Orientierungslauf in Deutschland


Wettkampfbestimmungen überarbeitet

Mit dem Stichtag 01.03.2015 ist die 26. Fortschreibung der Wettkampfbestimmungen (WKB-OL) in Kraft getreten. Die wesentlichen Änderungen betreffen die für die verschiedenen Wettkampfformate zulässigen Kartenmaßstäbe, die Umsetzung einer nationalen Regelung von Betretungs- und Querungs-Verboten sowie die Team-Zusammensetzung beim Deutschland-Cup und dem neu geschaffenen Schüler-Deutschland-Cup. Mit gesondertem Beschluss des Technischen Komitee (TK OL) sowie der Zustimmung aller Ausrichter von Deutschen Meisterschaften, Bestenkämpfen und Bundesranglistenläufen des aktuellen Wettkampfjahres (welche die neuen Regelungen teilweise bereits umgesetzt haben) erlangen die aktualisierten WKB-OL zum oben genannten Stichtag Gültigkeit und bilden die verbindliche Grundlage für alle Bundesveranstaltungen 2015.

Wettkampfbestimmungen
Wettkampfbestimmungen

Kartenmaßstäbe
Da das TK OL in den vergangenen Jahren immer öfter mit Ausnahmeanträgen im Hinblick auf zulässige Kartenmaßstäbe befasst war und ältere Sportfreunde vermehrt auf die Gegebenheiten bei großen Wettkämpfen im Ausland hingewiesen haben, wurde bereits im vergangenen Jahr der Plan gefasst, die für die verschiedenen Wettkampfformate zulässigen Kartenmaßstäbe grundlegend neu zu regeln. Unter Einbeziehung der Erkenntnisse zum altersabhängigen Sehvermögen, den Vorgaben der ISOM, den Verhältnissen von Bahnlängen der Kategorien zu den Abmaßen der Wettkampfkarten sowie dem internationalen Vergleich (z.B. mit WMOC, O-Ringen) wurde in den WKB-Abschnitten B 3.3.1 und B 3.3.2 die Nutzung der Kartenmaßstäbe 1:15.000, 1:10.000 und 1:7.500 für konkrete Kategorien festgelegt. Zulässige Alternativen sind ebenfalls vermerkt. Wer Details zu den Hintergründen nachvollziehen möchte, sei auf die Vorträge der diesjährigen TD- und Wettkampfleiter-Tagung (ab Seite 277) verwiesen.

Deutschland-Cup und Schüler-Deutschland-Cup
Beim Deutschland-Cup war in den vergangenen Jahren der Trend zu beobachten, dass mehr und mehr Staffeln auf die Rahmenwettbewerbe ausgewichen sind. Zudem hatten die HE-Staffeln mit „Anhang“ eine klare Favoritenstellung und das Leistungsgefälle führte selbst im Bereich der ersten 10 oder 20 Teams zu einem stark auseinandergezogenen Wettkampfgeschehen. Ziel einer neuen Regelung für den Deutschland-Cup sollte daher eine Erhöhung der Anzahl der regulären Cup-Staffeln sein, deren Altersstruktur möglichste viele Kategorien einschließt. Die Schaffung vieler gleichwertiger Teams soll zudem de Spannung des Wettkampfes bis zum Schluss aufrechterhalten. Mit den im Abschnitt B 3.4.5 formulierten neuen Regeln für die Team-Zusammensetzung über Leistungsgruppen und Mindestsumme werden diese Ziele nach Sicht des TK zukünftig besser erreicht als bisher.
Um die gute Nachwuchsarbeit vieler Vereine zu belohnen und den Nachwuchs weiter zu motivieren, wird ab 2015 zudem der Schüler-Deutschland-Cup ausgetragen. Dabei bilden 4 Schülerinnen und Schüler eines Vereins (bis D/H-14) eine Staffel - die konkreten Regeln sind ebenfalls unter B 3.4.5 sowie in Anlage 4 der WKB nachzulesen. Bezüglich weiterer Details sowie einer Analyse des D-Cups 2014 nach den ab 2015 gültigen Regeln wird nochmals auf die Vorträge der diesjährigen TD- und Wettkampfleiter-Tagung (ab Seite 285) verwiesen.

