Orientierungslauf in Deutschland


Deutsche Mädchen 5. bei der Jugend-Tiomila

Eines der wichtigsten internationalen Staffelrennen für die OL-Jugend ist die alljährlich in Schweden stattfindende Jugend-Tiomila. Erstmals seit 2007 war Anfang August in Grönahög auch wieder Deutschland mit einem Jungs- und einem Mädchenteam vertreten. Und wieder einmal lagen Freud und Leid ganz dicht beieinander.

Patricia Nieke lief eine starke Startstrecke in Schweden.
Patricia Nieke lief eine starke Startstrecke in Schweden.  Foto: Fred Härtelt

Bei dem letzten Auftritt Deutschlands zur Jugend-Tiomila vor nunmehr 6 Jahren gab es einen Paukenschlag: Unsere Jungs konnten als erstes nicht-skandinavisches Team aufs Treppchen laufen und wurden Dritter. Im krassen Gegensatz dazu stand damals der schwache 50. Platz der Mädchen. Dieses Jahr gab es ein ähnliches Drehbuch mit umgekehrten Vorzeichen.

Die Mädchen, die fast in Bestbesetzung antreten konnten (lediglich Hanna Müller fehlte), hatten sich eine Menge vorgenommen und wollten in die Top 10 laufen. Und tatsächlich lief das Rennen für sie fast wie gemalt. Startläuferin Patricia Nieke (USV TU Dresden) kam mit der Führungsgruppe und weniger als einer Minute Rückstand auf die Spitze als 18. der knapp 70 gestarteten Mannschaften wieder. Sie wechselte auf Leonore Winkler (USV Jena).

Noch drei Tage zuvor bei der Teststaffel im Trainingslager patzte die Jenaerin, doch diesmal – als es drauf ankam – behielt sie die Nerven: Sie machte 6 Plätze gut und konnte den Rückstand auf die Spitze konstant halten.

Auf der dritten Bahn gibt es eine Besonderheit: Es laufen drei Läuferinnen gleichzeitig los und die Beste der Drei wechselt dann auf die nächste Läuferin. Für Deutschland starteten Patricia Siegert und Ellen Klüser (beide USV TU Dresden) sowie Isabel Seeger (Baiersdorfer SV). Und die erst 15-jährige Patricia erwischte einen Traumlauf. Mit der zweitbesten Zeit der über 100 gestarteten Läuferinnen auf ihrer Bahn lief sie Deutschland auf den zweiten Platz vor. Gerade noch 10 Sekunden betrug der Rückstand auf die Spitze.

Das Nationalteam im Trainingslager.
Das Nationalteam im Trainingslager.  Foto: Thomas Rewig

Und nun ging die noch jüngere Birte Friedrichs (MTV Seesen) ins Rennen. Auch sie rannte und orientierte bravourös und konnte den 2. Platz verteidigen. In einer Dreierführungstram kam sie zum Wechsel und schickte Dorothea Müller (Post SV Dresden, auch sie läuft noch in der D-16) auf die letzte Bahn.

Dort traf sie auf die Vize-Juniorenweltmeisterin Sara Hagström (Falköpings AIK OK). Die ersten 4 Posten konnte die junge Dresdnerin noch mithalten, dann musste sie abreißen lassen. Und sie hatte wohl auch ein wenig „überpaced“. Am 6. Posten folgte ein größerer Fehler, danach lief es bis ins Ziel wieder gut – Platz 5 war der verdiente Lohn. Die Freude über diesen Platz überwog den Ärger über das knapp verpasste Podium deutlich. Am Ende waren es zwar nur 23 Sekunden, die zum 2. Platz fehlten, aber wie eng es zuging, zeigte das Beispiel des Tormestorps IF, die nach 4 Strecken noch führten und dann bis auf den 13. Platz zurück fielen.

Für alle deutschen OL-Fans heißt das, wir dürfen uns jetzt schon auf die Jugend-EM im Oktober in Portugal freuen. Wenn dann auch wieder Hanna Müller mit dabei ist, haben wir sowohl in der D-16 als auch in der D-18 Staffeln, die – wenn alles wieder so gut läuft – um die Diplomränge mitlaufen können.

So gut es bei den Mädchen lief, so schlecht lief es diesmal bei den Jungs. Bis zum Sichtposten lag Ole Hennseler (MTV Seesen), der deutsche Startläufer noch auf einem verheißungsvollen 5. Platz, aber dann machte er leider einen Fehler, verlor 6 Minuten und kam nur als 49. zum Wechsel.

Dann sollte die Aufholjagd starten. Markus Grätsch (USV TU Dresden) lief immerhin auf Platz 39 vor, aber dann passierte das nächste Mißgeschick. Heinrich Salzmann (ebenfalls USV TU Dresden) musste vom 3. Posten an mit seiner kleinen Reservelampe laufen, da seine Kopflampe ausfiel. Großer Zeitverlust und Platz 53 nach 3 Läufern war die Folge.

Fröhliche Stimmung beim Kanu-OL in Schweden.
Fröhliche Stimmung beim Kanu-OL in Schweden.  Foto: Thomas Rewig

Auf den nächsten drei Strecken gelang es den Deutschen sich nur leicht auf Platz 39 zu verbessern, bis auf der 7. Bahn der endgültige k.o. folgte. Veit Slodowski (USV Jena) lochte einen Posten zu kurz, sein Chip verzeichnete den Stempel nicht und die deutsche Mannschaft wurde aus der Wertung genommen. Unabhängig von diesem Fehlstempel muss leider konstatiert werden, dass an diesem Tag in diesem Gelände keiner der deutschen Jungs ausreichend konkurrenzfähig war. Da bleibt noch viel Arbeit bis zur Jugend-EM.

Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass zwei sächsische Teams bei der Jugend-Tiomila am Start waren: Die sächsischen Mädchen – die natürlich vier ihrer besten Läuferinnen an das deutsche Team abgegeben hatten – wurden am Ende 44. und die Jungs landeten um Platz 50 (offizielle Ergebnisse sind bis jetzt aufgrund technischer Probleme bei den Ausrichtern noch nicht erhältlich).

Noch vor der Jugend-Tiomila hatten sich die Jugendlichen in zwei Trainingslagern vorbereitet. Während sich die deutsche Nationalmannschaft in den Wäldern um Göteborg einquartiert hatte, verbrachten die Sachsen ihr Trainingslager in Varberg. Bundestrainer Thomas Rewig hatte neben dem Bundeskader bis zur Altersklasse D/H-18 auch zahlreiche weitere OL-Talente aus ganz Deutschland mit in das Trainingslager eingeladen.

Der Fokus lag auf dem sicheren, schnellen Orientieren in skandinavischem Gelände. Das Trainingslager-Programm umfasste insgesamt 11 Einheiten, darunter Klassiker wie Leitlinien-OL, Schleppstaffel, Nacht-OL, Mitteldistanz-OL (die JWOC-Bahnen von 2008), aber auch ausgefallenere Einheiten wie Attackpoint-Training, Postenraum-Training und damit der Spaß nicht zu kurz kommt der legendäre Göteborger Kanu-OL.

Großen Dank geht an den Förderverein Orientierungslauf, der TSV-Grünwald und dem USV TU Dresden für die tatkräftige Unterstützung und Ermöglichung des Trainingslagers.


Mehr:
Homepage Jugend-Tiomila

Autor: Jan Birnstock
Eingestellt am 08.08.2013

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