Orientierungslauf in Deutschland


Gewitter, Dauerregen und Nebel im französischen Zentralmassiv…

… das waren die äußeren Bedingungen, mit denen die Läufer beim diesjährigen Junioren-Europa-Cup zurechtkommen mussten. Darüber hinaus sorgten steile Hänge und schwierige Postenstandorte dafür, dass den Läufern wirklich alles abverlangt wurde. Das deutsche Team durfte sich über zwei Top-10 Platzierungen in den Einzel-Disziplinen freuen, doch der Sprung auf einen Diplomrang wurde knapp verpasst.

Mark Otto beim Nebellauf.
Mark Otto beim Nebellauf.  Foto: Nationalteam

Die deutsche Mannschaft reiste bereits am Donnerstagabend an, zum Teil aus Deutschland, zum Teil aus Skandinavien und zum Teil aus dem Italien-Trainingslager. Der Freitagmorgen wurde für ein kurzes Model Event genutzt, bevor am Nachmittag die erste Entscheidung – der Sprint – auf dem Programm stand. Hielt tagsüber das Wetter noch ganz gut, so wurde es gegen Abend immer dunkler und als die letzten Läufer auf die Strecke geschickt wurden, ging ein krachendes Gewitter über den Wiesen und Straßen von Le Bessat nieder. Nur wenige Läufer kamen fehlerfrei über die anspruchsvollen Bahnen, immer wieder fanden sich ganze Trams unbeabsichtigt im Olivgrün wieder. Die Organisatoren, die zunächst noch Listen darüber geführt hatten, wer alles im Sperrgebiet gelandet war, gaben nach einer Weile auf und verzichteten auf Disqualifizierungen zumal sich niemand einen Vorteil verschaffen konnte. Von der deutschen Mannschaft erreichten Hanna Müller (TV Kippenheim, D-18) und Susen Lösch (USV Jena, D-20) als 12. und 13. die besten Platzierungen. Beiden unterliefen Fehler, die einen Platz unter den ersten 6 zunichtemachten. Überraschend gut konnte sich auch die Debütantin im Nationaltrikot Paula Starke (D-18) vom USV TU Dresden in Szene setzen, die 16. wurde.

Moritz Döllgast auf den letzten Metern.
Moritz Döllgast auf den letzten Metern.  Foto: Nationalteam

Am nächsten Morgen stand dann das Langrennen auf dem Plan. Die Laufzeiten lagen erneut sehr, sehr eng beisammen. Hanna Müller und Susen Lösch waren wieder unsere Schnellsten und wurden beide Zehnte. Bojan Blumenstein (OSC Kassel), der noch am Vorabend einen richtig schlechten Sprint erwischt hatte, kam diesmal sehr gut zurecht und sicherte sich einen 12. Platz. Vorn dominierten vor allem Schweden, Norweger und Schweizer das Geschehen, aber auch die Franzosen präsentierten sich erstaunlich stark.

Schweden ging zwar mit einem Vorsprung in den Sonntag, aber vor der abschließenden Staffel war noch keineswegs klar, wer sich am Ende den Junioren-Cup holen sollte. Im Gegensatz zu den Einzeldisziplinen wird in der Staffel nicht nach den Altersklassen 18 und 20 unterschieden. Dadurch stellten mehrere der A-Nationen jeweils vier Jungs- und vier Mädchenstaffeln. Einige Top-Teams nahmen sich mit Fehlstempeln oder großen Fehlern jedoch selber aus dem Rennen. Schlussendlich reichte es aber für Schweden, die sich die Damenstaffel und den Gesamtpokal sichern konnten. Bei den Jungs setzte sich Frankreich erstmals bei einem JEC in der Staffel durch und konnte damit in der Gesamtwertung noch den dritten Platz hinter Norwegen aber vor der Schweiz, Tschechien, Russland und Österreich holen. Deutschland wurde direkt hinter Dänemark Neunter in der Nationenwertung. Die Jungsstaffel, die in der Besetzung Moritz Döllgast (TV Oberbexbach), Bojan Blumenstein, Mark Otto (Kaulsdorfer OLV) lief, wurde 20. während unsere beiden Mädchenstaffeln auf den Plätzen 11 und 17 ins Ziel kamen. Die große Überraschung aus deutscher Sicht war, dass unser zweites Team (mit Theresa Flechsig (USV TU Dresden), Resi Rathmann (SV Schmalkalden) und Paula Starke) sich in dem starken Feld so gut präsentierte und u.a. auch unser JWM erprobtes erstes Team (mit Hanna Müller, Sabine Rothaug (OSC Kassel) und Susen Lösch) deutlich distanzieren konnte. Dabei hatte Schlussläuferin Susen Lösch wieder einen fantastischen Lauf und konnte – genau wie bei der JWM – die drittbeste Zeit aller Schlussläuferinnen erzielen.

Was bleibt von diesem JEC in Erinnerung? Auf jeden Fall die aufopferungsvolle Arbeit der französischen Organisatoren, die sich von den widrigsten Bedingungen nicht kleinkriegen ließen und für geringe Startgelder eine Top-Veranstaltung auf die Beine stellten. Außerdem sicher auch die guten Ergebnisse von Hanna, Susen und Bojan – doch alle drei werden nächstes Jahr nicht mehr für das deutsche Nachwuchsteam laufen: Bojan und Susen steigen in die Elite auf und Hanna wird dann zur Schweizer Mannschaft wechseln. Bis dahin sollten also andere Läufer stark genug sein, um in deren Fußstapfen zu treten.


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Autor: Jan Birnstock
Eingestellt am 08.10.2013

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