Orientierungslauf in Deutschland


Trail-O EM in Schloß Holte-Stuckenbrock

In 5 Wochen ist es soweit. Die Europameisterschaften im Trail-O gastieren vom 23.8. bis 25.8.2002 zum zweiten Mal in Deutschland und Organisationschef Peter Gehrmann steckt in den letzten Zügen der Vorbereitung. Die Meldefrist wurde bis zum 10.8.2002 verlängert und es stehen nun auch Übernachtungsmöglichkeiten auf "hard floor" zur Verfügung. Also schnell noch anmelden! Wie jeder einen Trail-O erfolgreich bestreiten kann, beschreibt Peter Gehrmann in seinem Artikel "Trail-O gewinnen"

Wie gewinne ich einen Trail- O ?
Das Vorurteil, der Trail- O sei ein reiner Sport für Körperbehinderte, sollte endgültig aus der Welt sein, seitdem die IOF in diesem Jahr die EM im Trail- O nicht nur für Körperbehinderte sondern auch als einen Meisterschaftswettbewerb „ offen für jedermann“ ausgeschrieben hat.
Das bedeutet: Auch du kannst Europameister/ in im Trail- Orientierungssport werden.

Die ersten Gedankengänge des ambitionierten Orientierers, der weiß, dass beim Trail- O die physische Komponente nur eine untergeordnete Rolle spielt, mögen einfach sein: „ Klar, da habe ich eine Chance; orientierungstechnisch bin ich doch schließlich Spitze !“
So ganz abwegig sind diese Spontangedanken nicht. Man kann als guter Orientierungstechniker auf Anhieb beim Trail- O vorn mitmischen,.... aber nur dann, wenn man sich in den Besonderheiten des Trail- O voll auskennt. Ansonsten fällt selbst der beste Fuß- Orientierer beim Trail-O glatt auf die Nase.
Ich möchte daher hier –kurz gerafft- einige Eigenarten angeben, durch die sich die Orientierungstechnik des Trail- O vom Fuß- OL unterscheidet.

Die Gedanken des Bahnlegers
Zum besseren Verständnis sei zunächst die Philosophie des Bahnlegers im Trail- O vorangesetzt:
So wie die Bahnlegung im Fuß- OL gewissen Regeln unterworfen ist ( z.B. eindeutige Postenstandorte, Routenwahl, kein Gegenlauf, keine Bingo-Posten...!) hat auch der Trail- O seine besonderen Gesetzte. Das gilt allerdings kaum für den Anfängerbereich, denn hier ähneln sich die Zielrichtungen dem Anfänger muss die Chance gegeben werden, sein sportliches Ziel durch eigene Orientierungstechnik und nicht durch Zufall oder konfuses Herumsuchen zu erreichen.
Bei der Bahnlegung für die Eliteklasse im Trail-O zielt man primär darauf, die Orientierungstechnik möglichst schwierig zu machen ohne, dass die richtige Postenauswahl dem Zufall unterliegt. Der Hinweis auf den richtig gesetzten Posten muss durch kleine Orientierungsmerkmale gegeben werden,
Es muss also immer ein „Schlüssel“ zum richtigen Postenstandort in jedem Postenpool eines Trail- O gegeben werden. Je schwieriger erkennbar, je raffinierter der Bahnleger diesen Schlüssel versteckt hat, desto hochkarätiger ist der Wettkampf.

Unterschiede zum Fuß- O
So wie auch beim Fuß- OL liegt der Schlüssel für die sichere Bestimmung eines Postens beim Trail-O in der Anordnung von Höhenlinien, in der Lagerichtigkeit zu Leitobjekten oder der Positionierung in bestimmten Geländeformen ( Hügel, Mulde, Senke ). Beim Trail- O spielt allerdings dabei die Postenbeschreibung eine ungleich wichtigere Rolle als beim Fuß- Orientierungslauf.
Hier einige Unterschiede in der Postensetzung zwischen dem Fuß- O und dem Trail- O:

Linienposten:
Im Fuß- O muss ein Posten, der auf einer Linie liegt, immer an einem bestimmten Punkt derselben liegen. Den „Grabenposten“ im Fuß- OL kennen wir nur als Graben-Ende, Graben-Gabel, Graben- Knick usw, was auch in der Postenbeschreibung so ausgedrückt sein muss. Beim „Grabenposten“ im Trail- O ist allein die Postenbeschreibung „ Graben“ ausreichend. Wo, also an welcher Stelle des Grabens der Posten platziert ist, muss der Trail- Orientierer durch andere Anhaltspunkte herausbekommen, wie beispielsweise die Lage von Objekten in der Nähe das Grabens, durch Leitlinien, durch Richtungsbestimmung per Kompass oder über andere Orientierungshilfen aus dem Gelände.

