Orientierungslauf in Deutschland


Rothaug und Friedrichs deutsche Bestenkämpfer im Nacht-OL

Die Fuß-OL-Saison begann, wo sie endete: im Radebeuler Heimwald bei Coswig in Sachsen. Die Ausrichter boten zum nationalen Auftakt zwei abwechslungsreiche BRL. Zur DBK Nacht erhellten knapp 300 Stirnlampen den wilden Forst. Den Mittel-OL am Sonntag – die offizielle Saisoneröffnung – absolvierten ungefähr doppelt so viele Läufer.

Auf die Karte, fertig – und ab in den dunklen Wald!
Auf die Karte, fertig – und ab in den dunklen Wald!  Foto: Daniel Härtelt

Feuchter Dunst lag in der kühlen Luft. Was treibt einen da bei aller Gesundheit raus – und rein in den Wald? Zudem nachts. Viele Orientierungsläufer mögen solche Herausforderungen. Nach dem Ende der Ski-OL-Saison zog es die mehr oder weniger Nacht-OL-Experten zum ersten nationalen Vergleich.
Zudem traf sich der Damenkader am Wochenende und lief am Sonnabend Vormittag einen 5000m-Test, ein paar jüngere Athletinnen liefen 3000m. Einige der Eliteläuferinnen gingen so vorbelastet am späten Abend an den Start. Im Kampf um die schnellste deutsche Nacht-OLerin 2015 gewann Sabine Rothaug vom OSC Kassel in einem relativ knappen Rennen vor den beiden Läuferinnen vom USV Jena Arntraut Götsch und Susen Lösch und wirkte sichtlich zufrieden mit ihrem Erfolg.
Bei den Eliteherren kam es zu einer Revanche der DM Lang vor 5 Monaten im selben Gelände: Bjarne Friedrichs vom MTV Seesen, der damals mit einem tief stehenden Posten im Grünen und der Kartierung haderte, zog diesmal in seinem Lichtstrahl nicht nur sinngemäß an den 3 Medaillenträgern der letzten Meisterschaft vorbei. Sören Lösch (USV Jena) wurde von ihm aufgelaufen und berichtete im Nachhinein vom Vorteil dessen leuchtstarker MyTinySun-Lampe, die dem Nationalkader gesponsert wird und in dessen Schein er mitlief. Zwischen den beiden platzierte sich Philipp Müller vom Post SV Dresden.

Auch alle anderen „Nachteulen“ dürften auf ihre Kosten gekommen sein und durften erste Punkte für die BRL sammeln. Im dritten Jahr ist die DBK Nacht ein BRL. Neben einer höheren Teilnehmerzahl versprach sich die Arbeitsgruppe Wettkampfwesen laut Ralph Körner, „den in Skandinavien deutlich präsenteren Nacht-OL noch etwas mehr in den Fokus der OL-Allgemeinheit zu holen.“
Kurze Postenabstände durch eine hohe Postenanzahl zwangen immer wieder zu Quer- und präzisen Kompassgängen, längere erforderten die Wahl wieviel Wegerennen sich lohnte. Der Winter schien die Belaufbarkeit nur mäßig verbessert zu haben und nasses Unterholz bot zusätzliche Vorsicht.

Susen – Dritte der DBK Nacht und Erste des BRL Mittel
Susen – Dritte der DBK Nacht und Erste des BRL Mittel  Foto: Fred Härtelt

Susen ließ am Sonntag keine Zweifel an ihrer leistungsstarken Wintertrainingsform und gewann mit eindrücklichen 3min Vorsprung die Mitteldistanz vor ihrer Vereinskollegin Arntraut sowie vor der amtierenden deutschen Langstreckenmeisterin Monika Depta von der OLG Siegerland.
Dass mit Philipp dieses Jahr (auch auf internationaler Ebene) gerechnet werden kann, bestätigte er zum BRL Mittel. 22 Sekunden hinter ihm rangierte Susens Bruder Sören auf Platz 2. Platz 3 belegte mit einem, nach Bjarnes Urteil im Ziel, starken Rennen Wieland Kundisch vom USV TU Dresden, nachdem er den Vortagessieger einholt und auch von ihm profitiert hatte. Weiterhin erwähnenswert: der 5. Platz (hinter Langdistanzmeister Sören Riechers, Bielefelder TG) durch Junior und Saarländer Moritz Döllgast (wie Philipp Post SV Dresden), der – nach einer Verletzungspause im Februar – bereits die HE aufmischt.

Der Tag offenbarte den Wald im Hellen mit seinen feingliedrigen Tücken, der Winter zeigte sich noch einmal von seiner kalten Seite. Die Mitteldistanz barg ihre Herausforderungen sowohl im schnellen Lauf, als auch im genauen Direktgang – ohne dass man sich dabei von Schneisen, lichten Dickichten oder von einer größeren, unkartierten Senke in falsche Richtungen führen zu lassen. Durch Baumaßnahmen wurde der SSV Planeta Radebeul zu seiner traditionellen Radebeuler Saisoneröffnung leider kurzfristig zum Verzicht auf einen ungenutzteren Waldteil und so zu neuen Bahnkonzepten verpflichtet.
Kurze Fußwege vom und zum WKZ (Schulgelände) und herzliche Gastgeber , die auch den Jüngsten OL und Hungrigen Kost boten, rundeten das gelungene Wochenende ab.

Philipp – Zweiter der DBK Nacht und Erster des BRL Mittel
Philipp – Zweiter der DBK Nacht und Erster des BRL Mittel  Foto: Fred Härtelt

Ergebnisse der Bestenkämpfe


DE 7.7km, 25P

1. Sabine Rothaug		OSC Kassel	66:08 min
2. Arntraut Götsch USV Jena 66:39 min
3. Susen Lösch USV Jena 67:20 min
4. Christiane Tröße SV TU Ilmenau 67:58 min
5. Cornelia Eckardt USV TU Dresden 68:54 min
6. Anne Kunzendorf Gundelfinger TS 70:49 min


HE 12.3km, 27P

1. Bjarne Friedrichs	MTV Seesen	77:20 min
2. Philipp Müller Post SV Dresden 79:33 min
3. Sören Lösch USV Jena 80:08 min
4. Sören Riechers Bielefelder TG 82:47 min
5. Toby Scott OLV Steinberg 84:30 min
6. Wieland Kundisch USV TU Dresden 92:20 min


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Autor: Wieland Kundisch  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 16.03.2015

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