Orientierungslauf in Deutschland


Kartenseminar in Mainz

Am Wochenende vom 9. – 11. November wurde vom TK Orientierungslauf ein Kartenseminar angeboten, gemeinsam organisiert vom Beauftragten für Kartenwesen Steffen Lösch und seinem Vorgänger Andreas Dresen. Als Unterkunft wurde die moderne Jugendherberge Mainz ausgewählt.

Seminarteilnehmer beim Kartenseminar
Seminarteilnehmer beim Kartenseminar  Foto: Steffen Lösch

Der Seminarraum war nach dem gemeinsamen Abendessen am Freitag bis auf den letzten Platz gefüllt. Bereits die Vorstellungsrunde ließ auf ein hochinteressantes Wochenende schließen, denn nahezu alle Teilnehmer hatten bereits eigene Erfahrungen mit dem Aufnehmen von OL-Karten gesammelt.

Der erste Vortrag galt dem Unterschied zwischen ISOM- und ISSOM-Karten, gehalten von Andreas Dresen. Unter anderem durch seine Mitarbeit in der IOF-Kartenkommission konnte er auch Hintergründe von Vorschriften und die aus „Laiensicht“ manchmal unlogischen Bestimmungen plausibel erläutern. Beispielsweise sorgen die unterschiedlichen Darstellungsarten wie die dicken, schwarzen Linien (ISOM = Weg/Straße; ISSOM = Querung verboten) immer wieder für Verständnisschwierigkeiten, auch weil manche Wettkampfteilnehmer keine ausreichende Kenntnis darüber haben. Auch die Grenzen der Kartendarstellung z.B. bei mehreren Ebenen wurden erläutert. Nach getaner „Arbeit“ gingen unermüdliche Diskussionen bis weit nach Mitternacht.

Am Samstag stand der nächste hochinteressante Punkt auf der Agenda. Es ging um die Generalisierung von Kartenaufnahmen. Anhand von umfangreichen Beispielen zeigte Andreas Dresen, wie man OL-Karten durch „Verschiebung“, „Vergrößerung“, „Vereinfachung“ bzw. „Weglassen“ wesentlich besser lesbar macht. Eine rege Diskussion ließ wieder nicht lange auf sich warten. An konkreten Zeichnungen einiger Teilnehmer untermauerte Andreas auf verblüffende Art und Weise, welche Möglichkeiten es bei der Generalisierung gibt.

Weitere Stichpunkte ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

- 1:10.000 ist nur eine Vergrößerung von 1:15.000 und nicht dafür da, mehr Objekte darstellen zu können! 
- Der Maßstab von Sprintkarten ist grundsätzlich 1:4.000 oder 1:5.000.
- Lesbarkeit geht vor Genauigkeit. Was lasse ich weg? Weniger ist häufig mehr!
- Keine Objekte übereinander zeichnen (z.B. Wurzelstuck in einem Loch)!
- Wie stelle ich Geländekonturen dar? (Höhenlinien vs. Böschung)
- Mindestgrößen bei Flächenobjekten beachten, z.B. bei Bodenbewuchs.


Dass der Terminplan deutlich der Zeit hinterherlief, spricht für die Intensität der Diskussionen. Was aber nicht weiter tragisch war, denn der regnerische Samstag war nicht gerade prädestiniert für eine Außenaufnahme.

Sandra Eidmann mit GPS Gerät
Sandra Eidmann mit GPS Gerät  Foto: Steffen Lösch

Also wurden die Indoor-Programmpunkte vorgezogen. Michael Frenzel berichtete über die Kartenaufnahme mit GPS, deren technische Möglichkeiten und den Grenzen der Genauigkeit. Der Erfahrungsschatz der Teilnehmer war an diesem Punkt sehr unterschiedlich, von „mach ich gar nicht“ bis zur elektronischen Feldaufnahme inklusive Laserentfernungsmessung reichte die Palette.