Posten im bestimmten Objektbereich
Beim Fuß- OL kommt es eigentlich recht selten vor, dass ein Posten beim fest umrissenen Geländeobjekt, wie beispielsweise einem Hügel, in einem Flächenbereich angegeben ist. Da heißt es im Fuß- OL meistens „ Hügel, Fuß“ oder „Hügel, oben“. Beim Trail- O wird die Postenposition manchmal für einen bestimmten Bereich des Hügels angegeben, z.B. Hügel, westlicher Bereich. Also muss man bei der Beurteilung der Standorte sehr genau darauf achten, welcher Posten beispielsweise am Westfuß eines Hügels oder im westlichen Bereich desselben steht. Man tut gut daran, die kartierten Umrisse eines Objektes stets genau ins Auge zu fassen und praktisch in die besichtigte Geländesituation zu übertragen.

Viele Nasen trüben den richtigen Riecher
Sehr beliebt ist es im hochkarätigen Trail- O, den Wettkämpfer dadurch „ins Schleudern zu bringen“, indem man ihm verschiedene Posten mit der gleich scheinenden Postenbeschreibung im unmittelbaren Postenraum anbietet. Da heißt ein Posten beispielsweise „Westliche Nase, oben“. Dem verdutzten Wettkämpfer bieten sich dann manchmal eine ganze Menge Nasen im Postenraum, an oder auf denen überall Postenschirme hängen. Jetzt heißt es Ruhe bewahren, genau die Postenbeschreibung lesen, dann die richtige Nase finden und prüfen, ob der Posten ganz bestimmt auch oben auf der richtigen Nase hängt.
Meistens empfiehlt es sich in einer solchen Situation, vor der Entscheidung mehrfach den Standort zu wechseln, um ein zweifelsfreies Bestimmen der richtigen Nase nicht allein dem richtigen Riecher zu überlassen.

Der Blick übers weite Land
Es ist nicht mehr so wie zu den Anfängen des Trail- O, wo die Postenpools maximal 40 Meter vom Weg hängen mussten. Heute geht der beurteilende Blick des Wettkämpfer oft weit durch den Wald oder übers freie Feld zu fernen, fast am Horizont, aufgestellten Potenpools. Es wird bei den Bahnlegern im Trail –O mehr und mehr verpönt, die Richtung zum korrekt gesetzten Posten allein durch Kompasseinsatz zu bestimmen. Schließlich haben bei den Behinderten einige ihre Probleme, einen Kompass sachgerecht zu halten und zu bedienen. Also bietet ein guter Bahnleger zum Bestimmen eines Postens neben dem Kompasseinsatz auch andere Hilfsmittel, wie Leitlinien und Sichtlinien über Objekte , an. Was dir aber gerade bei diesen Richtungsposten sehr wichtig sei, ist die superexakte Festlegung der im Gelände aufgestellten und nicht in die Karte eingezeichneten Postentafel, von der aus die Entscheidung vorgenommen wird. Wenn man erst einmal supergenau weiß, wo man steht, dann ist das Erkennen des richtigen Postens aus dem „Postenpool am Horizont“ meistens nicht mehr so schwierig. Oft helfen auch Leitlinien oder der Blick über bestimmte in die Karte eingezeichnete Objekte bei der genauen Festlegung des Entscheidungsstandortes. Bei der letzten EM in Finnland hat man als „Schlüssel“ für eine solche Situation einmal eigens einen kleinen Pfad ins hohe Gras getreten und kartiert und so „künstlich „ eine Leitlinie für den Wettkämpfer geschaffen, der Probleme mit der Kompassführung hat.

