Orientierungslauf in Deutschland


Go4Orienteering – ein Erfahrungsbericht von Christian Harms

Als ich im vergangenen Jahr mit meiner Tochter Lisa am 3-Tage OL in Belgien teilnahm, wurden am Wettkampfzentrum Go4Orienteering (kurz Go4o) Übungen angeboten. Wir nahmen es zunächst als Kinder-OL-Angebot wahr, doch mit der Zeit wunderten wir uns ein wenig, dass dort ständig großer Betrieb war, und nicht ausschließlich Kinder.

Go4o in Belgien
Go4o in Belgien  Foto: Christian Harms

Also ließen wir uns das Trainingskonzept persönlich von Luc Cloostermans erklären: Go4orienteering ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, o-technische Übungen für Schulen, Vereine und sogar für Teambildungsveranstaltungen zu entwickeln und anzubieten. Eine enorme Anzahl Trainingsserien, die man einmalig als Softwarepaket erwirbt, stehen zur Verfügung. Und Luc entwickelt stetig neue, die der registrierter Nutzer sogar hinzu bekommt. Neben klassischen OL-Übungen gibt es auch gänzlich andere Konzepte, z.B. das Lösen von irgendwelchen Denksportaufgaben, während man Laufrunden absolviert. Aktuell arbeitet er an einem Simulationstraining, bei dem man OL- und Postenbeschreibungssymbole zuordnen muss. Viele der älteren Übungsserien, die ursprünglich für Zwickzangen erstellt wurden, sind mittlerweile auch als SPORTident Versionen verfügbar. Die Auswertung erfolgt per Minireader und mit der einfachen und kostenfreien Software „Easygec“ von Thierry Foret. Ein hoffentlich grüner, lachender Smiley in Verbindung mit der erzielten Laufzeit spornt an, es wieder und wieder aufs Neue zu probieren.
Alle Übungen haben gemeinsam, dass der Schwierigkeitsgrad stetig ansteigt. Es beginnt meist recht einfach, so dass bei vielen Übungen auch schon kleinere Kinder mitmachen können. Danach wird es immer schwerer, was z.B. durch reduzierte Karteninformationen realisiert wird und selbst erfahrene OL’er herausfordert. Darüber hinaus kann man auch Staffeln und/oder Duelle anbieten, indem man mehrere Startstationen einsetzt. Das Konzept hat mich so sehr beeindruckt, dass ich einen Go4o-USB-Stick bereits bei der Heimreise im Gepäck hatte.

Der erste Einsatz
Schon wenige Wochen später hatte Go4o seinen ersten Praxiseinsatz. Beim Tag des Schulsports bauten wir zur abendlichen Feierveranstaltung auf dem Schulgelände ein quadratisches Feld der Serie 2 mit 4*4 Posten auf. Da den Läufern die SI-Codenummern nicht bekannt sind, müssen sie sich genau auf ihre Orientierungsaufgaben konzentrieren. Später sind z.B. nur noch Ausschnitte des Parcours dargestellt. Das Interesse daran war groß und wir konnten schließlich sogar Lehrer und die Schulleiter zur Teilnahme gewinnen. Alle waren sichtlich beeindruckt von dem durchdachten Konzept.

Tag des Schulsports
Tag des Schulsports  Foto: Christian Harms

Die Ruhrpokal-Winter-OL Serie 2017/18
Als Ausrichter des 4. Winterlaufs überlegten wir uns etwas Besonderes: Und zwar sollte es ein Wald-OL in Kombination mit Go4o sein. Das Go4o-Feld in der Größenordnung von 60*60m haben wir dabei gleich in einen schönen Buchenwald positioniert, und nur die Eckposten bekamen einen Postenschirm. Schließlich handelte es sich hier bei unseren „Kunden“ ausschließlich um OL-Profis. Dass man das für die meisten unbekannte Go4o-Feld kaum erkennen konnte, sorgte bei einigen Teilnehmern am Start für etwas Unruhe. Doch bereits nach wenigen Metern waren die Ausmaße ziemlich gut ersichtlich und so lernten alle auf einer ersten, einfachen Runde Go4o kennen. Von dort ging es ohne Pause weiter zum klassischen OL in den Wald, und vor dem Ziel mussten die Läufer ein weiteres Mal das gleiche Feld absolvieren. Diesmal gab es je nach Bahn eine schwerere Variante, bei der Puzzlestücke verdreht waren und die Laufkarte deswegen immer wieder nach Norden ausgerichtet werden musste. Ein Trainingsziel sollte sein, zum Schluss des Laufs nochmal eine hohe Konzentration abzuverlangen. Am Ende haben es alle gut hinbekommen und die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Unser Eindruck war, dass sich die Kinder tendenziell besser auf die ungewohnten Aufgaben einstellen konnten als die Erwachsenen.
Bei der Vorbereitung des Laufs machten wir viele neue wertvolle Erfahrungen. So mussten wir leider die maximale SI Stempelanzahl auf 30 Stück begrenzen wegen der älteren SI-Card Generationen. Auch der Aufbau des Go4o-Felds im Wald entpuppte sich selbst mit Hilfsmittel wie Laser-Entfernungsmesser und Kompass als nicht trivial, denn schließlich mussten alle Posten exakt ausgerichtet sein, auch diagonal.

