Orientierungslauf in Deutschland


Louna Jukola samt Venla

Beim weltgrößten Staffel-OL in Finnland liefen dieses Jahr neben einzelnen deutschen Läufern für skandinavische Vereine auch zwei deutsche Damenteams und ein deutsches Herrenteam. Schwedische Clubs dominierten die Staffelentscheidung der Frauen. Die Venla gewann Domnarvets GoIF aus Borlänge. Bei der traditionsreichen Jukola setzte sich Kristiansand OK aus Norwegen durch.

„das Mädchen Venla“: Susen beendet ihr starkes Rennen – 24h-OL-geübt das zweite starke noch vor sich
„das Mädchen Venla“: Susen beendet ihr starkes Rennen – 24h-OL-geübt das zweite starke noch vor sich  Foto: Johnny Fransson

Sie, die sieben schnellen Männer des Kristiansand OK, lagen die meiste Zeit auf Rang 2 hinter Halden SK, doch Schlussläufer Daniel Hubmann, der dritte Schweizer seiner Staffel, überholte mit Bestzeit Magne Dähli und ließ auch Thierry Gueorgiou nicht an sich ran, der seinem finnischen Verein Kalevan Rasti den 3. Platz sicherte. Die „einheimischen“ Titelverteidiger: ebenfalls durch Ausländer verstärkt – je zwei Franzosen und Tschechen.
Bevor am Sonnabend 23 Uhr Ortszeit in der Dämmerung rund 1700 Startläufer der Jukola durch ihre Stirnlampen einen feurig leuchtenden Strom bildeten, der in den Wald nahe Paimio und Turku floß, 1,5 Autofahrstunden westlich von Helsinki entfernt, kämpften ab 14 Uhr die 4er-Damenstaffeln um den Titel und Plätze. Schwedische Vereine machten die Podestplätze – Domnarvets GoIF vor Alfta ÖSA OK vor Järla Orientering – unter sich aus und auch die Führungen: Das Feld lief dicht beieinander, OK Tisaren Leksand lag nach der Startstrecke vorn, nach der 2. und 3. Dame war es noch Leksands OK .

Nationalläuferin Susen Lösch lief für Ärla IF routiniert durch Erfahrungen aus Schweden und großen Staffelläufen wie etwa der Tiomila die Startstrecke und kam mit 3:40min Rückstand auf die Spitze als 28. Läuferin von rund 1400 Läuferinnen wieder. Zufrieden mit ihrem Rennen machte sie gar noch in der dritten „Männer“staffel ihres schwedischen OL-Vereins viele Plätze gut, die Junior Markus Grätsch solide anlief. Susen berichtete auf ihrer Seite.
Christiane Tröße, die seit Jahren in Norwegen lebt, lief die 2. Strecke für Varegg IL auf Platz 65 – Endresultat Platz 154.
Als „Saksa“ (finnisch: Deutschland) belegten die Niedersächsinnen Anke von Gaza, Heidrun Finke , Jenny Seib und Liisa Rihko-Struckmann den 366. Gesamtrang. Platz 233 erliefen die Nachwuchsläuferinnen des USV TU Dresden Paula Starke, Ellen Klüser, Leonie von Jagow sowie Patricia Siegert. Neben drei Trainings machte vorallem die Venla selbst die vier Frauen mit dem speziellen Gelände vertraut – und mit internationalem Wettkampfdruck und Staffelverhalten. 2017 trägt Finnland die Junioren-WM aus.

7 „Brüder“ auf Platz 230: v.l. Wieland Kärger, Wieland Kundisch, Karsten Leideck, Thomas Rewig, Robert Krüger, Tomi Kääriäinen und Jan Birnstock
7 „Brüder“ auf Platz 230: v.l. Wieland Kärger, Wieland Kundisch, Karsten Leideck, Thomas Rewig, Robert Krüger, Tomi Kääriäinen und Jan Birnstock  Foto: Paula Starke

