Orientierungslauf in Deutschland


3-Tage-OL zu Pfingsten trifft auf die Eisheiligen

Christoph Brandt und die erst 18-jährige Birte Friedrichs sind die Elite-Gewinner des Internationalen 3-Tage-OL bei Pulsnitz, den der Post SV Dresden in hartem Gelände und mit herausfordernden Bahnen rund 750 Teilnehmern geboten hatte. Das Wetter nahm keinen unerheblichen Einfluss auf die vom Charakter her drei unterschiedlichen Wettkämpfe.

einer der mehrheitlich sonnigen Momente auf der Wettkampfwiese
einer der mehrheitlich sonnigen Momente auf der Wettkampfwiese  Foto: Felix von Dalowski

Die deutsche Damenelite ist inzwischen jung. Da die Klasse D20 außer bei nationalen Meisterschaften sowie Bestkämpfen und beim JLVK nicht mehr angeboten wird, sammelten sich für die Junioren-WM-Sichtung alle potenziellen Kandidatinnen in der Elite – und das an der Spitze. Karin Schmalfeld (BSV Halle-Ammendorf) gewann zwar noch bei heiter Sonnenschein deutlich die Mitteldistanz zum Auftakt, bevor sie in die D35 wechselte. Dahinter reihten sich aber schon die jungen Nationalkader angeführt von Ellen Klüser (USV TU Dresden) – mit 16 Jahren die jüngste Elitedame. Ihre Vereinskameradin Patricia Nieke kämpfte sich zum höhenreichen BRL Lang im Regen auf den zweiten Zwischenrang. Mit 5-minütigem Vorsprung gewann diesen jedoch fulminant Birte Friedrichs (MTV Seesen), die sich ihre Führung auch im abschließenden Jagdstartrennen nicht mehr nehmen ließ. Am eindrücklichsten in jenem Schlusslauf: Dorothea Müller vom ausrichtenden Dresdner Post Sportverein, die von Rang sechs (der Startenden) auf Gesamtrang zwei vorlief – mit hauchdünnem 2-Sekunden-Vorsprung auf Patricia durch eine Wegroutenwahl zum Endposten. Dies spricht auch von der Schwere des Querfeldeinlaufens. Nicht selten waren Wegrouten bei den langen Distanzen schneller.

In der Herrenelite schien es diesmal weniger spannend. Das Podest der Mitteldistanz bildete auch das Endergebnis ab. Christoph Brandt baute seinen Vorsprung für den SSV Planeta Radebeul von Tag zu Tag aus. Jedoch haderte er wie sein ärgster Verfolger Philipp Müller, Dorotheas Bruder, mit seinem zweiten Lauf. Andere Herren und nicht nur diese suchten den vorletzten Posten im Dickicht aber mitunter wesentlich länger. Hier bewies Immanuel Berger von der Gundelfinger Turnerschaft ein vergleichsweise sehr gutes Rennen, das er unter einer Minute hinter Christoph auf dem 2. Platz beendete. Jedoch war er am ersten Tag nicht angetreten und konnte folglich nicht in die Gesamtwertung eingreifen. Philipp konnte sich zum Jagdstart einen „Schongang“ leisten, um sich für einen späteren Lauftest nicht zu verausgaben. Um Endplatz drei wurde es noch einmal eng: Gleich zu Beginn verlor Wieland Kundisch (USV TU Dresden) den fünf Sekunden hinter ihm gestarteten Teodor Yordanov (OC München, für Bulgaren bei der EM im Einsatz), traf aber exakt am Ende des Philoops genannten Einzelbahngabelsystems wieder mit ihm zusammen und konnte sich auf den letzten Dickichtposten erfolgreich von ihm absetzen.

der längste und mitunter entscheidene Zieleinlauf im Finale
der längste und mitunter entscheidene Zieleinlauf im Finale  Foto: Andreas Lückmann

Wenn die Herrenelite durch Ausfälle auch geschwächt auftrat – die H70 verzeichnete tatsächlich einen Gesamtklassierten mehr –, so stimmt die H20 dafür zuversichtlich. So starteten die ersten fünf Herren bis 20 (davon drei 18er) innerhalb von 2 Minuten auf die Schlussetappe, begegneten einander und lieferten sich im flacheren Waldgebiet einen regen Schlagabtausch. Der führende Starter Erik Döhler (TuS Karlsruhe-Rüppurr) setzte sich zwischenzeitlich ab, Ole Hennseler (MTV Seesen), auf Rang 4 gestartet, hatte schlussendlich jedoch die Nase vorn.

