Orientierungslauf in Deutschland


Erfolgreiche DHM Orientierungslauf 2017

29 Grad und strahlender Sonnenschein: In dem restaurierten Gemäuer einer römischen Zollstation suchen sich Studierende Plätze im Schatten und frühstücken auf ihren mitgebrachten Campingstühlen; einer hat sich sogar eine Hängematte zwischen zwei Bäumen aufgespannt. Es ist Tag eins der Deutschen Hochschulmeisterschaften im Orientierungslauf 2017. Ein besonderer Tag nicht nur für die rund 40 studentischen TeilnehmerInnen, die anlässlich der Veranstaltung um den Deutschen Hochschulmeistertitel kämpfen, sondern auch für die Sporthochschule.

Erik Döhler gewinnt die Herrenkonkurrenz.
Erik Döhler gewinnt die Herrenkonkurrenz.  Foto: Marilena Werth

Seit 1983 ist sie erstmals wieder Ausrichterin einer Hochschulmeisterschaft im Orientierungslauf. Verantwortlich dafür ist Prof. Martin Nolte, Leiter des Instituts für Sportrecht. Nolte, selbst Orientierungsläufer, absolviert regelmäßig Trainingseinheiten in den nahegelegenen Wäldern der Eifel. Ihre Schönheit und ihre läuferisch herausfordernde Beschaffenheit haben ihn dazu bewogen, die diesjährigen Hochschulmeisterschaften im Namen der Sporthochschule zu organisieren und dort auszutragen. Das Gebiet, das schon zu Römerzeiten besiedelt war, bietet nicht nur abwechslungsreiche Mischwälder, sondern auch bis heute sichtbare Überreste einstiger römischer Siedlungen, die in die Veranstaltungsorganisation mit einbezogen wurden. So übernachteten die TeilnehmerInnen zwischen den zwei Wettkampftagen gemeinsam in einer Blockhütte an der sogenannten „Römischen Taverne“, liefen die ehemalige Agrippastraße, zu Römerzeiten die Verbindung zwischen Trier und Köln, entlang ins Ziel und verbrachten die Zeit bis zum Start im Zielgelände, einer ehemaligen römischen Zollstation.

Birte Friedrichs steht bei den Damen ganz oben auf dem Podest.
Birte Friedrichs steht bei den Damen ganz oben auf dem Podest.  Foto: Marilena Werth

Während sich die ersten Teilnehmer bereits mehrere Stunden vor dem Start an der römischen Zollstation, dem Wettkampfzentrum des ersten Lauftages, eingefunden hatten, herrschte im Wald bereits reger Betrieb: Es mussten Posten aufgestellt werden. Auf der diesjährigen Herren-Bahn wurde eine Strecke mit 25 Posten, 305 Höhenmetern und 7,9 km optimaler Laufdistanz gelegt. Für die Damen eine Strecke mit 16 Posten, 175 Höhenmetern und 5,3 km Länge. Beide Strecken wurden in einem Gebiet gelegt, das erstmals für den Orientierungslauf kartiert wurde. Durch norwegische Top-Läufer getestet, rechneten die Ausrichter im Vorfeld mit Siegerzeiten der Herren um 52min und 43min bei den Damen. Dass diese Zeiten beide von den Studierenden unterboten wurden, zeugt von der hochkarätigen Besetzung der Veranstaltung.

Auch zwei Studenten der Sporthochschule, Julian Ferber und Jannik Heine, aus dem Organisationsteam meldeten sich, interessiert durch die Erzählungen der anderen Teilnehmer und motiviert durch das schöne Wetter, kurzerhand selbst für die Meisterschaften an; zur Sicherheit als Zweier-Team außer Konkurrenz. Die Zuschauer bejubelten indes im Zielbereich, von dem aus man einen kurzen Teil der Laufstrecke und den Zieleinlauf beobachten konnte, wie Erik Döhler von der Uni Karlsruhe mit einer Zeit von 46:57min den Männereinzellauf für sich entschied und Birte Friedrichs (Uni Göttingen) mit 41:00min Siegerin der Damenstrecke wurde.

Auswertung und Siegerehrung am Abend
Auswertung und Siegerehrung am Abend  Foto: Marilena Werth

Nachdem das Organisationsteam schon mit dem Abbau begann, kamen auch die Sportstudenten ins Ziel – aus einer völlig anderen Richtung. Bei der abschließenden Siegerehrung, moderiert von Julian Ferber, wurde nicht nur von einem als Römer verkleideten Ortskundigen über die Geschichte der Gegend aufgeklärt und die weiteren Gewinner geehrt (bei den Herren: 2. Platz: Moritz Döllgast, TU Dresden (48:19min), 3.Platz: Christoph Prunsche, Uni Paderborn (49:11min) und bei den Damen: Sabine Rothaug, Uni Göttingen (41:23min) und Theresa Flechsig, TU Dresden (43:09min)), sondern auch die Frage gelöst, wieso die zwei SpoHos aus der falschen Richtung ins Ziel kamen: „Bis zu Posten fünf lief alles gut. Den sechsten haben wir nicht gefunden. Wir glauben, dass Isabel aus München den vergraben hat. Die ist nämlich vor uns gelaufen“, so Julian Ferber mit einem Schmunzeln. Erik Döhler, Sieger des Einzellaufs, erklärt woran es gelegen haben könnte: „Eigentlich war der Posten nicht so schwierig. Man konnte allerdings nicht so weit gucken weil es ziemlich zugewachsen war. Man hätte also sehr genau die Richtung halten müssen.“ Ein Tipp, den die SpoHos bei der nächsten DHM beherzigen wollen.

Am zweiten Wettkampftag stand die Staffelmeisterschaft auf dem Programm. Insgesamt zwölf Staffeln gingen an den Start. Die Männer-Kategorie gewann die WG Regensburg in 1:08:11min (Sebastian Vetter (23:28min), Valtteri Kolehmainen (23:37min), Lukas Janischowsky (21:06min)), die Damenstaffel entschied die WG Göttingen um Einzel-Siegerin Birte Friedrichs in 1:18:29min (Sabine Rothaug (25:23min), Anke von Gaza (28:19min), Birte Friedrichs (24:47min)) für sich. Auch hier starteten zwei SpoHo-Studentinnen im Anschluss an das Teilnehmerfeld der DHM. Bei ihrem ersten Orientierungslauf überhaupt schafften sie es sogar, alle Posten zu finden, waren anschließend aber erstaunt, dass sie für einen Durchlauf der Staffelstrecke so lange gebraucht hatten wie die DHM-Gewinner für drei. Gerade dadurch lässt sich die enorme Leistung der Teilnehmer besser einschätzen. Einzel-Gewinner Döhler, der den beiden ein wenig Anlaufhilfe gegeben hatte, zog ein positives Fazit: „Es war eine sehr schöne Veranstaltung, auch deshalb, weil sie so klein war. Besonders schön war die Siegerehrung. Das war wirklich gut gemacht.“ Und auch Nolte war begeistert: „Das Niveau war insgesamt sehr hoch. Sowohl die vorher von uns geschätzte Damen- als auch die Herren-Siegerzeit wurde von den Studierenden unterboten. Das zeugt von einem gutbesetzen Läuferfeld und ist Werbung für die Hochschulmeisterschaften.“


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Autor: Marilena Werth
Eingestellt am 01.06.2017


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