Drei Plätze „besser“ waren die Männer im vereinsinternen Duell. Der USV TU Dresden hatte auch hier ein Team gestellt, wobei es ein sächsisches war – zwei Läufer des OK Leipzig kamen hinzu sowie vom SSV Planeta Radebeul Startläufer Robert Krüger, der seinen Leistungssport im OL zurückfährt.
Sein hiesiger Vereinskollege Christoph Brandt trug nach Training vor Ort mit 34.-bester Einzelbestzeit auf der 5. Strecke – einer der beiden kürzeren Bahnen – dazu bei, den norwegischen IL Tyrving vom anfänglichen 85. Platz auf den 14. Platz zu laufen. Felix Späth schaffte als Schlussläufer mit Lillomarka OL 2 (Norwegen) den 71. Platz. Matthias Kretzschmar kämpfte sich für OK Kåre 2 (Schweden) wie Robert in der riesigen Meute über die Startstecke. Leif Bader lief nach einer Verletzung im selben Team an 6. Position. Endergebnis hier: Rang 133. Den 172. Platz erlief Raumar Orientering mit inzwischen-Norweger Torben Wendler, der die längste (Nacht-)Bahn absolvierte. Weitere ansonsten deutsche Läufer für finnische Vereine: Simon Harston für Luonnontutkijat mit Platz 896 und Teodor Jordanov für OK77 1, dessen 3. Läufer fehlstempelte.

Die etwa 18.000 Teilnehmer plus Zuschauer und Organisatoren sind sichtbar und spürbar – nicht nur im Wald. Die meisten neu getrampelten Pfade im Gelände sind nach Studien bald verschwunden. Die Läufer-„Schlangen“ im Wald entwickeln eine eigene Dynamik und machen den OL zu einem besonderen.
Der Reiz der Jukola ist ähnlich anziehend wie der von den Teilnehmerzahlen her lediglich vergleichbare Mehrtage-OL O-Ringen. Wie beim Thüringer 24-Stunden-OL machen hier etliche Finnen nur diesen OL-Wettkampf im Jahr mit – neben der Weltelite. Der Kommerz um den Lauf ist allerdings gleichfalls mit dem „Überlaufenem“ – lange Wege inbegriffen – und der öffentlichen Wahrnehmung durch die Presse gewachsen – was einige OLer eher wieder zu kleineren Läufen zieht. Auf der anderen Seite helfen maßig Ehrenamtliche und die Armee den Vereinen, für die die Ausrichtung der Jukola ein Privileg ist, um die Veranstaltung mit allem Notwendigen von Schlafzelten über Müllentsorgung bis mobilen Toiletten und allen Extras zu stemmen.
Großbildschirme gewähren gar während der Läufe bereits Einblicke in die Karte und Bahnen. Die Läufer selbst können den Zwischenstand am letzten Funkposten ihrer Vorläufer mit dem Kontrollsystem Emit an Rechnern am Wechselbereich abfragen.

typisch für die Region: detailreiche Hügel mit Felsplatten und Sümpfen – und einigen neuen Spuren nach der Jukola
typisch für die Region: detailreiche Hügel mit Felsplatten und Sümpfen – und einigen neuen Spuren nach der Jukola

Wohl ein Novum fürs deutsche Fernsehen und OL im Ausland: Der Norddeutsche Rundfunk war vor Ort und hielt einige der hier erwähnten OLer in Bild und Ton fest. Die Ausstrahlung erfolgt am Sonntag, 5. Juli, zwischen 18:00–18:45Uhr innerhalb der Sendung Ostsee Report.

Nachdem Freitag und Sonnabend die wärmsten Tage in Finnland dieses Jahr bisher waren, kühlte Regen ab den frühen Morgenstunden des Sonntags die Luft deutlich ab und versteckten Wolken die Sonne.

Die Jukola existiert seit 1949 und basiert auf einer finnischen Erzählung von sieben Brüdern, die ein Mann der Siegerstaffel traditionell vorträgt. 1951 kam ein separates Massenstartrennen für Damen hinzu, ab 1978 gibt es die Venla-Staffel für Frauen. Der Mädchenname Venla rührt ebenfalls aus „Die sieben Brüder“. Die zwei jeweils kürzeren Strecken dürfen ab den Altersklassen 16 gelaufen werden. Seit 1986 findet jährlich im August die „Youth Jukola“ statt.
1972 fand die Jukola im selben Gebiet, 2016 findet die Lappee Jukola – Jukola in Verbindung mit einem Ort in der Bezeichnung – an der Grenze zu Russland statt.


Mehr:
Homepage Louna Jukola
Video Jukolastart
Star-Bericht Daniel Hubmann

Autor: Wieland Kundisch  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 16.06.2015

© 2001-2017 TK OLImpressum