Orientierungslauf in Deutschland


Swiss O Week 2014

Der Schweizer 6-Tage-OL ist zum 7. Mal Geschichte und wurde nach 2006 zum 2. Mal in und um Zermatt nahe Italien ausgetragen. Die Organisatoren scheuten nicht, die SOW parallel zum weltgrößten OL in Schweden, dem O-Ringen, zudem dem 50. stattfinden zu lassen.
Deutschland war mit rund 250 Teilnehmern die fünft-meistvertretende Nation – bei über 4600 Läufern insgesamt, die sich bei einem der größten Schweizer Orientierungsläufe tummelten.

Daniel Hubmann und Baptiste Rollier im direkten Kampf um den 1. (Gesamt)Rang bei der "lieblichen" Etappe
Daniel Hubmann und Baptiste Rollier im direkten Kampf um den 1. (Gesamt)Rang bei der "lieblichen" Etappe  Foto: Matthias Merkli

Den Start der Woche bildete ein Knock-out-Sprint für die Elitekategorien durch das altertümliche bis moderne Zermatter Stadtzentrum, bevor am Folgetag alle anderen Klassen ebenda umhereilten. Die größten substanziellen Hindernisse waren bei dieser ersten Etappe die vielen Touristen, andere Läufer, mitunter aber auch Ziegen. Im Prolog setzten sich die Weltspitze-OLer – mehrheitlich Schweizer – durch und „fochten“ die gegabelten (Halb-)Finals im 6er-Massenstart unter sich aus.
Die 2. Etappe führte die Wettkämpfer zwischen 2200 und 2450 Meter über NN direkt unterhalb des imposanten und stark frequentierten sowie vielfach abgebildeten und am häufigsten abgelichteten Berges Matterhorn über wellige Wiesen und steile Steinhänge. Die auf den längeren Bahnen gelangten dabei ins locker bewaldete Tal der Stafelalp. Das markant spitz thronende Wahrzeichen der Region blieb bei mehr und weniger Nebel an jenem Tag den Startern in natura verborgen.
Infolge der Witterung – Neuschnee und dichte Wolken, die Rettungseinsätze aus der Luft erschweren, wenn nicht verhindern – wurde die dritte mit der 5. Etappe getauscht, was sich vom Wetter her als sehr erfreulich erwies. Die Gornergratbahn fuhr die zahlreichen Wettkämpfer auf den Riffelberg – und bei Wunsch weiter. Das offene Gelände – gut einsehbar – verleitete zum schnellen Rennen, wenn denn die Kraft dazu reichte. Mitunter dicht gesetzte Posten erforderten aber sicheres Kartelesen.

Am Ruhetag lockte dann strahlend blauer Himmel zu Bergwanderungen und anderen, mehr oder weniger sportlichen Aktivitäten mit Aussichten auf die (anderen) schneebedeckten Gipfel.

Myrea Richter aus Kassel/Dresden bei der 5./3. "himmlischen" Etappe, 5. Gesamtplatz bei den Damen A-Kurz
Myrea Richter aus Kassel/Dresden bei der 5./3. "himmlischen" Etappe, 5. Gesamtplatz bei den Damen A-Kurz  Foto: Fotograf ?

Zur 4. Etappe ging es für die Teilnehmer über und durch einen reizvollen Arvenwald (Arve = Zirbelkiefer), teils samt steinigem Flussbett. Für Publikumswirkung hatten die Veranstalter den 20er und Eliteklassen einen Massenstart-Schlaufen-OL vorbereitet. Aufgrund der Hochgebirgslage gestaltete sich die Startwiese als 50m hoher Steilhang, der nach einmaligem Kartenwechsel von den betreffenden Frauen und Männern gar ein zweites Mal von einem noch weiter unten gelegenen Zuschauerposten erklommen wurde. Schön anzusehen, schön anstrengend zu laufen. Mit GPS und Zwischenständen wurden die Rennen spannend kommentiert.
Die namenhaft „Eisige“, höchstgelegene und Königsetappe erwischte nun den sonnigsten Tag und damit frohe Gesichter. Fein strukturierte Felsplatten erforderten genaues Orientieren vom Start 1 an, Schneeflächen offenbarten sich als tückische bis gefahrvolle, blendende Laufunterlagen. Der verpflichtend „Trockene Steg“, wie die Bergstation des gewesenen Tageswettkampfzentrum heißt, führte die längeren Bahnen über stürzendes Schmelzwasser in das etwas einfachere, aber nicht zu unterschätzende Terrain der kürzeren Bahnen unterhalb des zurückgegangenen Oberen Theodulgletschers. Über den Unteren konnte mit einer weiteren Seilbahn, die 1000hm ohne Zwischenmast überwindet, das Kleine Matterhorn auf 3900m Höhe erreicht und innen wie außen besichtigt werden – inklusive Skifahrern. Der Rückweg ins Tal allerdings beschränkte sich aus einem vermutlich überlasteten Gondelliftabschnitt für den größeren Teil auf entweder langes Warten auf die zweite maschinelle Möglichkeit bergabwärts oder einen längeren Teilabstieg.
Die sechste und Schlussetappe hüllte sich etwas weiter unten wieder in Nebel und Kälte. Start 1 wurde durch eine weitere Gondelfahrt erreicht und führte von oben zuerst in ein Felssturzgebiet, danach in sehr abschüssige offene bis Waldhänge und hatte es trotz der reichlichen Abstiege im Schnitt mit den meisten Höhenmetern auf etwas kürzeren Strecken noch einmal in sich.

Helmut Conrad, der einzige deutsche Gesamtsieger, bei der verschobenen Königsetappe vor dem Matterhorn
Helmut Conrad, der einzige deutsche Gesamtsieger, bei der verschobenen Königsetappe vor dem Matterhorn  Foto: Wieland Kundisch

Die Elite gewannen mit Simone Niggli und Daniel Hubmann jeweils zwei der weltbesten OLer. Nationalläufer Bojan Blumenstein erreichte im starken HE-Starterfeld den 20. Gesamtrang.
Die besten Gesamtergebnisse der deutschen Altersklassenläufer erreichten H70-Sieger Helmut Conrad (USV TU Dresden), Karin Schmalfeld (BSV Halle-Ammendorf) mit dem 2. Rang in der D35, Jens Leibiger (Post SV Dresden) als Dritter H55er sowie die Viertplatzierten Vereins-Dresdnerinnen Cornelia Eckardt (D45), Karin Kraemer (D50) und Ingrid Grosse (D75). Auf den Rahmenbahnen Challenge, auf die wie die D/H10 und die zwei Ferienklassen frei gestartet werden konnte, wurde Malte Rehbein vom TSV Berlin auf der langen Variante Gesamtdritter und Jens Junghanß aus Dresden Gesamtzweiter auf der mittleren.
Erwähnenswert zudem: Im SI-Auswerte-Team befanden sich drei Deutsche.

Zusammengefasst: Hochalpine, fordernde Wettkämpfe in doppeldeutig atemberaubendem Gelände, in gewohnt guter Qualität und in hochkarätiger Besetzung einschließlich Abend- und Randveranstaltungen mit einer Menge Arbeit und Hingabe.

Die nächste SOW folgt 2016 im direkten Anschluss an die Junioren-WM im Engadin (Ostschweiz).


Mehr:
Homepage

Autor: Wieland Kundisch  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 28.07.2014

© 2001-2017 TK OLImpressum