nach Alter und Geschlecht als auch der hohe Anteil an Vereinszugehörigkeit blieben im Vergleich zu 2017 nahezu unverändert
Da auch die regionale Verteilung der Teilnehmer wieder annähernd den realen Verhältnissen in Deutschland entspricht, lässt eine diesmal erweiterte Umfrage-Auswertung auch verschiedene Rückschlüsse auf regionale Besonderheiten zu.
Während Sachsens OLer bei der Umfrage-Beteiligung unangefochten an der Spitze bleiben, konnten Bayern, Hessen, Niedersachsen und Thüringen ihren Anteil deutlich erhöhen.

Die Umfrage 2018 bestätigt erneut, dass OL ein Familiensport ist. Ein Drittel aller Befragten hat in der Familie und ein weiteres Viertel von Freunden das erste Mal vom OL gehört. Das ist zwar einerseits erfreulich, weil sich hiermit erneut bestätigt, dass OL eine familienfreundliche Sportart ist, aber es stimmt auch bedenklich. Denn um eine stärkere Verbreitung des Orientierungslaufs zu erreichen, muss nicht nur unter Bekannten sondern auch in anderen gesellschaftlichen Kreisen für unsere schöne Natursportart geworben werden. In diesem Zusammenhang sind z.B. Initiativen im Schul-OL ausdrücklich zu begrüßen. Lobbyarbeit für das Erlernen des Umgangs mit Karte und Kompass in der Schule umreißt ein weiteres großes Arbeitsfeld.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass von der Möglichkeit, besondere Hinweise zu geben, rege Gebrauch gemacht wurde. Unter den vielen Eintragungen fand sich auch folgendes Highlight: „Orientierungslauf ist ne geile Sportart, ich komme vom Fußball!!“

Die Tatsache, dass der OL von den meisten als Naturerlebnis empfunden, dieser wichtig für die persönliche Gesundheit eingeschätzt wird und gute Gelegenheiten bietet, die Zeit mit Freunden zu verbringen, unterstreicht seinen breitensportlichen Charakter.
So verwundert es wenig, dass Entscheidungen für oder gegen eine OL-Teilnahme am meisten davon beeinflusst werden, ob der Termin in die persönliche Planung passt und die Anreise nicht zu weit ist. Dagegen wird eine Teilnahme eher selten vom Angebot eines Rahmenprogramms, dem Namen des Ausrichters oder Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe abhängig gemacht.

Umfrageergebnis: Deutschen Meisterschaften 2018
Umfrageergebnis: Deutschen Meisterschaften 2018

Trotz geringer Abweichungen gibt es bei der Einschätzung der regionalen Veranstaltungen weitestgehend Übereinstimmung. Während die Kartenqualität meist als „gut“ eingeschätzt wird (mit Ausnahme von Berlin und Brandenburg), schneidet die Beurteilung der Siegerehrungen durchweg sehr schlecht ab, was auf einen gewissen Handlungsbedarf hindeutet. Bemerkenswert ist auch, dass die kulinarische Versorgung am Rande von Veranstaltungen überall positiv beurteilt wird. Gemittelt über alle Bewertungskriterien erhielten nach Einschätzung der Teilnehmer die Wettkämpfe in Sachsen und Thüringen die besten Noten.

Die Öffentlichkeitsarbeit auf Bundesebene wird im Durchschnitt deutlich besser beurteilt als die auf Landes- und Vereinsebene. An dieser Grundtendenz können auch die Saarländer nichts ändern, deren Öffentlichkeitsarbeit 2018 mit Abstand die besten Noten bekam.

Orientierungslauf wird ausschließlich von Orientierungsläufern organisiert. Die Hälfte der OLer gibt an, das aktuelle Engagement nicht weiter steigern zu können. Die Antwort, sich zwar einbringen zu wollen, aber keine Zeit dafür zu haben, kommt zu 80 Prozent aus dem Altersbereich der 19- bis 50-jährigen, was auf eine hohe Belastung in Beruf und Familie hindeutet. Bei der Planung in den Vereinen sollten also die veränderten Lebensbiographien berücksichtigt werden, die das heutige gesellschaftliche Umfeld mit sich bringen, denn sowohl die Anhebung des Renteneintrittsalters als auch immer weniger Vorruhestandregelungen reduzieren die Anzahl der rüstigen Senioren und Seniorinnen mit entsprechendem Zeitpotential in den Vereinen. Dennoch stimmt optimistisch, dass sich insgesamt über 80 Prozent der Aktiven an der Organisation von Trainings und Wettkämpfen beteiligen, was die These einer in sich funktionieren OL-Gemeinschaft untermauert.

Potentielle Problemfelder bei der Wettkampf- und Trainingsorganisation werden regional sehr unterschiedlich beurteilt. Während in vielen Ländern und in ganz besonderem Maße in Nordrhein-Westfalen die Meisterung bürokratischer Anforderungen als Hauptproblem angesehen wird, klagen andere Länder über mangelnde Finanzen (Rheinland-Pfalz) und mangelnde Kompetenzen (Saarland).

