Orientierungslauf in Deutschland


O-Ringen am Polarkreis

Wie die Zugvögel jährlich ihren Weg nach Süden finden, finden Tausende Orientierungsläufer ihren Weg zum weltgrößten Mehrtage-Orientierungslauf in Schweden – dem O-Ringen. Unter den knapp 13 000 Teilnehmern befanden sich Ende Juli auch 90 deutsche Oler, die den Weg nach Boden, an den Polarkreis, fanden. In den Eliteklassen waren Hanna Müller (TV Kippenheim, D18E), Susen Lösch (USV Jena, D20E) und Sebastian Fleiss (Berliner TSC, H18E) startberechtigt.

Susen Lösch wird 10.
Susen Lösch wird 10.  Foto: Steffen Lösch

Die bereits bei Jugend-EM und Junioren – WM mit großer internationaler Erfahrung antretenden Mädels zeigten sich auch im harten nordskandinavischem Geläuf ihren Konkurrentinnen ebenbürtig und kämpften Tag um Tag um das machbare Optimum.
Hanna gelang mit ihrem 5.Platz der Gesamtwertung wohl eines der besten Eliteergebnisse, die je ein deutscher Elitestarter bei O-Ringen erreichen konnte und auch Susens Platz 10 unterstreicht ihre hohe Wertigkeit für den künftigen Damenbereich Deutschlands – denn vor ihr war auf Platz 3 mit der nicht unbekannten Schweizerin Marion Aebi nur eine einzige Nichtschwedin. Und erst, z.T. deutlich abgeschlagen, folgten dann weitere Schweizer Mädels sowie diverse aus bekannt starken OL-Nationen wie Finnland, Norwegen, Weißrussland und auch Österreich. Dass natürlich die Jenenserin – typisch für sie – gleich nach dem Zieleinlauf erste Fehleranalysen durchführte und erst dann sich doch noch zu freuen begann, sei abschließend und nur am Rande erwähnt. Sebastian beendete den O-Ringen auf dem 97. Rang.

Wettkampfzentrum beim Mehrtage-OL
Wettkampfzentrum beim Mehrtage-OL  Foto: Bernd Wollenberg

Wenige wagten in den vergangenen Jahren einen Start in der Elite – hinzu kommt, dass die Veranstalter konsequent einer Elitemeldung in den Kategorien 18, 20 und 21 nur zustimmen, wenn deren nationale Kompetenz in den nationalen Ranglisten, Meisterschaften und Bestenkämpfen bzw. internationale Platzierungen sie überzeugen. So waren in der H21E nur 80 Startplätze zugelassen, 40 anhand der Weltrangliste und 40 anhand der schwedischen Rangliste vergeben. „Wildcards“ hatten alle WM-A-Finalisten, so dass da ein potenziell hochwertiges Feld am Start war. Ähnlich in der sehr stark frequentierten H 18: 130 durften starten, 175 hatten sich beworben.

Die Mutigeren unserer knapp 90 gemeldeten deutschen Orientierungsläufern wagten sich auf die in den Kategorien jeweils längste Bahn, in den Leistungskategorien mit einem „L“ gekennzeichnet und stellten dann doch recht schnell fest, dass das ohne weiteres in Deutschland als Eliteniveau bezeichnet werden kann. Dass natürlich so mancher der Illusion erliegt, in einer vorgeblich leichteren Konkurrenz (Motion, B- oder auch K-Kategorien) sich einen vorderen Platz zu erlaufen, ist nicht selten ein Trugschluss. So war es auch 2013, wobei der Sieg des 15-jährigen Arne Böhmer (Robotron Dresden) in der H 16 K (19 Starter) und Platz 2 des 16-jährigen Florian Pasda (USV Jena) in der H 18 (52 Starter) genau so ausgezeichnete Resultate für Deutschland darstellen wie Platz 12 von Wenke Heinemann (D 10 / 145 Starterinnen) und Platz 19 von Marit Heinemann (D 11 / 104 Starterinnen), beide von Robotron Dresden.

Kinder-OL beim O-Ringen
Kinder-OL beim O-Ringen  Foto: Bernd Wollenberg

Den langen Reiseweg hinauf an den Polarkreis hatten weniger Läufer als in den vergangenen Jahren angetreten. Diese erfreuten sich jedoch an interessanten Bahnen, der permanenten Helligkeit und am Ausflugstag diverser Ausflugshöhepunkte wie dem berühmten Wasserfall „Storforsen“ oder eben den Polarkreisstationen z.B. bei Jokkmokk. 2014 werden in Skane dagegen wohl 20 000 oder mehr zusammenkommen – und die ersten Anmelder, auch aus Deutschland, sind schon registriert.

Was ist die Ursache dieses Phänomens, das 2014 seinen 50. Geburtstag in der südschwedischen Region Skane feiern wird? Während es für Nichtskandinavier simpel das Genießen von OL pur in den schier unendlichen Wäldern und den damit verbundenen O-technischen Herausforderungen ist, eint dann sicherlich alle das Gemeinschaftsgefühl, unter mehreren Tausend Gleichgesinnten und teilweise fast familiären Bedingungen OL im wahrsten Sinne des Wortes zu leben. Sicherlich: Während die allermeisten einzig und allein um ein mehr oder weniger fehlerfreies Durchkommen sich bemühen, gibt es doch auch etliche, die zudem der Ehrgeiz packt und die sich der großen internationalen Konkurrenz stellen. Das kann, wer will, in eigentlich allen der fast 90 Kategorien angehen.


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Autor: Bernd Wollenberg
Eingestellt am 04.08.2013

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