Orientierungslauf in Deutschland


Reform des Startpasswesens beim DTB

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) vereint aktuell zirka fünf Millionen Mitglieder in seinen Reihen. Diese besitzen aktuell zirka 103.000 gültige Startpässe. Der DTB plant in Zukunft eine digitale und datenbankbasierte Erfassung des Startrechts ähnlich der zentralen Startpassdatei im Orientierungssport. Die Neuregelung hat gleichfalls erhebliche Kostensteigerungen für alle Wettkampfsportler zur Folge.

DTB-Startpass aus Papier
DTB-Startpass aus Papier

Zum 1. Januar 2019 wird der DTB das neue Passsystem einführen. In diesem Zusammenhang wurde ein klarer Fahrplan für die bundeseinheitliche Startrechtserfassung aufgestellt. Nach der Auswahl einer geeigneten Firma zur Umsetzung und dem Beginn der Implementierung, soll der Testlauf zum 1. Juli 2018 starten. Zum Jahreswechsel 2018/2019 werden dann alle bisherigen Startpässe aus Papier ungültig.

Danach wird das Startrecht nur noch für ein Jahr erworben – bisher galt der Startpass fünf Jahre. Die sogenannte Jahresmarke, welche nicht mehr nur zum Start bei Deutschen Meisterschaften verpflichtend ist, soll dann jeweils 10 Euro kosten. In Zukunft gilt die Startpasspflicht bis auf Kreis- und Gauebene. Das Zweitstartrecht wird in diesem Zusammenhang genauso wie die Freigabe durch den Verein abgeschafft.

Bei einem Vereinswechsel bleibt die dreimonatige Sperrfrist erhalten. Sofern man ein Mannschaftsstartrecht für einen Zweitverein erwerben möchte, kostet dies 5 Euro pro Jahr. Für jede weitere Sportart/Disziplin werden erneut 10 Euro fällig. Hinzu kommt eine Einmalgebühr von 20 Euro für den erstmaligen Erwerb des Startrechts und die Vergabe einer entsprechenden ID. Details könnten sich im Laufe des Jahres 2018 zwar noch ändern. Nicht ändern wird sich jedoch die grundsätzliche Kostenstruktur für die Jahresmarken und den ID-Erwerb.

Die Beantragung soll in Zukunft online durch die Vereinsverantwortlichen erfolgen, was einen erheblichen Mehraufwand auf Vereinsebene bedeutet. Der DTB wird Träger des Passsystems. Auf Ebene der Landesturnverbände erfolgt die Prüfung und Freischaltung der Jahresmarke.

Die Beschlussvorlage zur Modernisierung des Systems und einer gleichzeitigen Gebührenerhöhung wurde mit großer Stimmenmehrheit der Landesturnverbände (LTV) angenommen.

Die einmaligen Einnahmen aus dem Verkauf der ID gehen komplett an den DTB. Die jährlichen Einnahmen werden nach einem Schlüssel zwischen DTB und LTV verteilt. Dass wenigstens ein Teil der Gelder zurück in die Sportarten fließt, ist offiziell nicht vorgesehen.

Unter der Annahme, dass alle Einzeldisziplinen im Orientierungslauf startrechtsmäßig zusammengefasst werden können, bedeutet dies in einem exemplarischen Rechenbeispiel für einen Orientierungssportler eine einmalige Gebühr von 20 Euro sowie eine jährliche Gebühr von 10 Euro. Hinzu kommen dann die jeweiligen Startgebühren für den Wettkampf an sich.

Das neue System belastet den deutschen Orientierungssport grob geschätzt mit einmaligen Kosten von 50.000 Euro für die ID. Vorausgesetzt die Anzahl der Startrechtsvergaben bleibt unverändert zum bisherigen Stand, kommen hierzu noch jährliche Kosten von 25.000 Euro.

Betrachtet man die aktuelle finanzielle Unterstützung des Orientierungssports durch den DTB, so könnte die neue Regelung Anlass für eine weitere Stärkung des Deutschen Orientierungssport-Verbandes bieten, woraus sich dann auch Verpflichtungen für diesen ergeben.


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Autor: Steffen Lösch & Daniel Härtelt
Eingestellt am 22.12.2017

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