Orientierungslauf in Deutschland


„Orientierungslauf - im Einklang mit der Natur“ – Ergebnisse einer Studie jetzt veröffentlicht

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schrieb 2013 den Förderwettbewerb „Sport bewegt – Biologische Vielfalt erleben“ für Vorhaben zum Schutz der Natur aus. Finanziell gefördert werden sollten fünf Projekte für ein Jahr, die beispielhaft zeigen sollten, wie sich Sportarten und die Sportverbände für die Natur und ihre biologische Vielfalt engagieren können. Unter neunzehn Bewerbern konnte sich der Orientierungslauf mit der Projektkonzeption „Orientierungslauf - im Einklang mit der Natur“ neben 4 anderen Projekten behaupten.

Naturerlebnis OL
Naturerlebnis OL  Foto: Fred Härtelt

Ziel war es, zu untersuchen, inwieweit Orientierungslaufaktivitäten eine Beeinträchtigung der Natur darstellen und aus den Ergebnissen Leitlinien für die Sportart OL und andere DTB-Sportarten abzuleiten.

In der Projektkonzeption wurde zunächst enthusiastisch ein sehr umfangreiches Programm von einer mehrköpfigen Projektgruppe unter Leitung des Vorsitzenden des Technischen Komitees, Achim Bader, ausgearbeitet. Schnell wurde deutlich, dass die Finanzen nicht für alle Projektvorhaben reichen würden. Deshalb konzentrierte sich die Gruppe auf eine Untersuchung zur Naturverträglichkeit nur eines Bundesranglisten-Wochenendes. Das wurde als zielführender angesehen, als die oberflächliche Begutachtung von – wie ursprünglich vorgesehen – drei Veranstaltungen. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen auf die Flora und den Waldboden. Wegen der Kürze der Projektlaufzeit wären zusätzliche Wildbeobachtungen nicht aussagekräftig gewesen.

Ausgewählt wurde das Bundesranglisten-Wochenende des USV TU Dresden vor fast genau einem Jahr im Tharandter Wald, wobei die Untersuchung als Blindstudie durchgeführt wurde. Weder Ausrichter noch Wettkämpfer wussten von dem Vorhaben. Um neutrale Ergebnisse zu erhalten, wurde ein externe Firma, ÖKOTOP mit Sitz in Halle, mit der Untersuchung beauftragt. Die Gutachter besichtigten das Start- und Zielgelände, das Wettkampfareal und einzelne Postenstandorte einen Tag vor, während, einen Tag nach und 4 Wochen nach dem Lauf. Sie protokollierten umfassend und erstellten ein 60-seitiges Gutachten.

Orientierungslauf im Zentrum von Berlin
Orientierungslauf im Zentrum von Berlin  Foto: Fred Härtelt

Aus Sicht des Orientierungslaufs sind die Ergebnisse positiv einzustufen. Es konnten keine langfristigen Beeinträchtigungen festgestellt werden. Interessant sind z.B. Anmerkungen der Gutachter, dass eine Minimierung der Trittschäden durch Nutzung einer möglichst großen Waldfläche erreicht werden könnte. Forderungen von Naturschutz und Jagd beinhalten dagegen oft eine Einschränkung des genutzten Geländes. Interessant ist auch, dass die Spuren der Läufer neben denen der Forstwirtschaft praktisch nicht nachweisbar sind.

Alle Organisatoren von Orientierungsläufen und auch alle übrigen Interessierten können jetzt auf neue, unabhängige Argumentationsgrundlagen und Handlungsvorgaben zurückgreifen, die wieder deutlich machen dass auch in Deutschland der Natursport Orientierungslauf MIT der Natur und NICHT GEGEN die Natur agiert. Betrachtet man die Nachfolgeeffekte, dient der Orientierungslauf unserer Natur – wer die Natur nicht kennt, hat kein Interesse, sie mit aller Macht zu schützen.

Unter „Dokumente“ (siehe unten) finden sich eine von Achim Bader verfasste ausführliche Darstellung des Projektes, das genannte Gutachten sowie die Bachelorarbeit von Nina Döllgast „Entwicklung von Leitlinien für eine naturbewusste Ausübung der Sportart Orientierungslauf“.

Finanziert wurde das DOSB-Projekt durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit 238.000 € - von denen in Summe etwa 70.000 € (!) den fünf Einzelprojekten zur Verfügung standen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreute das Vorhaben fachlich. Das Projekt „Orientierungslauf - im Einklang mit der Natur“ wurde auch von der Dachorganisation DTB organisatorisch unterstützt. Für eine Praktikantenstelle zur Organisation des Projektes konnte Nina Döllgast gewonnen werden. Sie nahm das Praktikum als Ausgangspunkt für ihre Bachelorarbeit im Studiengang Geographie der Universität Göttingen.


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Autor: Lutz Spranger
Eingestellt am 18.06.2015

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