Querungs- und Betretungs-Verbote
Das TK OL hat mehrheitlich beschlossen, für ausgewählte Objekte, deren Betreten oder Queren lt. der Kartierungsvorschrift ISOM zwar nicht möglich, aber auch nicht verboten ist, im nationalen Regelwerk (ähnlich wie andere OL-Nationen) verbindliche Verbote des Betretens oder Querens festzuschreiben. Konkret handelt es sich um die mit den ISOM-Symbolen 415 (Kulturland) und 527 (Siedlungsgebiet) dargestellten Flächenobjekte sowie die mit den ISOM-Symbolen 521 (Hohe Mauer), 524 (Hoher Zaun) und 534 (Unpassierbare Versorgungsleitung) dargestellten Linienobjekte. Mit dieser Regelung soll insbesondere dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die buchstabengetreue Auslegung der ISOM in Deutschland in den fraglichen Fällen zu weitreichenden Problemen im Umgang mit amtlichen und privaten Genehmigungsträgern führen könnte. Im Zuge dieser Verbotsregelung sollen die Ausrichter und Technischen Delegierten jedoch auch sensibilisiert werden, durch geeignete Bahnlegung und/oder die Nutzung der ISOM-Sperrsymbole Problemfälle von vornherein zu vermeiden.

Damen in Herren-Teams
Nachdem die 2-jährige Probezeit keinerlei negative Erkenntnisse geliefert hat, wird die Zulässigkeit des Starts von Damen in Herren-Teams dauerhaft in den WKB verankert.

Mittel-OL für D/H-14
Da die Auswirkungen dieser seit zwei Jahren probeweise in die WKB aufgenommenen Maßnahme noch nicht in dem Maße untersucht werden konnte, wie von den Verantwortlichen gewünscht, wird die Probezeit bis zum 31.12.2016 verlängert. Der TK-Bereich Wettkampfwesen bittet die Ausrichter von Bundesveranstaltungen Mittel-OL sowie die Trainer der betroffenen Wettkämpfer bereits jetzt um Kooperation bei den geplanten Auswertungen.

Startabstände für Rahmenklassen
Unter B 8.2.3 wurde eine formulierungstechnische Präzisierung vorgenommen: Die angegebenen Mindeststartabstände gelten demnach nur für diejenigen Kategorien, deren Ergebnisse in die Wertung der Bundesrangliste eingehen (also nicht für D/H-10 und Direktbahnen).

Ausschreibung
Die unter B 6.3 aufgeführte Liste derjenigen Angaben, die eine Ausschreibung enthalten muss, wurde um den Hinweis auf Abgabe der impliziten Einverständniserklärung zur Veröffentlichung von Meldedaten , Ergebnissen und Bildern in Wettkampflisten, Medien und dem Internet mit der Anmeldung zu einem Wettkampf ergänzt.
Im Zusammenhang mit dem Thema Meldung seien Meldende und Ausrichter an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass zu einer vollständigen Meldung auch das Geburtsjahr gehört! Unvollständige Teile einer Meldung gelten als nicht erfolgte Meldung (siehe B 6.4.1). Daraus folgt, wenn auch nach Rückfrage beim Meldenden fehlende Informationen nicht mitgeteilt werden, dürfen die betreffenden Läufer nicht in die Startliste aufgenommen werden (Ausnahme: Direktbahnen etc.). Das wurde 2014 leider nicht konsequent gehandhabt. Diese "harte" Regel hat jedoch einen leicht nachvollziehbaren Grund: Die Läufer landen dann ohne Geburtsjahr in der Ergebnisliste, die somit formal nicht den WKB-Anforderungen entspricht, und die Führer der Bundesrangliste ordnen diese Läufer dann u.U. falschen Kategorien zu.

Alle Änderungen der 26. WKB-Fortschreibung sind im Abschnitt B 9.2 WKB aufgelistet und können zudem in der Version mit den farbig hervorgehobenen Änderungen gegenüber 2014 nachvollzogen werden.


Mehr:
WKB 2015
WKB 2015 mit Änderungsdetails zu 2014
Vorträge der TD- und WKL-Tagung 2014

Autor: Jan Müller
Eingestellt am 12.03.2015

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