Orientierungslauf in Deutschland


Zum Abschluss Top 15 in der JWOC-Staffel

Traditionell mit der Staffel ging die Junioren-WM im Engadin heute zu Ende. Sowohl bei den Junioren als auch bei den Juniorinnen kamen die Sieger aus der Schweiz, skandinavische Teams erliefen die weiteren Medaillen. Die deutschen Teams konnten das hohe Tempo in der Spitze nicht ganz mitgehen, zogen sich aber mit den Plätzen 13 (W20) und 14 (M20) achtbar aus der Affäre.

Staffelstart der Herren
Staffelstart der Herren  Foto: Remy Steinegger

Staffel-Tag im Jugend- und Juniorenbereich ist meistens nicht Deutschland-Tag. In den letzten Jahren blieben die deutschen Teams trotz guter Einzelleistungen zum Teil deutlich hinter den Erwartungen zurück und reihten sich hinter Ländern ein, die man nicht so stark erwartet hätte. Es wurde also Zeit, diesen Fluch zu besiegen und geschlossene Mannschaftsleistungen zu zeigen. Die bisher schönen Ergebnisse im Laufe der Woche stimmten zuversichtlich, dass es diesmal kein schwarzer Tag werden sollte. Ausgegeben war für beide Kategorien das Ziel, unter die besten 15 Teams zu laufen.

Gelaufen wurde in einem steilen, detaillierten Wald bei Tarasp auf 1500 m Höhe, der den Läufern zum Schluss noch einmal alles an Kraft und Konzentration abverlangte. Die Bahnleger Marcel Schiess und Baptiste Rollier forderten die Läufer durch physisch anspruchsvolle Bahnen, Geländewechsel und ein selektives Gabelsystem. Auf sehr offene, schnelle Abschnitte folgten steile Anstiege und Hangpassagen, bei denen nahezu alle Teams Fehler machten. Der Schlussteil erinnerte an die detailreiche Mitteldistanz des Vortages. Durch Funkposten, TV-Kameras und GPS-Tracking konnten die Zuschauer die Entscheidung mitverfolgen und mit den Athleten mitfiebern.

Erik Döhler beim Staffelrennen
Erik Döhler beim Staffelrennen  Foto: http://steineggerpix.com/

Punkt 10:30 Uhr konnte das Publikum den Massenstart der Junioren beobachten und bekam ein zunächst spannendes Rennen geboten, in dem sich Frankreich und die Schweiz in einem engen Feld leicht absetzen konnten. Im weiteren Verlauf konnte das Team Schweiz 1 einen großen Vorsprung herauslaufen, während sich die Verfolger kleinere und größere Fehler leisteten. So waren es am Ende über zwei Minuten Vorsprung für Thomas Curiger, Riccardo Rancan und Joey Hadorn (Schweiz) auf die Teams aus Schweden und Finnland.

Für Deutschland 1 zeigte Erik Döhler (TUS Karlsruhe-Rüppurr) auf der Startstrecke eine starke Performance und konnte in der zweiten Tram insgesamt auf Platz 12 liegend und mit nur 1:37 min Rückstand auf die Spitze zusammen mit dem besten schwedischen Team an Anton Kamolz (Post SV Dresden) übergeben. Anton erwischte nicht seinen besten Tag und wechselte auf Rang 23 auf Schlussläufer Ole Hennseler (MTV Seesen). Dieser erkämpfte sich schließlich den 19. Platz, was in der bereinigten Nationenwertung (nur ein Team pro Land zählt) Rang 14 bedeutete. Das zweite Team um Colin Kolbe (TUS Lübbecke), Korbinian Lehner (OLG Regensburg) und Markus Grätsch (USV TU Dresden) erreichte den 29. Platz, hier lief Korbinian die beste Einzelzeit.

In der W20 gab es ein ähnliches Bild: Nach 1:39:01 h Laufzeit betrug der Vorsprung der Schweizer Staffel (Paula Gross, Sofie Bachmann, Simona Aebersold) sogar beinahe fünf Minuten. Finnland und Norwegen komplettierten das Podest und mit Großbritannien und Ungarn in den Top 6 gab es sogar eine kleine Überraschung.

