Orientierungslauf in Deutschland


Saisonrückblick im Trail-O

Das Präzisionsorientieren als jüngste der vier Orientierungssportarten erfährt international eine rasante Entwicklung und einen Popularitätszuwachs, steckt in Deutschland aber weiterhin in den Kinderschuhen.

Piktogramm Trail-O Deutschland
Piktogramm Trail-O Deutschland

Die internationale Saison im Präzisionsorientieren ist abgeschlossen. Zeit, einen Rückblick zu geben und den Fokus auch nach vorne zu richten. Die Entwicklung des Trail-O auf internationaler Ebene ging auch 2018 mit Riesenschritten weiter. Der im Jahr 2013 eingeführte ECTO, der (inoffizielle) European Cup in Trail Orienteering mit zehn Wettkämpfen an fünf Wochenenden steht für viele Weltklasseathleten immer mehr im Blickpunkt und hat sich mittlerweile zu einer Art insgeheimem Weltcup entwickelt. 2018 waren hier insgesamt 260 Athleten klassiert. Erstmals seit diesem Jahr wird im Trail-O auch eine IOF-Weltrangliste geführt. Die Welt- und Europameistschaften haben sich etabliert und die WM ist nicht mehr länger Beiwerk der WM im Fuß-OL.

Auch entwickelt sich das Präzisionsorientieren tendenziell weg vom Image des reinen Behindertensports. Die Para-Kategorie für Sportler mit körperlicher Beeinträchtigung ist weiterhin wichtiger Bestandteil der Trail-O-Meisterschaften, doch während hier die Teilnehmerzahlen stagnieren, entwickeln sie sich in der Kategorie Open beständig nach oben. Bei ECTO und Weltrangliste gibt es jeweils nur noch eine gemeinsame Wertung aller Sportler. Wurde früher das Präzisionsorientieren häufig von Orientierungsläufern nebenher ausgeübt, bilden sich nun immer mehr Spezialisten für das Präzisionsorientieren heraus, die nur diese oder überwiegend diese Sportart betreiben und den OL nur noch als Training oder nebenher.

Trail-O ermöglicht ein Miteinander von Athleten mit und ohne körperliche Beeinträchtigung
Trail-O ermöglicht ein Miteinander von Athleten mit und ohne körperliche Beeinträchtigung  Foto: Krešo Keresteš

Viele der stärksten Athleten kommen auch im Trail-O mittlerweile aus Skandinavien, doch die mitteleuropäischen Nationen haben hier alle Möglichkeiten, in die Medaillenränge vorzustoßen. Außer in Europa ist Trail-O vor allem in den USA und im ostasiatischen Raum vertreten.

In Deutschland stellt sich die Situation im Trail-O weiterhin relativ schwierig dar. Auch 2018 standen keinerlei Wettbewerbe in Deutschland in der Terminliste und auch die Zahl der Aktiven bleibt weiter auf niedrigem Niveau. Dabei haben Deutschlands Präzisionsorientierer auch in diesem Jahr wieder bewiesen, dass sie in die erweiterte Weltspitze vorstoßen können.

Da auch in vielen Nachbarländern Trail-O nicht entwickelt ist - in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den Niederlanden gibt es quasi keine Strukturen - ist auch die Entfernung zu den nächstgelegenen internationalen Events meist groß. Dass in der Disziplin PreO, bei der die Präzision wichtiger ist als die Entscheidungsgeschwindigkeit, auch mit OL-Erfahrung und -Training gut abschneiden kann, zeigten die deutschen Athleten bei WM und EM auch 2018. Im TempO aber, bei dem das Hochgeschwindigkeitsorientieren viel Spezialtraining erfordert, ist Deutschland aufgrund der geschilderten Situation aktuell nicht konkurrenzfähig.

Das Trail-O-Jahr 2018 startete aus deutscher Sicht überraschend erfolgreich, als Ralph Körner gleich bei zwei Weltranglistenwettbewerben im TempO in Alexandria (Ägypten) und im PreO in Lipca (Slowenien) aufs Podium orientierte. Bei den Europameisterschaften Ende April in Bratislava (Slowakei) platzierten sich im PreO Ralph Körner (15.), Anne Straube (21.) und Christian Gieseler (22.) allesamt in den Top 30, wobei Ralph mit Platz acht am ersten Tag und Christian mit Platz sieben am zweiten Tag aufhorchen ließen.

Ralph Körner, Anne Straube und Christian Gieseler (v.l.) holten für Deutschland ein Staffel-Diplom bei der EM 2018 in Bratislava
Ralph Körner, Anne Straube und Christian Gieseler (v.l.) holten für Deutschland ein Staffel-Diplom bei der EM 2018 in Bratislava  Foto: Nationalteam

Gemeinsam holte das Trio als erste deutsche Trail-O-Staffel überhaupt mit Rang fünf einen Diplomplatz. Im TempO wiederum gelang keinen deutschen Athleten der Finaleinzug. Bei den Weltmeisterschaften Mitte August in Daugavpils (Lettland) bestätigte Christian Gieseler als einziger deutscher Starter mit Platz 23 im PreO die gute Bilanz. In der Weltrangliste sind mit Christian Gieseler (34.) und Ralph Körner (62.) aktuell zwei Deutsche unter den Top 100 klassiert. Den ECTO schloss Christian Gieseler als einziger Deutscher mit nur zwei Wettbewerben auf Rang 48 ab.

Doch auch auf anderem Feld bringt sich Deutschland in den internationalen Trail-O-Sport ein. So war Anne Straube bei den Weltmeisterschaften in Lettland erfolgreich als Senior Event Advisor im Einsatz.

Wie geht es 2019 weiter? Im internationalen Fokus steht neben dem ECTO mit Wettbewerben in Slowenien, Großbritannien, Portugal, Polen und Schweden vor allem wieder die Weltmeisterschaft, die Anfang Juli im portugiesischen Idanha-a-Nova ausgetragen wird. Hier sollte das Ziel sein, wieder eine deutsche Staffel aufstellen zu können. Auf nationaler Ebene gilt es, das Präzisionsorientieren zu entwickeln. Die TK-Position des Verantwortlichen für Trail-O ist mit Ralph Körner nun erstmals besetzt und nach mehreren Jahren Pause wird es auch wieder Trail-O-Wettbewerbe in Deutschland geben. In Sachsen zum MTB-O-Weltcup und in Bayern zum World Orienteering Day sind bereits zwei Wettkämpfe terminiert, in Westfalen und Berlin wird ebenfalls geplant. Damit wäre ein wichtiger Schritt gemacht, um den Trail-O-Sport in Deutschland bekannter zu machen und eine Szene zu etablieren, um mittelfristig im internationalen Vergleich zu den Top-Nationen aufholen zu können.


Mehr:
European Cup in Trail Orienteering 2018
IOF World Ranking Trail-O
Terminliste Präzisionsorientieren 2019

Autor: Ralph Körner  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 17.12.2018

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