Orientierungslauf in Deutschland


Historischer Staffelsieg für Tschechien

Auf der Zielgeraden besiegelte Jan Procházka den ersten Staffelsieg für Tschechien bei einer Weltmeisterschaft. Vorangegangen war ein packender Dreikampf mit den Schlussläufern aus Norwegen und Schweden. In der Damenkategorie erlief Simone Niggli mit einer starken Leistung die Goldmedaille für die Schweiz. Die deutschen Staffeln verabschiedeten sich relativ zeitig aus der vorderen Hälfte des Feldes.

Tschechien sprintet zum ersten Staffeltitel.
Tschechien sprintet zum ersten Staffeltitel.  Foto: Fred Härtelt

Exakt 13:30 starteten 36 Herrenstaffeln in den Wald bei Chalet-à-Gobet, nördlich von Lausanne. Ähnlich wie bei der Langdistanz mussten sich alle Teilnehmer im typisch mitteleuropäischen Gelände mit einem dichten Wegenetz und Gebieten mit starker Laufbehinderung durch Bodenbewuchs auseinandersetzten. Auf der ersten Strecke konnte keiner einen nennenswerten Vorsprung herauslaufen. Dies gelang erst den zweiten Läufern aus Tschechien, Schweden, der Schweiz und Norwegen. Schlussläufer Matthias Merz (Schweiz) verabschiedete sich zur Mitte der 7 km langen Strecke aus dem Dunstkreis der Spitzengruppe. Jan Procházka (Tschechien), Andreas Holmberg (Schweden) und Olav Lundanes (Norwegen) kämpften ab der Hälfte der Schlussstrecke Mann gegen Mann, befanden sich nie weiter als 10 Sekunden voneinander entfernt und kamen auch gemeinsam beim Sichtposten vorbei. Auf der komplett identischen letzten Schlaufe versuchte Olav Lundanes zwei Posten vor Schluss zu attackieren. Diese Attacke konnte Jan Procházka aber parieren. Unter tosendem Beifall der Zuschauer kam der tschechische Spitzenläufer als Erster aus dem Wald, lochte den Zielposten und sprintete zum Staffeltitel für Tschechien.

Die deutsche Herrenstaffel konnte mit Startläufer Christoph Brandt (SSV Planeta Radebeul) nur bis zur Hälfte der ersten Strecke in Reichweite der Spitzenstaffeln bleiben. Nach einem Aussetzer, bei dem er eine Codezahl verwechselte, wurde der Abstand immer größer. Bjarne Friedrichs (MTV Seesen) und Sören Lösch (USV Jena) zeigten eine gute Leistung, so dass Deutschland in der Endabrechnung Platz 23 belegte.

Die Goldstaffel aus der Schweiz.
Die Goldstaffel aus der Schweiz.  Foto: Fred Härtelt

Im Damenrennen, welches 11:30 begann, hatte sich zum ersten Wechsel eine Führungsgruppe herauskristallisiert. Annika Billstam (Schweden) übergab knapp vor Ines Brodmann (Schweiz), Alison Crocker (USA), Celine Dodin (FRA) und Venla Niemi (Finnland). Gleich zu Beginn der zweiten Strecke gelang es Helena Jansson (Schweden) sich vom weiteren Verfolgerfeld abzusetzen. Mit Vorsprung schickte sie Mannschaftskameradin Tove Alexandersson auf die letzte Strecke. Einzig Judith Wyder (Schweiz) konnte den Rückstand mit 40 Sekunden für die schweizer Schlussläuferin Simone Niggli in einem erträglichem Maß halten. Die nun 20-fache Weltmeisterin passierte die Schwedin noch vor dem ersten Funkposten und lief den Vorsprung vor zahlreichen Zuschauern und der schwedischen Staffel umjubelt nach Hause. Beim Kampf um die Bronzemedaille konnte Schlussläuferin Anne Margarete Hausken (Norwegen) Tatyana Riabkina (Russland) noch auf der letzten Schleife abfangen. Norwegen komplettierte mit der Bronzemedaille einen kompletten Medaillensatz bei der WM. Die Titelverteidiger aus Finnland mussten nach einem großen Fehler der zweiten Läuferin Merja Rantanen alle Chancen auf einer Medaillenplatzierung begraben.

Esther Doetsch auf der Startstrecke für Deutschland.
Esther Doetsch auf der Startstrecke für Deutschland.  Foto: Fred Härtelt

Das deutsche Damenteam startete mit Esther Doetsch (DJK Adler Bottrop) gut in den Wettkampf. Bis zum 7. Posten lief Esther unmittelbar in Schlagdistanz zur Spitze. An einem Gabelposten, den sie nicht sofort fand, verlor sie den Kontakt zur Tram. Sie übergab auf Position 21, mit etwas mehr als 7 Minuten Rückstand, an Christiane Tröße. Die Ilmenauerin lief ein beherztes Rennen und schickte Sieglinde Kundisch (USV TU Dresden) an 20. Position in den Wald. Auch Sieglinde konnte weitere Plätze gut machen. Deutschland beendete das Damenrennen auf Rang 18.

Sowohl für das deutsche Team als auch die Veranstalter ging mit der Staffelentscheidung eine erfolgreiche Woche zu Ende. Nach durchwachsenen Ergebnissen in den letzten Jahren zogen in der Schweiz insgesamt 5 deutsche Nationalläufer in ein Finale ein. Die Organisatoren können mit den Weltmeisterschaften und der erreichten Außendarstellung ebenfalls zufrieden sein. Die Entscheidungen im Sprint und in der Staffel wurden in mehreren Fernsehsendern weltweit live übertragen. Alle weiteren Finalläufe konnten live im Internet verfolgt werden.

Auch das Presseteam von orientierungslauf.de tritt nach intensiven WM-Wochen die Heimreise an. Zusätzlich zu Fred Härtelt (Bildmaterial WM & Senioren-WM) ergänzten während der Senioren-WM Juliane Büchner (Berichte Veranstaltungshomepage englisch) und Timo Holloway (Berichte Veranstaltungshomepage deutsch) das ehrenamtlich arbeitende Presseteam.

Ergebnisse



Damen

1. Schweiz (Brodmann, Wyder, Niggli)		1:44:54
2. Schweden (Billstam, Jansson, Alexandersson) 1:47:18
3. Norwegen (Ekroll Jahren, Fasting, Hausken) 1:48:11
18. Deutschland (Doetsch, Tröße, Kundisch) 2:09:56


Herren

1. Tschechien (Dlabaja, Šedivý, Procházka)	1:40:00
2. Norwegen (Daehli, Waaler Kaas, Lundanes) 1:40:06
3. Schweden (Leandersson, Öberg, Holmberg) 1:40:11
23. Deutschland (Brandt, Friedrichs, Lösch) 1:57:29


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Homepage Weltmeisterschaften 2012

Autor: Daniel Härtelt  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 21.07.2012

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