Posten in / an Flächenobjekten
Im Trail- O muss man bei der Beurteilung von Flächenobjekten ( z. B. Lichtung, große Senke) sehr genau darauf achten, wo der Posten in der Postenbeschreibung als positioniert angegeben ist,. (z.B. Lichtung, Nordostrand ) Fehlt diese exakte Positionierung in der Postenbeschreibung, dann ist damit gemeint, dass der Posten mittig im Objekt platziert ist.
Heißt der Postenstandort also „Große Senke“, und mehr ist dazu in der Postenbeschreibung nicht angegeben, dann bedeutet das: Der Posten muss im Zentralpunkt, also in der Mitte der großen Senke liegen. Wenn nun der Trail- Orientierer zu diesem Postenstandort „ Große Senke“ kommt, und alle Postenschirme stehe in den Randbereichen der Senke (... und keiner mittendrin...) so kann die richtige Entscheidung hier nur heißen:“ alles falsch, also Markierung auf Feld „0“ der Kontrollkarte.

Am falschen Objekt richtig platziert.
Sehr beliebt ist es im Trail- O auch, den Orientierer durch die Positionierung alles Schirme eines Postenpools an falschen Objekt zu irritieren. Liegen also beispielsweise zwei Lichtungen nebeneinander, so kann es durchaus vorkommen, dass der richtige Postenkreis auf der Karte in die eine Lichtung eingezeichnet ist, während sich in Natura alle Postenschirme auf der anderen Lichtung befinden. Der entscheidende Posten ist dabei lagerichtig auf die Lichtung gesetzt( z.B. Südwestrand)... nur es ist die falsche Lichtung.
„Alles falsch“, erkennt der routinierte Trail- Orientierer hier und markiert diesen Postenstandort auf seiner Kontrollkarte im Feld „0“.

Sieg und Platz durch die Zeitkontrolle
Die Zeitkontrolle im Trail-O entscheidet bei gleicher Fehlerzahl über Sieg und Platz der Konkurrenten. Ihr organisatorischer Ablauf hat sich in der noch jungen Entwicklung des Trail-O bereits mehrfach gewandelt. Missverständnisse zwischen Wettkämpfer und Kampfrichter durch Hör- oder Zeigefehler sollen auf ein Minimum reduziert werden.
Der Wettkämpfer wird an einer Stelle der Bahn, die meistens am Bahnanfang-oder – Ende liegt, von einem Kampfrichter angehalten. Der Kampfrichter nimmt dem Wettkämpfer dann seine OL- Karte ab und führt ihn zu einem bestimmten Punkt im Gelände. Hier zeigt er ihm drei bis fünf im Gelände platzierte Postenschirme und vergewissert sich durch Rückfrage beim Wettkämpfer, dass dieser sie alle erkannt hat. Sobald der Wettkämpfer das Erkennen der Postenschirme bestätigt hat, bekommt er eine Tafel vorgelegt, auf der sich einmal der Kartenausschnitt der vor ihm liegenden Geländesituation mit dem eingezeichneten richtigen Kontrollposten und zum anderen eine Anzeigemöglichkeit ( A-E und 0 ) für die Entscheidung des Wettkämpfers befindet.
Sobald der Wettkämpfer die Tafel mit dem Kartenausschnitt lagerichtig vorgelegt bekommen hat, läuft die Stoppuhr des Kampfrichters, die dieser zu dem Zeitpunkt anhält, an dem der Wettkämpfer seine Entscheidung gefällt hat. Die Entscheidung wird nicht (mehr) verbal vorgetragen, sondern durch manuelles Anzeigen auf dem betreffenden Feld der Tafel bekannt gegeben.

Frust- oder Erfolgserlebnis; es liegt an dir.
Es ist auch beim Trail- O so wie bei den ersten Anfängen im fuß- OL: Wenn du da ohne jegliche Vorinformation einfach in den Wald stürmst, dann ist das Frusterlebnis meistens vorprogrammiert. Beim Trail- O reichen manchmal reichen nur wenige Informationen und dazu ein kühler Kopf, um den einstieg zu einem Erfolgserlebnis werden zu lassen.... allerdings nur dann, wenn du wirklich ein guter O- Techniker bist.
Möge es bei dir so sein !

Peter Gehrmann


Mehr:
Auschreibung (englisch)
Alles über Trail-O
Kartenbeispiel (Finnland 2001)

Autor: Tobias Wolf
Eingestellt am 21.07.2002

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