Für Deutschland liefen die Teams mit Ellen Klüser (USV TU Dresden), Birte Friedrichs (MTV Seesen) und Dorothea Müller (Post SV Dresden) als Deutschland 1, sowie Patricia Siegert (USV TU Dresden), Isabel Seeger (Baiersdorfer SV) und Paula Starke (USV TU Dresden) als Deutschland 2 im Feld der 47 Mannschaften. Ellen lief zunächst an ihrem ersten Gabelposten vorbei, fand danach aber gut ins Rennen. Da die Startläuferinnen ein sehr hohes Tempo vorlegten und die prognostizierten Siegerzeiten um mehrere Minuten unterboten, wechselte Ellen trotz ihres konstanten Laufs mit etwas mehr als 7 Minuten Rückstand auf Birte. Die Seesenerin lief ebenfalls gewohnt gleichmäßig und konnte Dorothea in Reichweite zu anderen Teams in den Wald schicken. Mit einem guten Lauf Dorotheas stand am Ende Rang 18 auf dem Papier, was in der bereinigten Liste den 13. Platz bedeutete. Erwähnenswert noch, dass Paula Starke als Schlussläuferin der zweiten Staffel ihr Team bei ihrem letzten JWOC-Einsatz von Platz 37 auf Platz 25 vorlaufen konnte.

Die Schweizer Damen jubeln über einen weiteren Titel.
Die Schweizer Damen jubeln über einen weiteren Titel.  Foto: http://steineggerpix.com/

Das Trainergespann um Thomas Meier, Jan Birnstock und Josef Neumann zeigte sich zufrieden mit den Staffelleistungen, auch weil sichtbar wurde, dass an einem optimalen Tag auch Top 10-Plätze möglich sind. Im Vergleich zu den letzten Jahren sei ein Aufwärtstrend zu erkennen.

Die vergangene Woche hat gezeigt, dass das deutsche Team zwar noch nicht ganz vorne mitlaufen kann, aber auf einem sehr guten Weg ist. Damentrainer Jan Birnstock freute sich besonders drüber, dass es vier verschiedenen Juniorinnen gelungen ist, unter die besten 30 zu laufen. Die intensive Arbeit im Vorfeld, zu der auch zwei Trainingslager in relevantem Gelände zählten, hat sich ausgezahlt. All dies wäre ohne den hohen ehrenamtlichen und finanziellen Einsatz der Trainer und Aktiven sowie ihrem Umfeld nicht möglich gewesen. Die Rückstände trotz geringer Fehlerzeiten machen aber auch deutlich, wie wichtig die „Geländegängigkeit“ im OL ist. Hier haben sicher alle Starter noch Luft nach oben. Dennoch stimmen die deutschen Leistungen für die Zukunft positiv. Im Nationenranking belegte Deutschland den sensationellen 9. Platz.

An den Schweizer Athleten, die sich in der gesamten Woche in Höchstform präsentierten, gab es jedoch für keine Nation ein Vorbeikommen. Der Medaillenspiegel fiel daher ziemlich einseitig aus.

Die perfekte Organisation der Veranstalter um Rekordläuferin Simone Niggli-Luder bot einen erstklassigen Live-Service, der das Verfolgen der Wettkämpfe von zu Hause aus sehr gut möglich machte. Auch wenn dazu sicher ein hoher Aufwand betrieben wurde, hat sich doch gezeigt, dass der schönste Natursport in den Medien gut darstellbar ist.

Nach der Jugend-EM und der Junioren-WM steht nun für die Jugendlichen eine kurze Verschnaufpause an, bis man sich zum Sommer-Trainingslager in Slowenien trifft.


Ergebnisse


M20 (5,3 km, 300 hm, 17-18 Posten)

1. Curiger, Rancan, Hadorn (SUI) 		1:41:26
2. Forsberg, Hector, von Krusenstierna (SWE) 1:43:54
3. Ahola, Kuukka, Ojanaho (FIN) 1:45:07
19. Döhler, Kamolz, Hennseler (GER) 1:55:00
29. Kolbe, Lehner, Grätsch (GER) 2:03:23


W20 A (4,5 km, 230 hm, 14-15 Posten)

1. Gross, Bachmann, Aebersold (SUI)		1:39:01
2. Hanhijarvi, Jalava, Haataja (FIN) 1:43:54
3. Lundanes, Lome, Eide (NOR) 1:44:08
18. Klüser, Friedrichs, Müller (GER) 1:52:58
25. Siegert, Seeger, Starke (GER) 2:02:19


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Nationenwertung

Autor: Nina & Moritz Döllgast
Eingestellt am 15.07.2016

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