Orientierungslauf in Deutschland


Schweiz schreibt WM-Geschichte

Freudestrahlend, jubelnd und komplett durchnässt lag sich das Schweizer Team im Ziel nach einer hochgradig spannenden Sprintstaffel im italienischen Trento in den Armen. Die Staffel der Eidgenossen holte sich den ersten Sieg in diesem Wettkampfformat im Rahmen einer Weltmeisterschaft. Der Wettkampf lebte von einer bisher im OL kaum gekannten Spannung aufgrund zahlreicher Positionswechsel und dem Wissen, dass in den nächsten Sekunden durch eine unterschiedliche Routenwahl eines Läufers das Klassement schon wieder komplett anders aussehen könnte.

Die Schweiz jubelt über den Titel in der Sprintstaffel.
Die Schweiz jubelt über den Titel in der Sprintstaffel.  Foto: Fred Härtelt

Es war wohl genau das Format was dem OL bisher noch gefehlt hatte – ohne dass dies bisher so richtig offensichtlich war. Ab dem Start im Zentrum von Trento gab es eine Stunde das Erlebnis-OL in einer sehr starken Intensität zu sehen.

Gewonnen hat diesen Kampf der Geschwindigkeit und Nerven die Schweiz in der Aufstellung Rahel Friederich, Martin Hubmann, Matthias Kyburz und Judith Wyder. Auf der Startstrecke waren die Abstände zwischen dem Ersten und dem 19. Platz noch unter eine Minute. Susen Lösch (USV Jena) kam für Deutschland als 17. ins Ziel und berichtete von einem schnellen Lauf, bei dem die Gabeln, abgesehen von einem langen Schlag, relativ gleichmäßig waren, so dass die Läufer immer wieder in der gleichen Konstellation zusammenkamen. Aufgrund der Laufgeschwindigkeit konnten sich die schnellsten Sprinter aber Sekunde für Sekunde absetzen.

Bojan Blumenstein läuft ein konzentriertes Rennen.
Bojan Blumenstein läuft ein konzentriertes Rennen.  Foto: Fred Härtelt

Auf den weiteren Strecken rückte dann die Routenwahl mehr in den Fokus. Nach dem Durchlauf durch den Start-Ziel-Bereich hatten alle Bahnen eine lange Verbindung, die sehr unterschiedlich gelaufen wurde. Die Läufer, welche einen immer größeren Abstand untereinander hatten, lösten diesen Abschnitt mitunter recht unterschiedlich. Nachdem beim zweiten Wechsel Belgien durch Yannick Michiels die Führung übernommen hatte, konnte Matthias Kyburz als dritter Läufer für die Schweiz einen Vorsprung von 18 Sekunden herauslaufen.

Die deutschen Herren mussten mit Bojan Blumenstein (OSC Kassel) als zweiten Läufer einige Platzierungen abgeben, wobei Sören Riechers (Bielefelder TG) wieder Positionen gut machen konnte und als 19. auf Sabine Rothaug (OSC Kassel) wechselte. Im Ziel berichte der Bielefelder Sprinter Riechers von einem „geilen Wettkampfformat“, bei dem mit höchster Geschwindigkeit in engem Gegnerkontakt jederzeit exakt orientiert werden musste.

Sabine Rothaug lief die Staffel als Schlussläuferin auf den 22.Platz. Die Schleusen am Himmel hatten sich inzwischen endgültig komplett geöffnet. Schon während der ersten Zieleinläufe waren Blitze am Himmel zu sehen, wobei die Zuschauer trotz der immer schlechter werdenden Wetterbedingungen weiter im Ziel- und Wechselbereich ausharrten und mit den Läufern und Staffeln jubelten.

Die Sprintstaffel war ein enges Rennen, bei dem es um jede Sekunde ging.
Die Sprintstaffel war ein enges Rennen, bei dem es um jede Sekunde ging.  Foto: Fred Härtelt

Mit einem Vorsprung von nur noch 3 Sekunden lief die nun zweifache Weltmeisterin Judith Wyder den Sieg für die Schweiz nach Hause. Die Dänin Maja Möller Alm hatte den Schweizer Vorsprung von 18 Sekunden beim dritten Wechsel allerdings fast noch egalisiert und holte Silber. Auch Russland konnte als Gewinner der Bronzemedaille den Vorsprung durch Galina Vinogradova noch verringern.

Nach einem nervenaufreibenden Wettkampf heißt es nun erstmal beim Fußball entspannen, der deutschen Mannschaft am Dienstag die Daumen drücken und dann am Mittwoch wieder beim Finale über die Langdistanz mitzufiebern.

Ergebnisse Sprintstaffel


1. Schweiz (Friederich, Hubmann, M., Kyburz, Wyder)		59:04 min
2. Dänemark (Klingenberg, Lassen, Bobach, Möller Alm) 59:07 min
3. Russland (Tikhonava, Tikhonov, Khramov, Vinogradova) 59:15 min
22. Deutschland (Lösch, Blumenstein, Riechers, Rothaug) 65:16 min


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Autor: Daniel Härtelt  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 07.07.2014

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