Hinsichtlich gewünschter Regeländerungen zeichnen sich zwei Dinge ab. Knapp die Hälfte der OLer ist für eine Verkürzung der Meldefristen auf Bundesebene. Und sogar 70 Prozent sind der Meinung, dass Rahmenangebote wie Massenquartier und Abendveranstaltung im Ermessen des jeweiligen Ausrichtervereines liegen sollte. Sie verbinden damit auch die Hoffnung, die Bewerbersituation für Bundesveranstaltungen wieder zu verbessern.

Obwohl der Orientierungslauf seit 1977 dem Deutschen Turner-Bund (DTB) zugeordnet ist, bemühen sich seit vielen Jahren mit dem Förderverein Orientierungslauf und dem Deutsche Orientierungssport-Verband (DOSV) zwei weitere überregionale Vereine, die Rahmenbedingungen für den Orientierungssport im Allgemeinen und für das nationale Wettkampfsystem im Speziellen zu verbessern.

Den Vorstand und die 152 Mitglieder des Fördervereins Orientierungslauf wird es besonders freuen, dass im 25. Jubiläumsjahr der Bekanntheitsgrad unter der OLern von knapp 87 Prozent im Vorjahr auf über 95 Prozent gestiegen ist. Leider hat dieser Umstand (noch) nicht zu einem sprunghaften Mitgliederanstieg oder gesteigerten Spendenaufkommen geführt. Die meisten OLer wünschen sich, dass die eingehenden Spenden für die Nachwuchsarbeit verwendet werden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass der Förderverein bei der Mittelvergabe soweit wie möglich den Wünschen der Spender folgt, sofern diese satzungskonform sind.

Verglichen mit dem Förderverein ist der Bekanntheitsgrad des DOSV im sechsten Jahr seines Bestehens mit 90 Prozent schon erstaunlich hoch. Verwunderlich ist dieses Ergebnis nicht, denn mit dem O-Manager und den Dienstleistungen in dessen Umfeld hat der DOSV in den letzten Jahren eine zeitgemäße digitale Infrastruktur für den gesamten deutschen Orientierungssport geschaffen.
Knapp 60 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, Mitglied in einem DOSV-Verein zu sein oder im Verein über eine DOSV-Mitgliedschaft gesprochen zu haben. Die Tatsache, dass sich nur 11 Prozent der Orientierungsläufer derzeit keine Mitgliedschaft im DOSV wünschen, bestätigt den eingeschlagenen Kurs des DOSV, seine Kraft weiter für die Entwicklung des Orientierungssports einzusetzen.
2018 hat der DOSV mit dem DTB eine Vereinbarung geschlossen. 61 Prozent der OLer kennen diese vertragliche Vereinbarung. Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Meinungsbild über den Vertragsinhalt ab. Während 46 Prozent zufrieden mit dem Vertrag sind oder sich gewünscht hätten, dass dem DOSV mehr Kompetenzen hätten eingeräumt werden müssen, denken lediglich 10 Prozent, dass dem DOSV zu viele Rechte zugestanden worden sind. Die Übrigen haben sich (noch) keine eigene Meinung gebildet.
In der regionalen Auswertung ergibt sich fast erwartungsgemäß der größte Zuspruch zum DOSV-DTB-Vertrag in Sachsen, also dem Bundesland, in dem der OL am weitesten verbreitet ist. Bemerkenswert ist aber auch, dass sich beispielsweise im Niedersachsen die Anzahl der Befürworter und die Anzahl derjenigen, denen der Vertrag zu weit geht, in etwa die Waage halten.

Umfrageergebnis: Ist die OL-Umfrage sinnvoll?
Umfrageergebnis: Ist die OL-Umfrage sinnvoll?

Auch das OL-Nationalteam schneidet in der neuesten Umfrage deutlich besser als noch vor einem Jahr ab. Über 98 Prozent der OLer finden es sinnvoll, dass es ein Nationalteam gibt. Die Steigerung zum Jahr 2017, in dem sich nur 87 Prozent in diesem Sinne geäußert hatten, ist vermutlich auch auf den Juniorenweltmeistertitel von Colin Kolbe zurückzuführen. Ungeachtet dessen werden die Leistungen des Nationalteams insgesamt und jeweils in den Bereichen Jugend, Junioren und Elite deutlich stärker als im Vorjahr eingeschätzt. Diese Mehrheitsmeinung darf gern als Lob für die Trainer, Aktiven und all diejenigen, die im Umfeld des Nationalteams aktiv sind, verstanden werden.

Vier von fünf Umfrageteilnehmern erachten die durchgeführte Umfrage als sinnvoll, was eine deutliche Steigerung des Zustimmungsgrades zum Vorjahr bedeutet, in dem nur zwei Drittel diese Meinung hatten. Motiviert durch dieses Feedback möchte die Redaktion auch 2019 wieder eine Umfrage starten und bittet hierfür um zahlreiche Anregungen und konstruktive Hinweise.


Mehr:
Umfrageergebnisse im Detail
Homepage Förderverein Orientierungslauf
Homepage DOSV

Autor: Susen Lösch und Steffen Lösch
Eingestellt am 20.02.2019

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