Orientierungslauf in Deutschland


Orientierungslauf in Südamerika

Ein Abenteuer zwischen Palmen, Wüste und Vulkanen. Seit Oktober sind wir, Susen Lösch (USV Jena) und Felix Späth (OLG Siegerland), in Chile und Argentinien unterwegs und versuchen den OL-Vereinen hier mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Nationalkader Susen Lösch und Felix Späth in Südamerika.
Nationalkader Susen Lösch und Felix Späth in Südamerika.  Foto: privat

Unsere Reise begann in Santiago de Chile, wo wir uns mit dem chilenischen OL-Präsidenten Kai Ostermann trafen, um Informationen, Kontakte und Karten aus erster Hand zu bekommen. Glücklicherweise ist Kai Deutscher und so waren unsere (zu der Zeit noch so gut wie nicht vorhandenen) Spanischkenntnisse kein Problem.

Unsere erste Aufgabe war die Kartierung des Nationalparks Palmas de Pitrucao in der Nähe von Las Cabras circa 200km südlich von Santiago. Dort wurden dann Anfang Dezember die chilenischen Meisterschaften vom Verein CEBOCHIT aus San Vicente de Tagua ausgetragen.

Die Aufnahme erwies sich als schwieriger als gedacht, da durch die ganzen Kühe und Pferde, die in diesem trockenen Gebiet zwischen den Büschen umherzogen, ein unübersichtliches Netz aus Pfaden und Lichtungen entstanden war. Später erfuhren wir, dass genau für solch offenes Gelände mit unzähligen Büschen bald ein neues Kartensymbol eingeführt werden soll: Gelb mit grünen Punkten, genauso hatten wir es uns in vielen langen Stunden in der Hitze und am Computer gewünscht.

Wie auch immer, alle Teilnehmer der Meisterschaften waren sehr zufrieden mit unserer Arbeit. Außerdem wurden wir für die Arbeit mit der Entdeckung vieler lauschiger Plätzchen mit Palmen und Bächlein belohnt.

Die Auswahlläufer im Kreise des Vereins OTTrail.
Die Auswahlläufer im Kreise des Vereins OTTrail.  Foto: privat

Während der Aufnahme liefen wir auch bei den ersten offiziellen Südamerikanischen Meisterschaften in Valaparaíso. Dort trafen wir endlich alle wichtigen OL-Leute aus ganz Südamerika und konnten in einem Meeting den allgemeinen Stand des OLs in vielen Ländern erfahren.

Die Wettkämpfe selbst waren gut organisiert, trotz eines super kleinen Helferteams. Auch die Karten waren gut und viel besser als alle anderen auf denen wir bisher in Chile gelaufen waren.
Im September fuhren wir dann relativ kurzfristig nach Temuco, um mit dem ansässigen Verein OTTrail ein einwöchiges Trainingslager durchzuführen.

Wir wurden dort unglaublich herzlich von unserer Gastfamilie empfangen und umsorgt. Die Familie ist eine OLer-Familie und wir fühlten uns fast wie zu Hause. Nach einem Wochenende, in dem sie uns die besondere Berg- und Vulkanwelt der Anden zeigten, begann das Trainingslager.
Jeden Abend trafen sich zehn bis fünfzehn Leute und wir zeigten ihnen wie Kompasslauf funktioniert und wie man ihn am besten lernen und trainieren kann. Es war toll zu sehen wie motiviert die OLer dort sind und wie dankbar für jede neue Möglichkeit, die wir ihnen zeigten.

Als besonderes Geschenk für die Familie und den Verein ließen wir während der Zeit dort unsere Kontakte nach Schweden und in die Schweiz spielen. So holten wir eine zwanzig Jahre alte Karte zurück, die durch unerwartete Ereignisse verloren gegangen war. Außerdem kann der Verein jetzt bei einem OL-Shop preiswert OL-Kleidung aus der letzten Saison bestellen, denn Kleidung oder sogar OL-Schuhe gibt es in Südamerika so gut wie gar nicht.

Atemberaubende Landschaft in cerro bayo (angostura).
Atemberaubende Landschaft in cerro bayo (angostura).  Foto: privat

Die Karte, die wir zurückholten, liegt am westlichen Fuße des Vulkan Llaima, wo durch Lava, Asche, Schnee und Wind unglaublich skurrile Landschaften entstanden sind. Trotz des Alters stimmt die Karte noch sehr gut und so entschlossen wir uns dort ein viertägiges Trainingslager nur für uns durchzuführen.

Durch die guten Kontakte unseres Gastvaters durften wir im Refugio Llaima, welches vom chilenischen Militär unterhalten wird, wohnen. Außer uns wohnten dort noch drei Soldaten, die natürlich an einem Nachmittag ebenfalls in die Grundzüge des OLs eingeführt wurden.

Nach den sechs Wochen in Chile gönnten wir uns eine kleine Auszeit auf der argentinischen Seite der Anden in Villa la Angostura und Bariloche und gingen einfach nur lange Laufen, Wandern und einmal sogar Reiten in den Bergen.
Danach ging es weiter nach Buenos Aires, wo es leider noch keinen OL-Verein gibt. Was nicht heißt, dass es dort niemanden gab, der sehr froh über unsere Hilfe war. An mehreren Abenden führten wir einen OLer vom Militär und einen zivilen OLer in die Geheimnisse des OL-Trainings ein. Alles wurde erklärt, von Isohypsen-OL bis Postenhatz, alles was erlaubt ist und Spaß macht.

Die Kartenlage ist auf Grund eines sehr enthusiastischen Kartographen in Argentinien deutlich besser als in Chile, doch bei den meisten Karten handelt es sich um Parks. Die nächsten Schritte hier sind die Gründung von Vereinen, denn OL-begeisterte Leute gibt es genug, und die Durchführung von regelmäßigen Trainings und Wettkämpfen. Dummerweise wird die Entwicklung dort schon seit Jahren von einer sehr trägen und konservativen Führung verhindert. Wir hoffen die wirklich motivierten Menschen, die wir getroffen haben, können diese Führungsriege umgehen und endlich etwas Langfristiges aufbauen.


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Autor: Susen Lösch, Felix Späth & Daniel Härtelt
Eingestellt am 12.12.2016

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