Orientierungslauf in Deutschland


Alexandersson und Lundanes gewinnen Langdistanz

Zum Abschluss der Europameisterschaften in der Schweiz hatten sich die Eidgenossen für die Langdistanz noch einmal ein landestypisches Gelände mit den entsprechenden Anforderungen ausgesucht. Trotz zahlreicher Höhenmeter triumphierten sowohl bei den Damen als auch bei den Herren mit Tove Alexandersson (Schweden) und Olav Lundanes (Norwegen) zwei skandinavische Läufer. Susen Lösch (USV Jena) erreichte als beste Deutsche den 29. Rang.

Susen Lösch war erneut stärkste Deutsche zur Langdistanz.
Susen Lösch war erneut stärkste Deutsche zur Langdistanz.  Foto: Fred Härtelt

Der Wettkampf über die Langdistanz ist traditionell geprägt von mehreren langen Verbindungen, bei denen anhand der falschen Routenwahl mitunter viel Zeit verloren werden kann. Im Wettkampfgebiet bei Tesserete waren diese Entscheidungen auf Basis der Belaufbarkeit sowie der zahlreichen Höhenmeter inklusive tiefer Täler zu treffen. Zu absolvieren waren auf der optimalen Route der Damen 11,3 km und bei den Herren 14,9 km. In beiden Kategorien musste gegen Ende viel abwärts gelaufen werden. Konkret bedeutete dies im Herrenrennen bei 910 Höhenmeter Steigung auf der Optimalroute ca. 1400 Höhenmeter abwärts. Orientierungstechnisch musste im Laufgelände auf einer Höhe von 600 bis 1000m bei am Ende teilweise starkem Regen zudem durch offene gebirgstypische Wiesenbereiche sowie unterschiedlich belaufbare Kastanien- und Birkenwälder navigiert werden. Postenstandorte an Steinen sowie grüne Abschnitte erschwerten die Orientierung.

Im Damenrennen griffen nach mehreren Tagen Pause Tove Alexandersson sowie Natalia Gemperle (Russland) wieder ins Geschehen ein. Die Schwedin entschied erst direkt am Start, ob durch die wenige Tage zuvor erlittene Fußverletzung das Laufen unter Wettkampfbedingungen überhaupt möglich ist. Nach einem konzentrierten Rennen nahezu ohne Fehler betrug der Abstand zur Zweitplatzierten Natalia Gemperle ganze 5 Minuten. Auf dem dritten Platz lief Julia Gross für die Schweiz.

Moritz Döllgast konnte nicht an das WM-Resultat von 2017 anknüpfen.
Moritz Döllgast konnte nicht an das WM-Resultat von 2017 anknüpfen.  Foto: Fred Härtelt

Von den deutschen Damen zeigte Susen Lösch ein konstantes Rennen, welches sie auf dem 29. Platz beendete. Für Anna Reinhardt und Paula Starke (beide USV TU Dresden) wurde es im Gesamtklassement der 61. und 66. Rang.

Im Gegensatz zum Damenrennen war die Entscheidung bei den Herren von viel Dramatik geprägt. So gab es an der Spitze immer wieder virtuelle Führungswechsel. Ganz ohne Fehler kam wohl keiner der Medaillengewinner über die gesamte Distanz. Nach 12 Kilometern führte der Norweger Olav Lundanes vor dem Franzosen Frederic Tranchand. Mit einem starken Schlussabschnitt sicherte sich der norwegische Weltmeister über die Langdistanz auch den Titel zur Europameisterschaft. Nach einem Fehler gegen Ende des Rennens musste sich Tranchand am Ende mit dem vierten Rang begnügen. Die zunächst virtuellen Medaillenkandidaten Matthias Kyburz (Schweiz) sowie Gernot Kerschbaumer (Österreich) zeigten ebenfalls einen konstant starken Schlussabschnitt. Somit konnte Kyburz eine weitere EM-Silbermedaille der Sammlung hinzufügen. Der dritte Platz für Gernot Kerschbaumer ist der größte Erfolg seiner Karriere. Die letzte Entscheidung schließt gleichfalls eine überragende EM für die Schweizer, aber auch für die Österreicher ab.

Die deutschen Herren konnten heute von Beginn an nicht um eine vordere Platzierung mitlaufen. Am Ende waren die Ränge 51, 54 und 63 zu vermelden.

Schlafen und Wettkampfanalyse mit dem Nationalteam
Schlafen und Wettkampfanalyse mit dem Nationalteam  Foto: Facebook German Elite Orienteering Team

Aus deutscher Sicht kann diese Europameisterschaft als sehr durchwachsen analysiert werden. Positiv können die inzwischen schon gewohnt starken Ergebnisse von Susen Lösch bei allen Starts bewertet werden. Auch Dorothea und Philipp Müller (beide Post SV Dresden) zeigten zur Mitteldistanz ihr Können. Weniger positiv mit Hinblick auf die Zukunft lassen viele weitere deutsche Ergebnisse stimmen, da dort ein deutlicher Rückstand auf die Spitze erkennbar war. Allerdings darf bei dieser Analyse nicht gänzlich die Ausrichtung des Trainingsplanes außen vorgelassen werden. Auch im Feld der weiteren EM-Starter war erkennbar, dass bei manchen Läufern der Leistungshöhepunkt klar auf der WM liegt. Das Engagement des Trainerteams im Vorfeld und während der Titelkämpfe war trotz der teilweise wenig optimalen Rahmenbedingungen erneut Garant für die Ergebnisse.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit hat die Internationale Orientierungssport Föderation mit den Livebildern für die sozialen Medien den Verbänden ein ganz neues Werkzeug an die Hand gegeben. Neben Schweden und der Schweiz konnte durch das Engagement des Deutschen Orientierungssport-Verbandes (DOSV) auch das Presseteam von orientierungslauf.de auf das Material zugreifen. Nach einer umfangreichen internen Analyse könnte es für die Zukunft eine Zielstellung sein, dieses Angebot mit einem eigenen Kommentator zu untermalen und auf alle Orientierungssportarten auszubreiten. Zielstellung hierbei ist es die Sichtbarkeit und die Sponsorenattraktivität des Orientierungssports in Deutschland weiter zu erhöhen, so dass der finanziellen Abwärtsspirale der letzten Jahre auf Bundesebene (trotz der erhöhten Spendenbereitschaft für die Fördervereine und den DOSV) entgegengewirkt werden kann.

Ergebnisse


Damen

1. T. Alexandersson (Schweden)	1:21:08 
2. N. Gemperle (Russland) 1:26:08
3. J. Gross (Schweiz) 1:26:49
29. S. Lösch (Deutschland) 1:39:50
61. A. Reinhardt (Deutschland) 2:00:39
66. P. Starke (Deutschland) 2:17:10



Herren

1. O. Lundanes (Norwegen)	1:34:42
2. M. Kyburz (Schweiz) 1:35:34
3. G. Kerschbaumer (Österreich) 1:35:54
51. P. Müller (Deutschland) 1:57:47
54. M. Döllgast (Deutschland) 1:58:30
63. W. Kundisch (Deutschland) 2:03:05


Mehr:
Homepage Veranstaltung
Bildmaterial Facebook Orientierungssport Deutschland
Videoimpressionen von der Langdistanz

Autor: Daniel Härtelt  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 13.05.2018

© 2001-2018 TK OLImpressum und Datenschutz