Die Mathe-Olympiade in Haltern
Der NRW Landesentscheid fand im Februar am Joseph-König Gymnasium statt. Über 300 schlaue Schüler/innen aus ganz NRW waren zu Gast. Für das Rahmenprogramm wurden wir gebeten, einen OL anzubieten. Neben einem klassischen Schulhof-OL verwendeten wir nochmals die Serie 2, diesmal etwas eleganter mit Pylone. Selbst bei eisigen Temperaturen hatten wir sehr regen Zulauf und am Ende registrierten wir über 600 Einzelstarts. Es gab Schüler, die immer wieder aufs Neue starteten, nur um ihre Laufzeit zu verbessern. Mehrfach wurden wir von mitgereisten Lehrern und Eltern gefragt, ob wir das auch woanders anbieten würden…

So geht’s weiter
Der World Orienteering Day Ende Mai wird eine weitere Go4o Veranstaltung sein. Hier werden wir primär die Serie10 (den Fußballplatz-OL) verwenden, desweiteren die Serie 1 (ein 3*5 Feld) für die Grundschüler sowie einen kleinen Score-OL. Das unglaublich hohe Interesse daran hat uns überwältigt, es nehmen voraussichtlich 500 Schüler/innen der Jahrgangsstufen 3-9 von Grund-, Haupt-, Realschule und Gymnasium teil. Unter dem Motto "Man kann einen Fußballplatz auch anders nutzen" wollen wir die Veranstaltung möglichst öffentlichkeitswirksam ausrichten. Und um interessierte Schüler/innen auch über den WOD hinaus für den OL zu begeistern, haben wir vor, nach dem WOD gleich ein Trainingsprogramm „In wenigen Monaten zur OL-DM nach OWL“ anzubieten.

Auswertung beim Go4o
Auswertung beim Go4o  Foto: Christian Harms

Fazit
Für diejenigen, die neuen Schwung ins OL-Training bringen wollen oder auch für die Präsentation unseres Sports ist Go4o eine große Bereicherung! Die Zuschauer sind immer nahe dran, sie fiebern mit, besonders bei Staffelwettbewerben. Man ist vor allem örtlich unabhängig, ohne OL-Karte. Ob drinnen oder draußen, das Training ist überall in wenigen Minuten aufgebaut und erklärt. In einem bekannten Terrain sind die Berührungsängste, OL einmal auszuprobieren, für Neulinge offensichtlich deutlich niedriger, so dass der Schritt hin zu einem „richtigen“ OL später vielleicht kleiner ist. Auch die Beaufsichtigung der Kinder ist unproblematischer, für Lehrer heutzutage ein nicht unwesentlicher Aspekt. Pro Schwierigkeitsgrad sind immer 6 unterschiedliche Karten verfügbar, die man sinnvollerweise nach dem Ausdrucken gleich laminiert. Es können viele Leute gleichzeitig laufen, sogar mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Wartezeiten sind eher von der Anzahl verfügbarer SI-Cards abhängig. Bei großen Teilnehmerzahlen kann man das Feld ein wenig größer aufbauen, um ein allzu großes Gedränge bzw. Kollisionen zu vermeiden.

Wir hoffen, dass Go4o ein wenig dazu beiträgt, die faszinierende Sportart OL anschaulicher nach außen darzustellen und es dadurch vielleicht sogar gelingt, neue Vereinsmitglieder zu gewinnen.
Weitere Informationen über Go4o findet Ihr im Internet unter www.go4orienteering.org. Der Kontakt mit Luc ist hervorragend, er ist auch immer für neue Ideen offen. Für alle Übungen gibt es Anleitungen, auch in deutscher Sprache.

Es gibt übrigens eine direkte Zusammenarbeit zwischen Go4o und SPORTident. Um die Anschaffung von SI-Material für Schulen attraktiver zu machen, wurden gemeinsam preiswertere „EasyGo“ SI-Sets entwickelt. Im Unterschied zu den herkömmlichen SI-Stationen übertragen diese jedoch nur die Codenummern der Stationen auf die SI-Cards, Zwischenzeiten gibt es nicht. Darüber hinaus funktionieren die orangen Go4o-Stationen nur mit SI-Cards der Generation 8.


Mehr:
Homepage Go4o

Autor: Christian Harms
Eingestellt am 20.04.2018

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