Orientierungslauf in Deutschland


Nahaufnahme Sören Lösch

Zum Ende einer starken nationalen Saison holte Sören Lösch seinen ersten Einzeltitel in der Elite. Zwei weitere Bronzemedaillen und die Siege über die Ultralangdistanz und beim Internationalen Mehrtagelauf im Gelände der Greifensteine beweisen ein richtig gutes Jahr. Einzig international gelang es dem Jenaer Orientierungsläufer 2012 nicht, ein Ausrufezeichen für Deutschland zu setzen. In einem Interview wird das Jahr noch einmal analysiert und auf die Ziele in der nächsten Saison geschaut.

Sören Lösch bei der WM
Sören Lösch bei der WM  Foto: Fred Härtelt

Hallo Sören. Gleich kurz und knapp die wichtigste Frage: Bist du mit diesem Jahr zufrieden?
Das kann ich kurz mit Ja beantworten, auch wenn es Höhen und Tiefen gab.

Du hast bei dieser WM, ähnlich wie im letzten Jahr, kein Finale erreicht. Wie sehr stört es dich, dass du die Qualifikation nicht geschafft hast?
Ich ärgere mich am meisten über mich selbst. Ich war an dem Tag der Mitteldistanz-Qualifikation auch sehr unzufrieden mit mir. Nächstes Jahr möchte ich dann endlich das Finale erreichen.

Was sind deiner Meinung nach die Ursachen für das Scheitern in der Qualifikation?
Bei der Langdistanz-Qualifikation fehlte einfach die Geschwindigkeit – da muss ich für die kommende Saison meine Form verbessern. Am Tag der Mitteldistanz-Qualifikation hatte ich im Wald so eine Art „Blackout“ und verlief mich total.

In diesem Jahr warst du offiziell nicht im Kader, da du Qualifikationszeiten nicht gelaufen bist. Ist es dein Ziel diese im nächsten Jahr zu erreichen und hältst du diese für sinnvoll?
Ich bin als Abschluss der Saison 2012 einen 10.000m-Bahnwettkampf mitgelaufen. Dabei habe ich eine 33:51,24min erreicht und die B-Kader-Normzeit unterboten.
Ich finde die Zeit wichtig als Trainingsanreiz. Sie sollte aber im Orientierungslauf nicht als das Non-Plus-Ultra angesehen werden, weil wir uns häufig im schwerer belaufbaren Wald mit Karte und Kompass bewegen, was für den Körper eine andere Belastung ist, als das Bahn- bzw. Straßenlaufen.

Du hast eine Weile in Finnland studiert. Ist die WM im nächsten Jahr ein Ziel von dir?
Genau genommen habe ich ein Semester in Finnland studiert und ich möchte gern an einer finnischen Universität eine Doktorandenstelle wahrnehmen. Wenn alles klappt, kann ich mich direkt vor Ort auf diese WM vorbereiten.

Foto vor der WM
Foto vor der WM  Foto: Fred Härtelt

Hast du auch schon weitere Ziele für die kommende Saison?
Da ich die kommende Saison wegen des noch laufenden Bewerbungsverfahrens noch nicht planen kann, stehen noch keine weiteren Ziele fest. Trotzdem soll es im Februar wieder in ein Trainingslager nach Portugal gehen um dort die O-Techniken zu festigen und weiter zu verbessern. Darüber hinaus bietet sich das POM an, seinen aktuellen Leistungsstand gegenüber der Weltelite zu messen.

Was sind aus deiner Sicht deine größten Erfolge in diesem Jahr?
Ganz klar die Goldmedaille bei der DM über die Langdistanz und der 11. Platz über die Langdistanz bei der Studenten-WM

Große Siege werden oft nur durch eine Lernphase und Niederlagen erreicht. Was waren deine größten Niederlagen 2012?
Die WM, bei der ich mein Leistungsvermögen nicht abrufen konnte.

Du startest auch für einen finnischen Verein. Bist du der Meinung, dass du dich dort weiterentwickeln kannst?
Ich bin für meinen finnischen Verein auch dieses Jahr wieder bei der 10Mila gestartet – diesmal auf der langen Nachtstrecke. Die Trainingsmöglichkeiten und auch die Gelände sind in Finnland sehr gut. Dadurch lernt man bei jedem Kartenkontakt etwas dazu. Darüber hinaus bin ich immer wieder gerne dort, weil ich mich mit den Läufern gut verstehe.

