Orientierungslauf in Deutschland


Konsequenzen der Umfrage zur Altersklassenregelung

Die Umfrage zur Altersklassenregelung für nationale Staffelwettkämpfe ist auf gute Resonanz gestoßen. Es wurden 381 gültige Stimmen abgegeben, dies sind 26 % der in der Bundesrangliste 2002 verzeichneten Aktiven, bezogen auf die betroffenen Klassen ab D/H 35 sogar 36 %. Dieses Meinungsbild ist damit ausreichend repräsentativ und die Verteilung der abgegebenen Stimmen deutlich genug, um jetzt eine Revision der Regelung seitens des Technischen Komitees einzuleiten.

Staffelstart wieder nach alter Regelung
Staffelstart wieder nach alter Regelung

Über alle Altersklassen ergibt sich folgende Stimmverteilung:

Beibehaltung der offenen Summenregelung
(Summe 20+)
(79 Stimmen, 21 %)

Rückkehr zur Summenregelung ab D/H 35
(kurz: Summe 35+)
(254 Stimmen, 67 %)

Andere Regelung
(48 Stimmen, 13 %)



Sehr erfreulich ist, daß eine Mehrzahl der Teilnehmer namentlich abgestimmt hat. Dies war nicht zwingend, erzeugt aber eine erfreuliche Transparenz.
Die Umfrage bot die Möglichkeit, eine andere Regelung vorzuschlagen und separat eine Anmerkung abzugeben. Dies wurde rege genutzt (79 abweichende Regeln, 55 Anmerkungen) und liefert zusätzliche Informationen:

  • Unter den Teilnehmern, die eine andere Regelung wünschen, plädierten 36 (9%) für die Rückkehr zur Altersklassenbeschränkung D/H 35-45-55. 9 weitere Teilnehmer, die für Summe 35+ gestimmt haben, wünschten dies als Anmerkung. Gesamt 12 % für reine Altersklassen. Einzelne Anmerkungen zielen auch auf Summen aus den drei Altersklassen (105-135-165).

  • 7 Teilnehmer (alle Summe 35+) wiesen in der Anmerkung auf die eventuelle Notwendigkeit einer D/H 160-170 hin.

  • Es gibt einzelne Stimmen, die ein Zweitstartrecht für die Staffel wünschen.

  • Ein Vorschlag lautete: Meisterschaften getrennt belassen; sonst Staffelbahnen in drei Längen kurz -mittel-lang und jeder kann unabhängig vom Alter nach Wunsch starten.

  • Weitere Einzelstimmen schlagen davon abweichende Regelungen und andere Zusammenfassungen von Altersklassen vor. Ein Teilnehmer forderte ironisch den Schutz der Jüngeren vor den erfahrenen und routinierten Senioren. (Wie wahr, wie wahr....)

Dem Spektrum der Stimmen möchte ich wie folgt antworten:
  • Eine Rückkehr zur reinen Altersklasse erscheint nicht sinnvoll. Die Wettkampfbestimmungen lassen für Senioren seit jeher den Start in jüngeren Altersklassen zu. Die Altersklassensumme bietet jedoch die Möglichkeit, einen jüngeren Läufer in die höhere Klasse zu ziehen, wodurch die älteren Läufer auf ihrer kürzeren Bahn bleiben können.

  • Zweitstartrecht: Die Regel, daß Staffeln bei Meisterschaften einem Verein angehören müssen, ist eine der wenigen Belohnungen für die langfristige Vereinsarbeit und eine gut gepflegte Alterspyramide. Deshalb sollte daran nicht gerüttelt werden, die Rahmenkategorien bieten reizvolle Möglichkeiten für alle anderen.

  • D/H 160+: Die Bundesrangliste 2002 weist für die über 50-jährigen 32 theoretisch mögliche Vereinsstaffeln aus, dabei 3-4 Damenstaffeln. Bei den Staffelmeisterschaften 2002 traten schon in der D/H 145 nur 10 Damen- und 19 Herrenteams an (2001: 8 / 20). Es erscheint zweifelhaft, daß der Aufwand einer weiteren Bahn H 160+ für wenige Teams gerechtfertigt ist. Allerdings sollte dies in etwas 5 Jahren anhand der dann vorhandenen Alterspyramide überdacht werden.

