Orientierungslauf in Deutschland


WM-Staffeltitel gehen nach Russland

Russland hat sich bei den Weltmeisterschaften im Ski-Orientierungslauf den Titel in der Staffel sowohl bei den Damen als auch bei den Herren geholt. Bei den Entscheidungen am Sonnabend in Ridder im Osten Kasachstans hatten die Russen anders als noch zwei Tage zuvor bei der Mixedstaffel keinen Fehlgriff in die Wachskiste getan und präsentierten sich auf den Punkt fit. Silber ging jeweils an Schweden, Bronze beide Male an Finnland. Das deutsche Team musste indes eine bittere Enttäuschung hinnehmen.

Anastasia Kravchenko, Yuliya Tarasenko und Tatiana Kozlova (v.re.) holen ungefährdet den Staffelsieg für Russland bei den Damen.
Anastasia Kravchenko, Yuliya Tarasenko und Tatiana Kozlova (v.re.) holen ungefährdet den Staffelsieg für Russland bei den Damen.  Foto: Eike Bruns

Bei den Damen gab es eine klare Entscheidung. Die Russinnen hatten schon von Anfang an die Führung übernommen, die sie bis zum Ende nicht mehr hergaben. Anastasia Kravchenko, Yuliya Tarasenko und Tatiana Kozlova hatten im Ziel schließlich knapp zweieinhalb Minuten Vorsprung auf die Schwedinnen, die sich mit Magdalena Olsson, Josefine Engström und Tove Alexandersson wie erwartet Silber holten. Und auch drei Minuten dahinter gab es keine Überraschung. Leppasalmi Milka, Marjut Turunen und Mervi Pesu sicherten für Finnland Bronze. Hätte jemand auf den Ausgang des Rennens gewettet, er hätte sich mit beängstigend niedrigen Quoten zufrieden geben müssen. Denn wie von den meisten vorhergesagt belegten die restlichen Podiumsplätze Norwegen auf Rang vier, die Schweiz auf Platz fünf und die Tschechinnen als Sechste.

Da ist die Welt noch halbewegs in Ordnung: Sebastian Bergmann (li.) wechselt in Sichtweite auf Platz zehn auf Bernd Kohlschmidt.
Da ist die Welt noch halbewegs in Ordnung: Sebastian Bergmann (li.) wechselt in Sichtweite auf Platz zehn auf Bernd Kohlschmidt.  Foto: Eike Bruns

Deutlich spannender, wenn am Ende auch mit dem erwarteten Ausgang, verlief das Rennen der Herren. Häufige Führungswechsel verhinderten eine frühe Entscheidung. Als die zweiten Läufer auf halber Strecke waren, setzte sich Norwegen dank einer geschickten Routenwahl deutlich nach vorne ab. Doch die mögliche Vorentscheidung wurde nur kurze Zeit später durch einen Skibruch zunichte gemacht. Hans Jørgen Kvåle kämpfte tapfer bis zum Resverematerialposten. Doch es war nicht der letzte Skibruch für die Norweger, denn auch Lars Hol Moholdt musste sich auf der dritten Strecke mit einem gebrochenen Ski bis zum Reservematerialposten kämpfen, so dass das Team äußerst unglücklich auf Rang vier landete. Vorne wurde es indes richtig spannend, denn die drei führenden Teams wechselten innerhalb von sechs Sekunden mit leichten Vorteilen für Russland. Andrei Lamov ließ sich diesen, wenn auch knappen Vorsprung, nicht nehmen und baute ihn bis ins Ziel auf 25 Sekunden aus. Dahinter gaben Peter Arnesson für Schweden und Staffan Tunis für Finnland, die zeitgleich auf die Strecke gingen, alles. Bis ins Ziel schenkten sie sich keine Sekunde, so dass es zum Fotofinish auf der Ziellinie kam - mit dem glücklicheren Ende für die Schweden. Exakt wie bei den Damen reihten sich hinter den Norwegern die Schweiz auf Rang fünf und Tschechien auf Platz sechs ein.

Große Freude über Gold: Andrey Grigoriev, Kiril Veselov, Andrei Lamov (v.re.) bejubeln ihren Sieg in der Herrenstaffel.
Große Freude über Gold: Andrey Grigoriev, Kiril Veselov, Andrei Lamov (v.re.) bejubeln ihren Sieg in der Herrenstaffel.  Foto: Eike Bruns

