Orientierungslauf in Deutschland


MTK Bad Harzburg rettet 4. Auflage des JAKT

Nach der Ausrichtung des Jugendanschlusskadertreffens in Coburg, Ilmenau und Uslar sollte das bei den Jungkadern sehr beliebte Wochenende dieses Jahr in Hessen stattfinden. Durch eine Aneinanderreihung von Schwierigkeiten bei der Absprache, Pech und unvorhergesehenen Barrieren hätte das Wochenende drei Tage vor seinem Start fast abgesagt werden müssen. Glücklicherweise fand sich mit dem MTK Bad Harzburg ein erfahrener Verein, der das Großprojekt innerhalb von knapp 72 Stunden auf die Beine stellen konnte.

Massenstart auf dem Bocksberg
Massenstart auf dem Bocksberg  Foto: Peter Gawlitza

So navigierten die 104 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet am Freitagabend (2.11.) nicht nach Kaufungen, sondern zum Vereinsheim des MTK und schließlich zum Burgy-Internat, auf dessen Gelände ein kurzer Doppelnachtsprint auf das Wochenende einstimmte. Nach dem Abendessen traf man sich in der Turnhalle des Vereinsheims, wo D/C-Kader-Trainerin und Hauptorganisatorin Nina Döllgast Wissenswertes zum Kaderjahr 2016, dem Anforderungsprofil und dem Bewerbungsformular des Jugendkaders erklärte. Den Abschluss des ersten Abends bildete ein Kennenlernspiel, bei dem die große Gruppe endlich vollzählig war. Übernachtet wurde dann an zwei verschiedenen Orten - die Organisation einer gemeinsamen Unterbringung war in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich gewesen.

Am nächsten Morgen klingelten die Wecker zeitig, da ein kurzes Warm-up auf dem Plan stand. Die Übernachtungsgruppen liefen einander entgegen und dehnten sich in großer Runde, bevor es zurück und zum Frühstück ging. 8:30 Uhr war dann auch schon Abfahrt zum Training, das an den Grumbacher Teichen bei Hahnenklee stattfinden sollte. Massenstart zu den Staffelstarts war oben auf dem Bocksberg im Nebel, von wo aus die Teilnehmer mit dem ersten von 4-5 gegabelten Staffelintervallen begannen. Trotz des zum Teil brombeerigen Waldes gaben die Jugendlichen alles, um in einer der vorderen Gruppen mitlaufen zu können.

Hier ist Teamgeist gefragt!
Hier ist Teamgeist gefragt!  Foto: Peter Gawlitza

Das Mittagessen mit kurzer Verschnaufpause fand in Bad Harzburg statt, das nächste Training dann wieder an den Grumbacher Teichen. Diesmal wurde in Zweierteams ein Golf-OL gelaufen: Partner A lernt den Weg zu seinem Posten auswendig und läuft ihn ohne Karte ab, Partner B folgt ihm mit Karte und lernt währenddessen den Weg zum nächsten Posten auswendig; am Posten wird die Karte direkt getauscht. Trotz der schnellen Postensetzer wurden manche Teilnehmer leider von der frühen Dunkelheit und einem Regenschauer überrascht. Dennoch kamen alle Jung-OLer wieder unversehrt aus dem Wald und pünktlich zum wohlverdienten Abendessen.

