Orientierungslauf in Deutschland


„Orientierungssport in Großstädten und Ballungsräumen“ – ein erfolgreiches Projekt

Großstädte und Ballungsräume verzeichnen in Deutschland seit Jahren einen ständigen Zuzug. Eng verbunden mit dieser Entwicklung ist damit, dass die im urbanen Raum und seinem Umland existierenden Grünflächen vom Ackerland über Wald bis hin zu Naherholungsgebieten abnehmen. Dem steht eine immer größer werdende Zahl von Erholungssuchenden gegenüber.

einer der vielen möglichen Festpostenstandorte in Bielefeld, hier auf der Sparrenburg, dem Wahrzeichen der Stadt
einer der vielen möglichen Festpostenstandorte in Bielefeld, hier auf der Sparrenburg, dem Wahrzeichen der Stadt  Foto: Farina Freigang

Sowohl durch kommerzielle Angebote als auch durch die Nutzung durch informelle Gruppen ergeben sich zeitlich und räumlich zusätzliche Einschränkungen und auch Konfliktpotentiale. Hinzu kommen administrative Hindernisse, wenn organisierte, aber nicht im Mainstream liegende Sportarten ihre Angebote genehmigen lassen möchten.
Die dargestellte Situation führt dazu, dass besonders die Ausübung von Natursportarten in das weitere Umland – oft weitab von der Erschließung durch den öffentlichen Nahverkehr – stattfindet. Aber insbesondere um Kinder, Jugendliche und schließlich auch komplette Familien für Natursportarten wie Orientierungslauf zu begeistern und sie damit mit der Natur vertraut zu machen, müssen leicht und kostengünstig erreichbare Sportangebote erschlossen und in Absprache mit den behördlichen Verantwortungsträgern angeboten werden können.
Die geschilderte Situation war der Ausgangspunkt für einen erfolgreichen Antrag auf eine Förderung im Rahmen des INNOVATIONSFONDS BEITENSPORT/SPORTENTWICKLUNG 2016/2017 des DOSB. Vom Herbst 2016 bis Ende des Sommers 2017 wurde das Projekt „Orientierungssport in Großstädten und Ballungsräumen“ mit insgesamt 7000 € unterstützt. Ziel war es, mit ausgesuchten Orientierungslaufvereinen als Partnern exemplarisch Projekte stadtnaher OL-Angebote für Jedermann aufzubauen. Dabei sollten auch die Erfahrungen mit Behörden dokumentiert werden, um bei zukünftigen Projekten auf solche Erfahrungen zurückgreifen zu können.
Nachdem innerhalb des TK die genaue Vorgehensweise diskutiert war, wurde durch einen entsprechenden Artikel auf dieser Homepage für die Teilnahme am Projekt geworben. Nach unterschiedlichen mündlichen Voranfragen bezüglich der Projektbeteiligung gingen schriftliche Bewerbungen ein von:
• USV TU Dresden
• OLF Mainz/TGM Budenheim
• Bielefelder TG
Da die Bewerbungen überzeugend waren, wurde diesen Vereinen der Zuschlag gegeben.
Die Koordinationsstelle wurde mit Wieland Kundisch besetzt, der neben dieser Tätigkeit das Projekt beim USV TU Dresden mit betreute und besonders auch Kartierungsarbeit leistete.
Entsprechend der Planung wurde das Institut für Sportrecht der DSHS Köln (Prof. Dr. M. Nolte) eingebunden. Weiterhin fand eine schriftliche Befragung zur Themenstellung statt, die Landesverbände und Vereine einbezog.

Schüler der Volkshochschule Dresden bei der ersten Nutzung eines Stadt-OL im Rahmen des Projektes
Schüler der Volkshochschule Dresden bei der ersten Nutzung eines Stadt-OL im Rahmen des Projektes  Foto: VHS Dresden

Was sind die Ergebnisse?