Für das deutsche Team gab es indes kein glückliches Ende. Anstatt das erste Mal seit 1994 unter den ersten Zehn bei einer WM-Staffel zu landen, wurde das Trio sogar Letzter. Sebastian Bergmann (SV TU Ilmenau) zeigte noch eine relativ gute Vorstellung auf der Startstrecke. Doch Bernd Kohlschmidt (SV Robotron Dresden), der gut eine halbe Minute durch einen verlorenen SI-Chip einbüßte, und Eike Bruns (MTK Bad Harzburg) lieferten die beiden langsamsten Zeiten des Tages ab. Dazu kam, dass die Japaner und die US-Amerikaner, die von der Papierform her deutlich schwächer einzuschätzen waren, für ihre Verhältnisse makellose Rennen abspulten und nicht vom deutschen Team gefährdet werden konnten. So gab es erstmals für ein deutsches Team eine letzten Platz bei einer Ski-OL-WM.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Beteiligung mit acht Damenteams und zwölf Herrenstaffeln erschreckend gering war. Tauchen traditionsreiche Nationen wie Frankreich schon länger nicht mehr bei WM-Staffeln auf, fehlten diese Mal auch Länder wie Österreich, Italien und Bulgarien oder "Ski-OL-Exoten" wie zum Beispiel in den vergangenen Jahren Großbritannien oder Irland. Ein Grund dürfte die weite und nicht gerade günstige Anreise nach Kasachstan sein. In zwei Jahren in Norwegen könnte das schon wieder anders aussehen.

Die Organisatoren haben dieses Mal einen guten Job abgeliefert. Gerade das Kartenzeichner-, Bahnleger- und Spurfahrerteam verdiente sich jede Menge Lob. Am Abend nach der Mixedstaffel wandelte sich der Dauerregen in Schnee, der bis zum nächsten Morgen fiel. Danach kam die Sonne heraus und heischte Winterwunderwetter vor. Doch für die Organisatoren war die Lage eine ganz andere. Das viele Wasser aus den beiden Tagen Dauerregen hatte Loipen unterspült und Eisseen produziert. Insgesamt 14 neue Bäche zogen sich durch das Wettkampfgebiet, Brücken waren weggespült. Das große Spurgerät brach in ein zweieinhalb Meter tiefes Loch ein. Vier Stunden brauchten die Helfer, um es wieder fahrtüchtig zu machen. So mussten binnen eines Nachmittags und einer Nacht komplett neue Brücken gebaut, neue Loipen gelegt, neue Karten gezeichnet und schließlich neue Bahnen gelegt werden. Pünktlich am Sonnabendmorgen vor dem ersten Start war alles fertig.

Für Sonntag sagen die Meteorologen wieder Schneefall bei Temperaturen von bis zu acht Grad minus voraus. Damit dürfte die abschließende Langstrecke gerade physisch anspruchsvoll werden. Der Wettkampf wird als Massenstartrennen ausgetragen. Aufgrund der Wettersituation sind die Organisatoren auch für dieses Rennen gezwungen, die Bahnen zu überarbeiten. Spätestens am Sonntag um 7 Uhr Ortszeit (2 Uhr MEZ) sollen die endgültigen Bahndaten vorliegen. Geplant ist weiterhin, dass die Damen zwei und die Herren drei Kartenwechsel im Stadion haben. Start ist um 10 Uhr Ortszeit für die Damen und 11.30 Uhr Ortszeit für die Herren. Auch für die Langdistanz gibt es wieder ein GPS-Tracking mit ausgewählten Läufern. Das schon eingestelte GPS-Tracking von der Staffel (auch mit dem deutschen Team) soll am Sonntag nach der Langstrecke mit Karte einsehbar sein.

Ergebnisse


WM Staffel

Damen 3 mal 5,3 km; 14-15 Posten

1 Russland (Anastasia Kravchenko, Yuliya Tarasenko, Tatiana Kozlova) 1:33:08
2 Schweden (Magdalena Olsson, Josefine Engström, Tove Alexandersson) 1:35:36
3 Finnland (Leppasalmi Milka, Marjut Turunen, Mervi Pesu) 1:38:25
4 Norwegen (Christina Hellberg, Anna Ulvensen, Audhild Bakken Rognstad) 1:43:39
5 Schweiz (Ladina Lechner, Veronique Ruppenthal, Carmen Strub) 1:44:34
6 Tschechien (Helena Randakova, Simona Karochov, Hana Hanchikova) 1:47:44


Herren 3 mal 6,6 km; 16-17 Posten

1 Russland (Andrey Grigoriev, Kiril Veselov, Andrei Lamov) 1:26:29
2 Schweden (Johan Granath, Martin Hammarberg, Peter Arnesson) 1:26:54
3 Finnland (Ville-Petteri Saarela, Hannu-Pekka Pukema, Staffan Tunis) 1:26:55
4 Norwegen (Ove Sätra, Hans Jørgen Kvåle, Lars Hol Moholdt) 1:30:05
5 Schweiz (Andrin Kappenberger, Gion Schnyder, Christian Spoerry) 1:32:40
6 Tschechien (Radek Laciga, Michal Drobnik, Jakub Skoda) 1:35:30
...
12 Deutschland (Sebastian Bergmann, Bernd Kohlschmidt, Eike Bruns) 2:01:43


Mehr:
Homepage der Ski-OL-WM 2013

Autor: Eike Bruns  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 09.03.2013

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