Ältere erinnern sich: 2002 waren die im Norden und Osten steinigen und steilen Wälder rings um das Forsthaus Luchsenburg an der A4 nahe Ohorn bereits Austragungsort des traditionellen 3-Tage-OL des Post SV Dresden. Die Vegetation hat der Lauffreude seitdem allerdings an einigen Stellen stark zugesetzt. War dies beim BRL Mittel noch beschwerlich, wurde es zusammen mit steinigem Untergrund, Nässe und Kälte bei der Langstrecke für manche gar gefährlich bzw. forderte besondere Vorsicht. Am 2. Tag liefen alle Läufer von den äußeren Bedingungen gezeichnet ins Ziel auf der Wiese, wo Zelte Zuflucht vor Schauern boten, und kämpften sich beispielsweise 16erinnen, für die es nicht um einen JEM-Startplatz geht, sehr lange über ihre Bahnen. Die Bahnleger nutzten die dicht und dornig bewachsenen Stellen neben den Höhen allerdings gekonnt für herausfordernde Routenwahlen und knifflige Postenstandorte, welche Gesprächsstoff bildeten. Obwohl die Karte mit hoher Detaildichte komplett neu erstellt wurden war, gab es hier und da kritische Stimmen von Teilnehmern (im Wettkampfehrgeizmodus) zum Kartenbild von Postenräumen in Steinfeldern und Dickichten. Das soll aber in keiner Weise die sehr gelungene Abwicklung der gesamten Veranstaltung – zumal bei dem Wechselwetter – in den Schatten stellen, sondern im Gegenteil daran erinnern, dass sich Ausrichter zum OL-Erlebnis, zudem mit gebotenen Extras mit erhöhter Fehlerquelle wie zwei Orientierungsbeginns zur 2. Etappe, immer viel Arbeit zumuten. Vorallem im Vorfeld mit der Karte.

So wurde insbesondere der reibungslose Jagdstart mit den teilweise personalisierten Karten und gar Postenbeschreibungen gelobt, als auch die Kulanzregelung für die Spätstarter der „Stau-Opfer“ mit Startstation am ersten Tag. Auch fanden alle Weitergereisten – wie z.B. eine polnische Jugendgruppe – im Massenquartier, auf dem Campingplatz oder anderswo eine trockene Unterkunft. Und es konnten selbstgekochte und selbstgebackende Speisen in den sonnigen Minuten gesellig unterm Blätterdach im Wettkampfzentrum genoßen werden. Eine spezielle Auflage von OLer-Lebkuchen als Zielgeschenk fehlte ebenso nicht. Auch der zweite Gesamtleiter Dirk Meyer fällte trotz „unglücklicher Einzelschicksale“ ein positives Fazit. Jemand anderes fällte dagegen unangekündigt einen Baum, der 15m neben einem Postenstandort niederging und zwar das Laufen erschwert, aber genauso aufzeigt, dass der „Glücksfaktor“ auch oftmals mit uns ist – ohne dass wir es wissen.

die sechs strahlenden Erst- bis Drittplatzierten der Elite
die sechs strahlenden Erst- bis Drittplatzierten der Elite  Foto: Sabine Nieke

Gesamtwertung 3-Tage-OL Eliteklassen


Damen

1. 3:03:20 Birte Friedrichs (MTV Seesen)
2. 3:08:41 Dorothea Müller (Post SV Dresden)
3. 3:08:43 Patricia Nieke (USV TU Dresden)
4. 3:10:49 Ellen Klüser (USV TU Dresden)
5. 3:13:50 Josephine Greiner (OSC Kassel)
6. 3:19:23 Isabel Seeger (Baiersdorfer SV)


Herren

1. 3:05:44 Christoph Brandt (SSV Planeta Radebeul)
2. 3:16:55 Philipp Müller (Post SV Dresden)
3. 3:20:34 Wieland Kundisch (USV TU Dresden)
4. 3:21:15 Teodor Yordanov (OC München)
5. 3:25:29 Moritz Döllgast (TV Oberbexbach)
6. 3:32:34 Karsten Leideck (USV TU Dresden)


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Autor: Wieland Kundisch  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 17.05.2016

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