Orientierungslauf in Deutschland


Steffen Lösch wird neuer TK-Vorsitzender

Bereits bei seiner kommissarischen Amtsübernahme im Mai 2010 hatte Achim Bader angekündigt, dass er den TK-Vorsitz nicht auf "Ewigkeit" ausüben möchte. So hatte er lange vor seiner ersten regulären Wahl im September 2010 ausdrücklich dazu aufgefordert, sich für das höchste Amt im deutschen OL zu bewerben. Dass er 6 Jahre das TK führen würde, hatte er damals selbst nicht geahnt.

Steffen Lösch ist nun TK-Vorsitzender.
Steffen Lösch ist nun TK-Vorsitzender.

Auf der Bundestagung OL am 05.11.2016 in Saulheim wurde am Rande des traditionellen Weinberg-OLs die Führungsspitze des deutschen Orientierungssports neu gewählt. Achim Bader wird von Steffen Lösch, dem bisherigen Beauftragen für Kartenwesen, abgelöst. Alle anderen Mitglieder des Technischen Komitees (TK) wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Wer nun glaubt, dass sich Achim zukünftig nicht mehr in den Orientierungslauf einbringen wird, irrt sich. Allzu oft hat er darüber geklagt, dass ihm Routinearbeiten viel zu wenig Zeit für Projekte lassen, die wichtig sind, um den OL weiter voranzubringen. Diese Zeit hat er jetzt, und er steckt bereits inmitten zweier OL-Großprojekte.

"In der (deutschen) Gesellschaft ist Orientierungslauf wenig bekannt, und so verwundert es nicht, dass Behörden und Institutionen bei Regelungen und Gesetzgebungen kaum die Interessen unserer Sportart kennen" resümiert Achim seine Erfahrungen. Und weiter: "Wir müssen uns aktiv einbringen und unsere Belange vertreten. Türöffner dafür sind Projekte wie das über den DOSB geförderte und von uns erfolgreich durchgeführte Umweltprojekt und das jetzt begonnene Projekt zum Orientierungslauf in Großstädten. Wir haben angefangen, über den Tellerrand des Tagesgeschäfts zu schauen und auch strategisch zu denken und zu handeln. Aus meiner Sicht ist dies für uns überlebenswichtig, nicht zuletzt da durch solche Projekte auch Gelder eingeworben werden" fasst Achim zusammen.

Wenn Achim zurück blickt, erscheinen ihm sechs Amtsjahre einerseits lang und andererseits kurz. Lang, weil der Schreibtisch nie leer wurde und immer etwas zu tun war. Und kurz, da die Zeit oft nicht ausreichte, um alle Projekte, die er beginnen und weiterführen wollte, zu bearbeiten.

Das neue TK und insbesondere sein neuer Vorsitzender Steffen Lösch werden nicht die Kraft haben, parallel zum Alltagsgeschäft umfangreiche Projektarbeit zu leisten. Sie freuen sich deshalb darüber, weiterhin intensiv mit Achim zusammenarbeiten zu können. Alle eint das gemeinsame Ziel, den Orientierungssport weiter voranzubringen.

Achim Bader beim Wettkampf.
Achim Bader beim Wettkampf.  Foto: Fred Härtelt

Während Achim "seinem TK" für die langjährige gute Zusammenarbeit danken möchte, kann Steffen auf ein Team bauen, welches auch bei schwierigen Themen stets konstruktiv nach Lösungen suchte.
Wir alle leben in einer Welt ständiger Veränderungen. Veränderungen bringen uns Fortschritt, stellen uns allzu oft aber auch vor ungeahnte Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen könnte aus der generellen Neustrukturierung der Sportförderung, die vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages in Zusammenarbeit mit dem DOSB erarbeitet wurde und jetzt als Beschlussvorlage vorliegt, erwachsen. Das gesamte Spitzensportsystem soll grundlegend umgestellt werden. Das Kadersystem in der bisherigen Form wird es nicht mehr geben. Es sollen nur noch Sportarten und Athleten (finanziell) gefördert werden, die das Potential für olympische oder Weltmeisterschafts-Medaillen haben. Andere Disziplinen sollen überhaupt keine Förderung, also auch keine Grundförderung mehr erhalten. Was bleibt da für den Orientierungssport übrig? In diesem Zusammenhang hat ein Vereinspräsident einer anderen Randsportart dieser Tage folgendes geäußert: "Im deutschen Sportsystem sei es üblich, dass man für Sportarten, die in der Sonne stehen, noch zusätzlich eine Lampe aufstellt. Für die im Schatten habe man nicht mal eine Kerze übrig." Aber auch wir brauchen eine verlässliche Grundförderung, und dafür werden wir kämpfen.