Das nächste Thema widmete sich dem Kartendruck. Steffen Lösch erläuterte die Unterschiede zwischen Offset- und Laserdruck und gab Informationen, welche Qualitätskriterien es beim Drucken von OL Karten gibt und wie man die Druckqualität durch Farbkalibrierung beeinflussen kann. Hier stehen auf orientierungslauf.de OCAD-Testdateien zur Verfügung, mit denen ein Abgleich mit einem Offset-Referenzbogen, den jeder Teilnehmer bekommen hat, vorgenommen werden kann.

Danach stellte Thomas Schöps sein „Open Orienteering Mapper“ vor. Es handelt sich um ein Programm zum Zeichnen von OL-Karten. Es ist kostenlos im Internet verfügbar und stellt eine interessante Alternative zur derzeit fast konkurrenzlosen Software OCAD dar. Dies gilt insbesondere, wenn beispielsweise für Schul-OL-Projekte kein finanzieller Spielraum zur Verfügung steht. Die Kompatibilität zu OCAD 8 ist gegeben. Es war mehr als überraschend, welchen Umfang die Software mittlerweile hat, obwohl seit Start des Projekts noch nicht mal ein Jahr vergangen ist.

Nun stand die Verarbeitung von Laser-Scan-Daten auf dem Programm. Erläutert wurden Vorteile und die Einsatzmöglichkeiten. Dazu ist OCAD10 erforderlich, oder alternativ gibt es auch Freeware, mit der die Datenumwandlung vollzogen werden kann. Die Verfügbarkeit und die Qualität der Rasterdaten sind von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich, da die Vermessung in Landeshoheit passiert. Vor jedem Kartenprojekt sollte man sich gründlich informieren, welche Produkte zur Verfügung stehen und für den Zweck am besten geeignet erscheinen. Leider sind die Bezugskosten für Rasterdaten sehr hoch, in NRW z.B. 80 €/km² für DGM1. Sonderpreise für Vereine werden in der Regel nicht eingeräumt. Die Nutzung der Laser-Scan-Daten für OL-Karten lohnt sich normalerweise dennoch, weil es die Feldarbeit wesentlich verkürzt.

Stephan Schneuwly mit Entfernungmessgerät und TabletPC
Stephan Schneuwly mit Entfernungmessgerät und TabletPC  Foto: Steffen Lösch

Am Sonntagvormittag zeigte sich das Wetter von einer besseren Seite und der praktische Teil konnte nachgeholt werden. Der Auftritt wäre sicherlich reif für den Kinofilm „Die Vermessung der Welt“ gewesen, meinte Renate Tröße, die mich durch Zusendung einiger Stichpunkte beim Erstellen des Berichts unterstützt hat. Vielen Dank dafür!

Fazit:
Eine rundum gelungene Veranstaltung. Die Unterkunft und das Essen waren sehr gut.
Die Wahl der Unterkunft war geradezu ideal geeignet, denn aufgrund ihrer zentralen Lage konnten Teilnehmer aus nahezu allen „Ecken“ Deutschlands mit erträglichem Aufwand anreisen und darüber hinaus gab es gleich angrenzend einen Stadtpark, in dem die Seminarinhalte praktisch erprobt werden konnten.

Die große Teilnehmerzahl zeigt eindrucksvoll, dass der Bedarf eines solchen Kartenkurses immens groß ist. Die meisten Teilnehmer haben sich ihr Wissen selber angeeignet und eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung ist steinig, weil die Kartenarbeit in vielen Vereinen nur an einer Person hängt. Und nur mit den Vorschriften alleine bleiben Hintergründe, warum etwas so und nicht anders dargestellt wird, weitgehend unbekannt. Angeregt wurde daher ein Diskussionsforum für das Aufnehmen von Karten.


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Materialien und Testdateien

Autor: Christian Harms
Eingestellt am 24.11.2012

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