Für die letzten beiden Programmpunkte des langen und aufregenden Tages wurden die Gruppen neu gemischt und die Aktivitäten in unterschiedlichen Reihenfolgen besucht. Im Vereinsheim konnte dem Vortrag von Anton Kamolz (Post SV Dresden) gelauscht werden, der von seinen eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen auf dem Weg zum A-Finale der diesjährigen Junioren-WM berichtete. Der interaktive Vortrag fesselte die Jugendlichen sichtlich, sodass sicher einige interessante Eindrücke hängengeblieben sind. Parallel dazu fanden unter der Anleitung des ehemaligen Trainerratsmitglieds Thilo Bruns Teamspiele in einer nahe gelegenen Sporthalle statt. In einer Hallenhälfte mussten die Teilnehmer ihren blinden Partner durch verbale Hinweise über einen sehr komplizierten Parcours aus Turngeräten lotsen, in der anderen Hälfte musste das Kooperations- und Kommunikationsrätsel „Säureteich“ gelöst werden. Abschließend wertete Thilo die Vorgehensweisen der Gruppen aus und zeigte auf, wieso solche Spiele gerade für leistungsorientierte Teams und Trainer sehr aufschlussreich sein können. Zu Beginn der Nachtruhe kamen die gut 20 Trainer und Betreuer nochmals zusammen und setzten die im Forum begonnene Diskussion über die Ausrichtung des Wochenendes auf Breiten- oder Leistungssport fort, bei der für beide Seiten gute Argumente genannt wurden. Nun obliegt die Entscheidung den D/C-Trainern.

Kompassarbeit im 4x4-Raster
Kompassarbeit im 4x4-Raster  Foto: Peter Gawlitza

Der Sonntagmorgen begann erneut fast pünktlich um 7:02 Uhr mit einem Warm-up, nach dem Frühstück versammelten sich dann alle wieder im Vereinsheim. Dort hielt nämlich B-Kader-Athletin Sabine Rothaug (OSC Kassel) einen Vortrag über Regeneration als Verletzungsprophylaxe, bei dem sie eigens erfragte Erfahrungen von Top-OLern aus aller Welt und damit einigen bekannten Gesichtern preisgab. Passend dazu gab Anton im Anschluss eine Einführung in die Nutzung der Blackroll, die von einigen Athleten erwähnt worden war. Unter Anleitung konnte jeder die verschiedenen Übungen ausprobieren. Das nachfolgende Trainingsangebot bestand wieder aus zwei Teilen. Am Burgy-Internat war ein Raster aus SI-Stationen aufgebaut worden, durch das mit Karten, auf denen die Nordrichtung jeder Postenverbindung anders orientiert war, gelaufen werden sollte. Schnelles Einnorden und Kompasspeilen war hierbei gefragt. Zeitgleich fand für die andere Hälfte der Teilnehmer eine 2er-Schleppstaffel im Kurpark und der angrenzenden Innenstadt statt, die zum Teil aus dem Gedächtnis gelaufen wurde. Nach der Hälfte der Zeit wurden die Trainingsgruppen wieder getauscht. Nach dem Mittagessen trafen sich alle wieder im Vereinsheim, wo Karten und Fundsachen ausgeteilt und Handynummern ausgetauscht wurden. Bei der kurzen Abschlussbesprechung durften sich alle Teilnehmer auf einem Plakat verewigen.

Trotz der teilweise recht improvisierten Organisation hat das 4. Jugendanschlusskadertreffen seinen Zweck erfüllt, was an den erschöpften, aber glücklichen Gesichtern abzulesen war. Mit viel Motivation und Ehrgeiz und der Vorfreunde auf ein Wiedersehen mit den neu gewonnenen Freunden wurde sich verabschiedet, bevor sich alle in verschiedene Richtungen verstreuten. Ein riesengroßer Dank gebührt dem Team des MTK Bad Harzburg um Hanne-Lore Bruns, das so schnell alle Kräfte bündelte und das Wochenende möglich machte. Die schlaflosen Nächte mit Unterkunftsorganisation, Kartenaufnahme, riesigen Einkaufslisten, Kartendruck und vielen weiteren Aufgaben haben sich gelohnt! Schade, dass nicht jeder Verein eine eigene Familie Bruns haben kann. Vielen Dank auch an Juniorentrainer Thomas Meier, der mit Rat und SI-Auswertung zur Seite stand, sowie an die Postensetzer, Fahrer und Köche aus den Landesverbänden, die für den recht reibungslosen Ablauf sorgten.


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Bilder JAKT 2016

Autor: Nina Döllgast
Eingestellt am 10.11.2016

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