Der Wechsel an der Spitze des deutschen OLs steht für Kontinuität. Die von Achim Bader immer wieder propagierten Ziele haben auch für Steffen Lösch oberste Priorität. Der Ausbau des Breitensports ist dringend notwendig. Und gleichzeitig darf der Leistungssport nicht vernachlässigt werden. Beide Ziele, sowohl Breiten- als auch Spitzensport, bedingen einander, sie können nicht losgelöst voneinander erreicht werden.

Darüber hinaus überlegt der neue TK-Vorsitzende Steffen Lösch, dass es in Zeiten schwieriger Rahmenbedingungen notwendig ist, sich auf Grundsätze zu besinnen, die uns die Kraft geben, dennoch die anstehenden Aufgagen zu bewältigen. Einer dieser Grundsätze lautet: Sport lebt durch Selbstorganisation. Wir als Aktive von Randsportarten dürfen nicht auf Hilfe "von außen" oder "von oben" warten oder hoffen, dass andere etwas für uns tun. Nur das, was wir uns selbst schaffen, ist die Basis, auf die wir stabil aufbauen können. Das gilt für Aktivitäten auf Vereinsebene ebenso wie für den Trainings- und Wettkampfbetrieb.

In den letzten drei Jahren ist es gelungen, die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Deutschen Turner Bundes (DTB) deutlich zu erweitern. Dieser Prozess, der jetzt auch andere Sportarten erreicht und in der Folge zur Neugestaltung der Rahmenordnung des DTB geführt hat, wurde maßgeblich vom OL initiiert. Die neue Führungsspitze des DTB lässt hoffen, dass dieser Prozess weitergeführt wird und wir in Zukunft ein Miteinander des von uns gegründeten DOSV und des DTB erreichen.
Der DTB ist bekanntermaßen Mitglied der IOF, der internationalen Dachorganisation der vier Orientierungssportarten FootO (Fuß-OL), MTBO, SkiO und TrailO. Diesem Fakt Rechnung tragend hat die Bundestagung OL gleichzeitig mit dem Führungswechsel eine neue Struktur des TK beschlossen. In Zukunft sollen zusätzlich die Sportarten SkiO und TrailO Sitz und Stimme im TK erhalten. Der Beauftragte für MTBO ist schon länger im TK integriert. Die Aufgaben im Fuß-OL werden im Wesentlichen durch die bisherigen TK-Mitglieder wahrgenommen. Das Kartenwesen wird dem Team Wettkampfwesen zugeordnet. Der TK-Vorsitzende übernimmt somit die Verantwortung für alle von der IOF vertretenen Sportarten.

Der deutsche Orientierungssport hat viele "Macher". Sie halten die Sportart auf verschiedenen Ebenen am Laufen. Von Zeit zu Zeit sollte man aber innehalten und versuchen, zu reflektieren, wo man steht. Dabei sollten wir unsere Arbeit am Erreichen der Grundziele messen. Das heißt, wie gut hat sich unser Sport in der Breite entwickelt und welche Erfolge wurden, darauf basierend, in der Spitze erreicht? Daran wird sich in Zukunft auch das TK messen lassen.

Nach der Wahl ins Amt gratulierte der alte dem neuen Vorsitzenden mit folgenden Worten: "Mit Steffen Lösch übernimmt ein erfahrener Nachfolger das Amt des Vorsitzenden, mit dem ich in den vergangenen Jahren sehr gut zusammengearbeitet habe. Ich bin ganz sicher, dass er den Orientierungssport in Deutschland weiter vorwärts bringt!"


Mehr:
Artikel-Amtsübernahme Achim Bader 2010
Zusammensetzung Technisches Komitee
Neustrukturierung Sportförderung

Autor: Jan Müller
Eingestellt am 17.11.2016

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