Orientierungslauf in Deutschland


DM Sprint und Bundesranglistenlauf – Ostwestfalen-Lippe war eine Reise wert

Von den achtziger Jahren bis in die neunziger Jahre war Ostwestfalen ein Schwerpunkt des Orientierungslaufs in Deutschland, wobei die Austragung der Weltmeisterschaften 1995 ohne Zweifel die herausragende Veranstaltung war. Lange Zeit war es dann in dieser Region etwas ruhig geworden, aber jetzt haben sich die dortigen Vereine mit der Ausrichtung der Sprint-DM und eines Bundesranglistenlaufs, gleichzeitig Weltranglistenläufe, in hervorragender Weise zurückgemeldet.

Siegerinnen und Sieger der Eliteklassen DM Sprint 2014
Siegerinnen und Sieger der Eliteklassen DM Sprint 2014  Foto: Fred Härtelt

Ein Kurort wie Bad Lippspringe mit verschiedenen Parkanlagen, die teilweise in den Wald übergehen und einer Innenstadt mit einigen kleinräumigen Passagen sowie ein nahe gelegenes Schulgelände sind sicher ein sehr gut geeigneter Austragungsort für eine Sprint-Meisterschaft. Bei wiederholtem Geländewechsel war die volle Konzentration gefordert – was so manchem Wettkämpfer doch Probleme bereitete. Um eine kritische Straßenpassage zu vermeiden, wurden die Qualifikationsläufe östlich der Hauptstraße, die den Ort durchschneidet, ausgetragen, die Endläufe in dem reizvolleren westlichen Gebiet mit dem Kurpark und dem angrenzenden Wald. Auf diese Weise hatten die Ausrichter zwei voneinander getrennte Laufgebiete zur Verfügung, niemand wusste somit nach den Qualifikationsläufen, was ihn am Nachmittag erwarten würde.

In den Eliteklassen konnten aus den Ergebnissen der Qualifikation nur bei den Damen Favoriten ausgemacht werden. Mit einem Vorsprung von etwa einer Minute entschied Susen Lösch vom USV Jena das Finale für sich, gefolgt von Resi Rathmann (Schmalkalden) und Theresa Flechsig (TU Dresden). Dahinter wurde es eng: Esther Doetsch und Sabine Rothaug mussten sich mit wenigen Sekunden Rückstand mit Platz vier und fünf zufrieden geben.

Die Qualifikationsläufe der Herren-Elite wiesen bereits auf ein spannendes Finale hin, auch da sich neben etablierten Läufern der Nachwuchs deutlich zu Wort meldete: Wer hatte gepokert und wollte seine wahre Form nicht zeigen? Mit einem beherzten Lauf konnte Bojan Blumenstein (OSC Kassel) die Meisterschaft gewinnen. Aber seine Gegner machten ihm diesen Sieg nicht leicht. Nur zwei Sekunden langsamer war der Zweitplatzierte Alexander Lubina (Adler Bottrop), weitere zwei Sekunden dahinter konnte sich Christoph Prunsche (TuS Lübbecke) den dritten Rang sichern. Wie die Ergebnisliste zeigt, war die Leistungsdichte erfreulich hoch. Fünfundvierzig Sekunden Rückstand auf den Sieger reichten nur für Platz neun! Noch erfreulicher ist allerdings, dass schnelle junge Läufer den Etablierten auf der Sprintdistanz die Stirn bieten können. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Nach den schnellen kurzen Passagen am Samstag waren die Anforderungen auf der Karte „Düstere Köpfe“ am Sonntag erwartungsgemäß völlig anders. Das Gelände, schon einmal vor mehr als zwanzig Jahren für eine Deutsche Meisterschaft und einen Dreitagelauf genutzt, bietet überwiegend offenen Wald mit tief eingeschnittenen Tälern und nur wenigen detailreichen Gebieten. Trotz einiger Sperrgebiete konnten die Veranstalter auch hier attraktive Bahnen anbieten, die trotz des offenen Waldes konditionell hohe Anforderungen stellten. Bei den Damen setzte sich die erfahrene Monika Depta vor Susen Lösch und Sabine Rothaug durch. Bei den Herren konnte sich Christoph Brandt vor Sören Lösch und Philipp Müller platzieren.

Insgesamt gesehen kann den Veranstaltern ein dickes Lob gezollt werden: Eine sehr gute und bis ins Detail geplante Organisation, attraktive Laufgebiete, eine gute Bahnlegung und ein reibungsloser Ablauf der Wettkämpfe. Das sollte für die Vereine in Ostwestfalen Ansporn sein, sich in den kommenden Jahren für weitere Wettkämpfe auf Bundesebene zu bewerben. Und an dem sehr kühlen Maiwetter in dieser Ecke Deutschlands kann ja ein Veranstalter auch nichts ändern.


Mehr:
Homepage des Veranstalters/Ergebnisse

Autor: Hans Joachim Bader  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 12.05.2014

© 2001-2017 TK OLImpressum