Orientierungslauf in Deutschland


WM-Fieber

Fernseh-Live-Übertragungen, Sonderbeilagen in fast allen Zeitungen, mehr oder weniger geschmacklose Fanartikel zuhauf, Public Viewing in allen größeren Städten – Deutschland im WM-Fieber. Aber, man kann es ahnen, die Rede ist nicht von der Orientierungslauf-WM sondern vom Fußball. Und so wird es auch schwer werden, wenn die Fußball-WM in die Viertelfinal-Spiele geht, wenigstens etwas mediale Aufmerksamkeit auf den Orientierungslauf zu lenken.

Susen Lösch startet bei der WM
Susen Lösch startet bei der WM  Foto: Fred Härtelt

WM Programm


Für die Orientierungsläufer, und besonders für die Auswahlteams, steigt das WM-Fieber so richtig aber erst Anfang Juli. Am Samstag, 5. Juli, beginnt die OL-WM mit dem Sprint Einzel. Dieser bietet mit Venedig als Austragungsort gleich ein echtes Highlight. Die Qualifikationsläufe finden nicht in der touristisch bekannten Stadt statt, sondern auf einer nordöstlich gelegenen Insel, die aber ebenfalls dicht besiedelt ist und ein ähnliches Stadtbild bietet. Das Finale steigt dann am Nachmittag desselben Tages im östlichen Teil von Venedig, der durch den ehemaligen Flottenhafen geprägt ist.

Nachdem die ersten Weltmeistertitel vergeben sind, werden dann am nächsten Tag die Weltmeisterschaften offiziell in Asiago eröffnet. Damit wird die WM-Woche doch recht deutlich in einen Sprint-Teil und einen Wald-Teil geteilt, denn viele Läufer werden gar nicht nach Venedig reisen, um als Zuschauer ihre Mannschaftskameraden zu unterstützen. Auch im deutschen Team schlägt sich diese Teilung nieder. Hier wird die Mannschaft zu verschiedenen Terminen anreisen.

Die neu in das Programm aufgenommene Sprint-Mixed-Staffel wird wenigstens erst nach der Eröffnung ausgetragen, und zwar in Trento und damit in der Region des WM-Zentrums Lavarone. Diese Mixed-Staffel besteht aus jeweils zwei Damen und zwei Herren. Interessant ist die Reihenfolge der Läufer: die Damen starten und besetzen auch die Schlussposition, in der Mitte laufen die beiden Herren des Teams.

Sören Riechers hat die Quali geschafft.
Sören Riechers hat die Quali geschafft.  Foto: Fred Härtelt

Am Dienstag folgt ein Ruhetag, bevor am Mittwoch, 9. Juli, dann die Titel auf der Langstrecke ausgelaufen werden. Sämtliche Walddisziplinen finden durchweg in anspruchsvollem, alpinen Berggelände statt, wobei das Mittel- und Staffelgelände karstig geprägt ist und daher einen hohen Detailreichtum aufweist, während das Gelände für die Langdistanz dem Bahnleger sicher die Möglichkeit geben wird, die Läufer vor komplexe Routenwahlprobleme zu stellen.

Nach der Langdistanz folgt wieder eine Ruhetag und dann an den Folgetagen, also am Freitag und Samstag die Mitteldistanz und schließlich die Staffeln, die wie immer den Abschluss bilden.

Und wie immer in den letzten Jahren gibt es Entscheidungen im TempO und PreO und Rahmenläufe für die Zuschauer.

Deutsche Mannschaft


Das deutsche Damenteam besteht aus vier Läuferinnen, zwei sehr jungen und zwei schon sehr erfahrenen Athletinnen. Bei den Qualifikationsläufen konnte vor allem Susen Lösch (USV Jena) überzeugen, die alle Läufe für sich entschied. Daher ist auch erst einmal ihr Einsatz in allen Disziplinen geplant. Ob es dann tatsächlich dazu kommt, wird von Wettkampf zu Wettkampf vor Ort entschieden.

Das Küken der Mannschaft, die Juniorin Sabine Rothaug (OSC Kassel), wird in beiden Sprintdisziplinen zum Einsatz kommen und als Ersatzläuferin für die Staffel zur Verfügung stehen. Sabine hat dieses Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht und gerade im Sprint ihre Fähigkeiten mit dem Erreichen des Finals bei der EM unter Beweis gestellt.

Die deutschen Damen haben im Mittel und im Lang jeweils zwei Startplätze. Neben Susen wird hier erstmalig Monika Depta (OLG Siegerland) für Deutschland laufen. In der Vergangenheit hat sie auch schon die polnischen Nationalfarben bei einer WM vertreten. Sie ist für ihre Laufstärke bekannt und hat bei den Qualifikationsläufen gezeigt, dass sie auch das italienische Gelände beherrscht.

Christiane Tröße (SV TU Ilmenau) wird dann die Staffel komplett machen. Die Wahl-Norwegerin geht zudem als Dritte im Sprint an den Start und steht als Ersatzläuferin für die anderen Disziplinen bereit.

Auch bei den Herren werden im Sprint vor allem die sehr jungen Läufer zum Einsatz kommen. Die Qualifikation konnte mit hauchdünnem Vorsprung Bojan Blumenstein (OSC Kassel) für sich entscheiden, der sein erstes Elitejahr und nun seinen ersten WM-Einsatz bestreitet. Christoph Prunsche (TuS Lübbecke) war in der Qualifikation nur vier Sekunden langsamer und ist damit unzweifelhaft der zweite Sprinter für Deutschland. Der dritte Startplatz geht an Sören Riechers (Bielefelder TG). Er konnte als Ausrichter an der Sprint-Qualifikation nicht teilnehmen, hat in der Vergangenheit aber schon sehr gute Sprintläufe auch auf internationalem Parkett gezeigt und ist vom Lauftempo her zurzeit noch deutlich vor den anderen. Wer die Mixed-Staffel bestreitet, wird nach dem Einzel-Sprint entschieden.

Wie die Damen haben auch die Herren jeweils zwei Startplätze in den Walddisziplinen. Diese sollen von Bjarne Friedrichs (MTV Seesen) und Sören Lösch (USV Jena) besetzt werden, die sich auch in den Qualifikationsläufen in Italien durchsetzen konnten. Beide können inzwischen schon auf mehrfache WM-Erfahrung zurückgreifen. Allerdings muss Sören im reinen Laufbereich noch zeigen, dass er seinen verletzungsbedingten Trainingsausfall aus dem Winter aufgeholt hat. Durch Verletzung ganz ausgefallen ist leider Christoph Brandt (SSV Planeta Radebeul), der sogar kurzfristig operiert werden musste. Wir wünschen ihm gute Besserung.

Die Staffel mit den beiden soll dann Bojan komplett machen, der außerdem als Reserveläufer für Lang und Mittel bereit steht.


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Autor: Heidrun Finke
Eingestellt am 16.06.2014

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