In Dresden ist Orientierungslauf gut etabliert. Es konnten hier weitere Angebote für Jedermann vor allem im Stadtzentrum erstellt werden. Um in der touristisch stark frequentierten Innenstadt das Problem fest installierter Postenstandorte mit wahrscheinlich behördlichem Widerstand zu umgehen, wurde auf Denkmäler und besondere Objekte als quasi „Posten“ zurückgegriffen. Eine besondere Homepage ist fertig.
Abschlussbericht Dresden
In Bielefeld ist die Situation völlig anders: Orientierungslauf ist weitestgehend unbekannt, jedoch hat das Stadtsportamt das Projekt für sich entdeckt und fördert es mit Nachdruck. Vorläufige Postenstandorte wurden mit dem Stadtsportamt und dem Umweltamt beschlossen, müssen jetzt aber noch auf höherer Ebene abgesegnet werden. Als Wahrzeichen Bielefelds vereint die Sparrenburg viele Interessensgruppen, welche in den Entscheidungsprozess eingebunden werden müssen. Eine vorläufige Homepage wird voraussichtlich bis Ende des Jahres aufgebaut.
Abschlussbericht Bielefeld
Mainz ist ein Beispiel für eine Kommune, in der Bedenken bestehen, dass Parks und Grünflächen im Stadtkern übernutzt werden. So wurde im Rahmen des Projektes als Zentrum der Vorort Budenheim gewählt und größtenteils auf Siedlungsflächen zurückgegriffen. Andererseits wurde die Zusammenarbeit mit einer neuen, in der Region im Aufbau befindlichen, Initiative intensiviert, der sogenannten Rhein-Main-Rangliste, die den Zielen des Projektes im vollen Umfang entspricht: Um weite Anfahrtswege zu vermeiden und auch für Gelegenheitssportler attraktiv zu sein, wurden alle Läufe im Rhein-Main-Gebiet nunmehr terminlich koordiniert und nach einem einfachen Wertungsmodus zusammengefasst.
Abschlussbericht Mainz

Nutzung der neuen Karte Budenheims neben dem Kindertraining gerade erst beim 5. JAKT am letzten Freitag
Nutzung der neuen Karte Budenheims neben dem Kindertraining gerade erst beim 5. JAKT am letzten Freitag  Foto: Peter Gawlitza

Eine Umfrage zu stadtnahen OL-Angeboten ging an 85 Vereine, von denen 44 antworteten. Es zeigte sich eine sehr heterogene Situation. Einerseits können in bestimmten Regionen Vereine ein sehr gutes Angebot aufbauen, andererseits wird immer wieder von Problemen berichtet, Genehmigungen zu erhalten. Hier erscheint ein wesentlicher Ansatzpunkt, durch Weitergabe der Ergebnisse der drei Projektpartner, solche Probleme anzugehen und gemeinsam mit Kommunen/Grundstückseigentümern Lösungen zu finden. Gerade der Ansatz stadtnaher Angebote könnte hier zielführend sein.

Insgesamt war die Kommunikation mit Behörden in Dresden und Bielefeld weitgehend einvernehmlich, hat aber mehr Zeit als vorausgesehen in Anspruch genommen. Da allgemein in den Kommunen unterschiedliche Behörden (Grünflächenamt, Ordnungsamt, Stadtforst, Naturschutz, Sportamt mit von Kommune zu Kommune unterschiedlichen Bezeichnungen und Zuständigkeiten) für Parks und städtische Gelände usw. verantwortlich sind, können hier zwar wertvolle, aber nur allgemeine Empfehlung zur Vorgehensweise gegeben werden.

Das Projekt hat gerade wegen der unterschiedlichen Erfahrungen wesentlich zu der Erkenntnis beigetragen, dass Natursportprojekte insbesondere im Umfeld von Ballungsräumen ihren Wert erst dann vollends entfalten werden, wenn es gelingt, sämtliche Akteure an einen Tisch zu holen (Strategie: Runder Tisch; Behörden, Eigentümer, Stadtmarketing, Vereine) und so Vertrauen zu entwickeln. Das ist oftmals ein steiniger Weg, aber er lohnt sich. Tendenziell sind Kommunen für Sportangebote im nahen Umfeld offen, Orientierungssportarten sind aber oftmals noch wenig bekannt und nicht im Fokus.

Projekte, in die Akteure der Öffentlichen Hand eingebunden sind, erfordern aber eine längere Laufzeit, als sie hier zur Verfügung stand. Der Aufbau von Kontakten, Terminfindungen, Genehmigungen, in denen mehrere Behörden involviert sind, erstreckt sich oftmals über Monate, ohne dass böser Wille für Verzögerungen sorgt. So ist es erst sinnvoll, den hohen Aufwand zur Erstellung einer Orientierungslaufkarte zu betreiben, wenn alle Genehmigungen vorhanden sind.
Weiterhin sind die Erfolge von Sportangeboten, wie sie im vorliegenden Projekt aufgebaut werden, erst nach zwei bis drei Jahren sichtbar und bewertbar. Dies alles spricht für längere Projektlaufzeiten und für Anschlussprojekte, auch um weitaus mehr Projektpartner als es in diesem kurzen Zeitraum möglich war, motivieren und einbinden zu können. TK und DOSV werden sich deshalb um weitere Geldmittel bemühen, um den erfolgreichen Weg fortsetzen zu können.

Offizieller Abschlussbericht und die Berichte der Teilprojekte sind unter „Dokumente“ eingestellt.


Mehr:
Abschlussbericht des Projektes
Dresdner Projektseite
Seite zur Rhein-Main-Rangliste

Autor: Achim Bader und Wieland Kundisch
Eingestellt am 09.11.2017

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