  • Die Rahmenklassen bleiben für alle Aktiven, die keine Vereinsstaffel aufstellen können oder weniger der Leistung als des Vergnügens wegen laufen, ein attraktiver Weg für einen interessanten Wettkampf. Unter Berücksichtigung der Startgebühren bei Meisterschaften gehen einige Vereine heute gezielt diesen Weg für Staffeln, die keine Chancen haben.

Beauftragter für Wettkampfwesen im TK Tobias Wolf bei seiner Antrittsrede dieses Jahr mit Hans Breckle (TK-Vorsitz)
Beauftragter für Wettkampfwesen im TK Tobias Wolf bei seiner Antrittsrede dieses Jahr mit Hans Breckle (TK-Vorsitz)

Auf Basis dieser Ergebnisse und der aufgezählten Argumente habe ich dem TK vorgeschlagen, die vor November 2001 geltende Regelung mit folgendem Wortlaut wieder in Kraft zu setzen:
„In den Staffelkategorien D/H 105 bzw. D/H 145 stehen die Zahlen 105 bzw. 145 für die Summe des Alters der Teammitglieder, sie müssen aber der Altersklasse D/H 35- oder älter angehören.“
Dies gilt lt. Wettkampfbestimmungen ebenfalls für den Mannschafts-OL.
Das TK ist diesem Vorschlag mit 5 Stimmen, 2 Gegenstimmen und einer Enthaltung gefolgt. Die Regel wird ab 2003 wieder in Kraft gesetzt. Dies ist mit den Veranstaltern der DM Staffel (30.03.2003) abgestimmt.

Tobias Wolf
TK OL - Wettkampfwesen


PS: Für Statistiker noch ein wenig Futter

  • 381 gültige Stimmen: 30 % Damen (113), 70 % aus den betroffenen Klassen (79); 70 % Herren (268), 60 % aus den betroffenen Klassen (161).

  • Ca. 20 anonyme Altersklassen-Angaben ohne Angabe D / H, die damit keinen Anhaltspunkt zur Geschlechtsabschätzung gaben, habe ich ausschließlich zu H zugeordnet, da auch auf den übrigen Postkarten und im Netz fast ausschließlich Herren anonym abstimmten. Die Frauen gehen offensichtlich mit ihrer Position offener um.

  • Einem jugendlichen Sportfreund, der bei der Staffel den Briefkasten mit 15 leeren Zetteln fütterte, habe ich meinen Standpunkt dazu direkt dargelegt. Alle übrigen Stimmzettel waren verwertbar.

  • Es beteiligten sich kaum Damen unter 21; in der D21-45 (88 Stimmen) gab es eine klare Mehrheit für Summe 35+; nur in D21 stimmten 28 % für offene Summe; ab D 35 aber nur 12 %; ab D 50 besteht ein deutlicher Trend zu der früheren Abgrenzung in reine Altersklassen (21 %).

  • 19 Stimmen unter H 21, die Mehrzahl stimmt für offene Summe; die H21-H55 (203 Stimmen) stimmt ähnlich wie die Damen, nur in H 21 und Elite stimmen 44 % für offene Summe; ab H 35 aber nur 13 %, für reine Altersklassen stimmen dort auch nur 13 %; es besteht kein deutlicher Trend für Rückkehr zu reine Altersklassen bei den höheren Klassen.

  • Ich habe die Informationen versucht, bestmöglich zu verdichten und Schwerpunkte hervorzuheben. Die Datenquellen stelle ich Interessierten gern zur Verfügung. Es gilt wie immer: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.


Mehr:
Post an Tobias Wolf (Wettkampfwesen)

Autor: Lutz Spranger
Eingestellt am 09.12.2002

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