Orientierungslauf in Deutschland


Nationenranking statt Qualiläufe bei der WM: Was hat es damit auf sich?

In der Berichterstattung vor, während und nach der WM war immer wieder die Rede von einem Nationenranking und dass Deutschland dort Platz 22 erreichen müsse, um in die „Division 2“ zu kommen, weil das ein Anrecht auf mehr als einen Starter bei der nächsten WM bedeutet. Hier sollen die Hintergründe zu dieser bei vielen Nationen umstrittenen Neuregelung beleuchtet werden.

Die Bundestrainer mussten bei der WM 2013 die Starts genau planen.
Die Bundestrainer mussten bei der WM 2013 die Starts genau planen.  Foto: Fred Härtelt

Die IOF überlegt seit vielen Jahren, wie das WM Programm noch attraktiver, spannender und vermarktungsfähiger gestaltet werden kann. Ein Gedanke ist, die Anzahl der zu vergebenden Medaillen zu erhöhen, z.B. durch Einführung einer Sprintstaffel. Da aber insgesamt das WM-Programm nicht verlängert werden soll, kam man auf die Idee, die Qualifikationsrennen für die Mittel- und die Langdistanz einzusparen. Stattdessen soll nun über einen komplizierten Berechnungsschlüssel bestimmt werden, welche Nation künftig wie viele Starter ins Rennen schicken darf. Nach einer Punktwertung wird es 3 Divisionen geben, die 3, 2 oder 1 Starter in den Disziplinen Mittel und Lang stellen dürfen.

Punkte gesammelt werden in der Staffel (bis Platz 30) und auf der Lang und der Mittel. Der Sprint ist von der Regelung ausgenommen. Dort wird es auch in Zukunft eine Qualifikation geben. Die Qualifikationen für die Divisionen erfolgen getrennt für Damen und Herren. Es werden immer die erzielten Punkte von den beiden letzten WMs berücksichtigt.

2014 können jeweils mehrere deutsche Läufer im Wald per GPS verfolgt werden.
2014 können jeweils mehrere deutsche Läufer im Wald per GPS verfolgt werden.  Foto: Fred Härtelt

Bei allen verständlichen Argumenten für diese Entscheidung, gab es auch eine ganze Menge Gegenwind, gerade aus den kleineren OL-Nationen, die sich durch diese Entscheidung verständlicherweise benachteiligt sahen. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Neuseeland hat gerade in den letzten Jahren bemerkenswerte Erfolge erzielt: Bei den Herren konnte Matt Ogden Junioren-WM-Gold 2012 holen, bei den Damen konnte Lizzie Ingham dieses Jahr Dritte in einem Weltcup-Rennen werden. Aufgrund der Neuregelung werden die Neuseeländer aber 2014 nur noch je einen Startplatz für Damen und Herren in den Walddisziplinen vergeben können. Dass dies der weiteren Entwicklung des OLs im Lande nicht zuträglich ist, ist offensichtlich. Aus Sicht vieler kleiner und mittlerer OL-Nationen bleibt zu hoffen, dass diese Neuregelung möglichst bald wieder zurückgenommen wird.

Und auch Deutschland ist nur denkbar knapp an einem solchen Worst-Case-Scenario vorbeigeschrammt. Sowohl die Damen als auch die Herren erreichten als 22. bzw. 21. die „Division 2“ und dürfen daher jeweils 2 Starter auf die Lang- und die Mitteldistanz bei der WM in Italien schicken. Doch die Plätze 21 und 22 bedeuten auch den direkten Abstieg in die „Division 3“, wenn Deutschland sich in Italien im Ranking nicht verbessern kann. Dann würden aus der „Division 3“ zwei Nationen an uns vorbei aufsteigen – selbst wenn sie schwächer als Deutschland sind.

Der eine oder andere mag sich vielleicht fragen, ob denn dass für Deutschland wirklich so ein Problem darstellt: Mehr als einen Finalisten sahen wir ohnehin selten. Das stimmt einerseits. Andererseits sprechen wir aber bislang von einem Finale mit 45 Startern, nach der Neuregelung kann das aber schnell auf über 70 Starter anwachsen.

Eine mögliche Alternative, die inzwischen vermutlich sogar von der Mehrheit der Verbände unterstützt wird, ist die Unterteilung der WM in eine Wald- und eine Sprint-WM, die im Wechsel stattfinden. Damit entfiele die Notwendigkeit auf Qualiläufe im WM-Programm zu verzichten. Darüber hinaus hätten auch die schwächeren Nationen die Möglichkeit sich besser auf die (dann nur noch alle 2 Jahre stattfindende) Wald-WM vorzubereiten. Und auch die Last für die Ausrichter wäre geringer. Bereits im letzten Jahr gab es diesbezüglich einen Antrag an die IOF, der wohl nur aufgrund eines ausgeklügelten Abstimmungssystems von den Delegierten abgelehnt wurde. Momentan wird diskutiert, den Antrag erneut einzubringen und diesmal „vernünftig“ über ihn abzustimmen.


Mehr:
Startplatzverteilung WM 2014
Modell Qualifikation WM ab 2014

Autor: Trainerrat
Eingestellt am 21.07.2013

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