Orientierungslauf in Deutschland


Turntag des DTB und TK-Sitzung – Wohin geht es mit dem Orientierungslauf in Deutschland?

Im November fand in Frankfurt der Turntag des Deutschen Turner-Bundes statt, Anfang Dezember traf sich das Technische Komitee OL in Jena zu seiner Sitzung. Im Vordergrund stand bei beiden Tagungen die finanzielle Situation, die sich insbesondere angesichts der DTB-Misere mehr als dramatisch präsentiert.

Orienteering Germany - ein Ausdruck des Selbstbewusstseins oder erster Schritt zur Emanzipation?
Orienteering Germany - ein Ausdruck des Selbstbewusstseins oder erster Schritt zur Emanzipation?

Alle zwei Jahre findet der Turntag des DTB – vergleichbar mit einer Hauptversammlung – statt. Hier werden grundsätzliche Entscheidungen gefällt, z.B. auch Änderungen der Satzung beschlossen und Neuwahlen durchgeführt. Der Turntag im November in Frankfurt stand ganz im Zeichen der finanziellen Misere des DTB, die sich – wie bereits mehrmals berichtet – vor allem wegen der aus dem Ruder gelaufenen Kosten für den Neubau in Frankfurt eingestellt hat. Einen Schuldigen wird man hier wohl nie finden. Aber auch wenn Gutachter kein Fehlverhalten der Entscheidungsträger ausmachen konnten und Vieles auf die Verkettung unglücklicher Umstände zurück zu führen ist, bleibt ein eigentümlicher Beigeschmack.

Doch nicht nur die Schulden für den Neubau drücken, auch die Mitgliedsbeiträge der Landesverbände sind geringer geworden und bestimmte Kosten für das Turnfest werden nicht mehr von außen übernommen. Die Konsequenzen sind nicht nur Einsparungen beim Personal, auch die Einzelsportarten müssen herbe Einschnitte hinnehmen. Für den OL bedeutet dies eine Reduktion des Etats um etwa 45 %, d.h. statt 15.000 € wie 2013, stehen uns ab 2014 nur noch 8.200 € zu. Ein sehr deutliches Schreiben des TK-Vorsitzenden an den DTB, in dem die Konsequenzen des kontinuierlichen Rückgangs der DTB-Mittel während der vergangenen 20 Jahre dargestellt wurden, brachte keinerlei Erfolg. Trotz der schlechten Lage des DTB wurde der Vorstand entlastet, wenn auch mit einigen Gegenstimmen, und der Präsident Rainer Brechtgen wiedergewählt.

Wohin geht es mit dem OL in Deutschland?
Wohin geht es mit dem OL in Deutschland?  Foto: Ralph Körner

Es ist verständlich, dass sich viele Gespräche im Rahmen und am Rande der TK-Sitzung, die am 6. und 7. Dezember in Jena stattfand, um das Problem der Finanzen und die kurz- und langfristigen Konsequenzen drehten. Aber auch Änderungen der Wettkampfbestimmungen, deutsche Bewerbungen um die Durchführung von Juniorenweltmeisterschaften 2017 und eines Ski-Orientierungslauf-Weltcups in Verbindung mit Altersklassenweltmeisterschaften 2016 wurden besprochen. Die einzelnen Entscheidungen werden zusammengefasst separat veröffentlicht werden. Geplant wurde weiterhin, im Frühjahr im Rahmen eines weiteren TK-Treffens eine Strategie für die Zukunft zu entwickeln.

Bei der Diskussion des Haushalts wurde die gesamte zukünftige Misere deutlich. Für den Leistungssport bedeutet das, dass eine DTB-Finanzierung nahezu nicht mehr gegeben ist, da der zur Verfügung gestellte Betrag für den IOF-Beitrag und verschiedene Ausgaben wie Lehrgänge und Medaillen zum großen Teil gebunden sein wird. Geld wird nur aus der Wettkampfabgabe zur Verfügung stehen, eventuell wird das BMI wieder einen Betrag für die World-Games-Sportarten zusteuern.

Ohne die Unterstützung des Fördervereins und der Top10-Initiative würde der Leistungssport auf internationaler Ebene wohl fast ganz zum Erliegen kommen, oder es würden ausschließlich nur noch diejenigen teilnehmen können, die sich selbst finanzieren. Dies schmerzt unter den aktuellen Gegebenheiten besonders – zeigt doch die engagierte Arbeit der Nationaltrainer gegenwärtig hoffnungsvolle Ergebnisse und ist im Jugendbereich eine deutliche Aufbruchsstimmung zu spüren. Es wäre unendlich schade, wenn die vielen guten Ideen und Maßnahmen aufgrund der finanziellen Misere in ihrem Anfangsstadium stecken bleiben müssten. Die Spendenaufrufe können daher nicht laut genug, nicht eindringlich genug und nicht oft genug erfolgen!

Es scheint nunmehr dringend an der Zeit, Alternativen für den OL in Deutschland ernsthaft mit allen Konsequenzen zu durchdenken. Schon seit Jahren finanzieren wir unseren Sport überwiegend aus Eigenmitteln, die das Mehrfache der vom Verband zur Verfügung gestellten Gelder darstellen.

Wollen wir uns ganz auf eigene Füße stellen oder uns einem anderen Verband anschließen? Welches sind die Vor-, welches die Nachteile? Könnten wir das überhaupt leisten oder führt das ins Chaos oder zu einer Spaltung? Was wäre uns finanziell eine Eigenständigkeit wert, und wer würde sich in einer Anlaufphase mit einigen hundert Stunden grundsätzlicher Arbeit einbringen? Dabei müssen wir ehrlich zu uns selbst sein: Träumen nutzt uns nichts, wenn wir die Träume nicht realisieren können.

Nur eines sollte uns allen klar sein: weiter wie bisher in der Hoffnung auf bessere Zeiten nur Löcher stopfen – das geht nicht. So mancher täuscht sich über diese Situation oder möchte sie nicht wahr haben, da es immer noch gut organisierte Meisterschaften und Bundesranglistenläufe sowie ein großes Angebot auf regionalen Ebenen gibt. Aber lange lässt sich das ohne Investitionen in Ausbildung, Nachwuchsarbeit, Breiten- und Leistungssport nicht aufrecht erhalten. Eine Hoffnung gibt es allerdings: Unser Sport basiert auf sehr viel Eigeninitiative und Organisationsvermögen, in dieser Hinsicht können wir Einiges leisten!


Autor: Hans Joachim Bader  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 15.12.2013

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