Wie oft nutzt du die Möglichkeit in Skandinavien zu starten?
Ich versuche so oft wie möglich in den nördlichen Ländern zu starten, aber leider gelingt es mir zu selten. Dies liegt vor allem daran, dass man nur ein begrenztes Zeitkontingent und auch zu wenige finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Hinzu kommt dann noch der Reiseaufwand, der den Körper zusätzlich stresst.

Aktuell hast du als Student zumindest auf dem Papier keine schlechten Voraussetzungen. Wo stehst du aktuell im Studium und wie sieht deine weitere Planung in Verbindung mit dem Orientierungslauf aus?
Ich habe gerade meine Diplomarbeit abgegeben und kurz vor Weihnachten findet dann noch die Verteidigung statt. Dann habe ich mein Studium abgeschlossen und darf mich Dipl. Physiker nennen. Im kommenden Frühjahr soll es dann nach Finnland gehen.

Wie lange möchtest du Orientierungslauf auf hohem Niveau betreiben?
So lange wie möglich. 2013 steht zur Zeit noch fest im Plan. Wie es danach weiter geht, liegt vor allem auch daran, wie ich mich beruflich orientieren kann.

Kannst du dir einen Status als OL-Profi vorstellen?
Schwierige Frage, denn mit dieser Fragstellung kommt man als deutscher Athlet nur selten in Berührung. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich neben dem Sport noch eine geistige Tätigkeit habe, deren Zeiteinteilung flexibel ist, so wie während der Diplomphase. Sich den gesamten Tag mit Orientierungslauf zu beschäftigen, würde mir sicher zu Anfang Spaß bereiten, doch nach einigen Wochen brauche ich auch wieder Ablenkung.

Was wäre, wenn du finanziell für den Orientierungslauf unbegrenzte Mittel hättest? Wie würde dann dein Alltag aussehen?
Ich würde mir einen Trainer auf Vollzeit leisten. Außerdem würde ich versuchen, möglichst viele Trainingslager zu erleben, um mich beim Umgang mit Karte und Kompass zu steigern und auch in der physischen Komponente besser zu werden. Um mich vom Orientierungslauftrainingsalltag abzulenken, bräuchte ich eine geistig anspruchsvolle Tätigkeit mit geringen und flexiblen Arbeitszeiten, die mir darüber hinaus hilft, meinen Tagesablauf zu planen.

Wer waren bzw. sind aktuell deine größten Unterstützer?
Von der finanziellen Seite her: der USV Jena, die Stadt Jena und natürlich meine Eltern. Aus sportlicher Sicht ist hier Andreas Lückmann und die Läufergruppe aus Chemnitz (LAC Erdgas Chemnitz und SG Adelsberg) zu nennen.

Hast du Vorbilder im OL?
Olav Lundanes (NOR)

Als Nationalläufer betreibst du den Orientierungssport sehr intensiv. Was reizt dich am Orientierungslauf und warum betreibst du diese Sportart?
Die gleichzeitige Anforderung an Körper und Geist und das man selbst Entscheidungen blitzschnell treffen muss.

Startest du auch mal auf Skiern, beim MTBO oder TrailO?
Außer dem klassischen Orientierungslauf habe ich bisher nur SkiO ausprobiert. Zu den anderen O-Aktivitäten hat bisher meine Zeit und Motivation nicht ausgereicht. Sowohl meine Armkraft als auch meine Technik sind aber für längere SkiO-Strecken ungeeignet. Aber ich fasse schon einen Start bei der DM-Ski ins Auge, da diese im kommenden Winter mal wieder in der Nähe (Erzgebirge) stattfindet.

Wo würdest du den OL bzw. den gesamten Orientierungssport in Zukunft gern sehen?
Ich wünsche mir, dass der Orientierungslauf in Deutschland bekannter wird, in dem wir es endlich schaffen ihn in den Schulsport zu integrieren. Überall muss man immer wieder erklären, was ist Orientierungslauf überhaupt und das es nichts mit Geo-Caching und Pfadfinder zu tun hat.

Vielen Dank für das umfassende Interview und weiterhin viel Erfolg.


Autor: Daniel Härtelt  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 22.12.2012

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