Orientierungslauf in Deutschland


Ein bayerisches Sommermärchen ...

... so lässt sich die einwöchige Bavarian Orienteering Tour wohl am treffendsten zusammenfassen. Bevor am vergangenen Freitag nach dem Finale in Coburg die rund 100 Teilnehmer aus 14 Nationen in Richtung WMOC oder in die Heimat weiterreisten, gab es für die Organisatoren der touristischen OL-Rundreise durch Bayern stehende Ovationen als Dank für eine gemeinsame unvergessliche Woche. Tolles Wetter, anspruchsvolle, abwechslungsreiche und perfekt organisierte OL-Etappen, sowie faszinierende kulturelle Erlebnisse kennzeichneten die OL-Tage im Südosten der Republik.

O-Tour-Teilnehmer vor der Kulisse Regensburgs
O-Tour-Teilnehmer vor der Kulisse Regensburgs  Foto: Walter Körner

Bereits zum Prolog im Münchner Ostpark am Samstag lachte die Sonne vom weiß-blauen bayerischen Himmel. Beim Warm-Up im offenen, von Dickichten durchsetzten Parkgelände im Osten der Landeshauptstadt gab es zwar noch keine Punkte zu holen, jedoch waren die Teilnehmer, deren größte Kontingente aus Australien, Brasilien, Russland und der Schweiz angereist waren, bereits engagiert bei der Sache.

Tags darauf wurden im diffizilen Endmoränengelände der DM Staffel 2011 rund um Schattenhofen östlich von München die ersten Punkte für die Gesamtwertung vergeben. Anspruchsvolle Bahnen forderten bei sonnig-warmem Wetter die Konzentration vom Start bis zum Ziel. Trotz des einen oder anderen Orientierungsfehlers der Teilnehmer gab es viele fröhliche Gesichter und viel Lob für die Organisatoren vom TSV Grünwald für die beiden gut organisierten OLs zum Auftakt, bevor die Tour-Teilnehmer ausreichend Gelegenheit hatten, die unzähligen Sehenswürdigkeiten Münchens auf eigene Faust zu erkunden.

Am Montagmorgen ging es weiter nach Landshut. Leider begann der Tag der zweiten Etappe wie vorhergesagt regnerisch, grau und ungemütlich. Auch beim Sprint-OL im Landshuter Hofgarten hielt zunächst das schlechte Wetter an. Im Laufe der Etappe besserten sich jedoch die Bedingungen, so dass am Ende des Events die Sonne herauskam und sich die Stadt Landshut bei der nachmittäglichen Stadt- und Burgführung von ihrer besten Seite zeigte. Doch trotz des schlechten Wetters am Vormittag waren die Teilnehmer angetan von der durch den OLV Landshut tadellos organisierten Etappe. Der Anfangsteil der Bahnen im verwinkelten Areal der Burg Trausnitz mit ihren zahlreichen Burghöfen sorgte für zahlreiche Orientierungsfehler. Doch auch die Routenwahlen im bewaldeten Hofgarten und die kurzen Verbindungen im kniffligen Schlussteil forderten die Konzentration.

Eine der Königsetappen erwartete die Teilnehmer am darauffolgenden Tag in Süssenbach. Das von ARGE ALP OL und Alpen-Adria-Cup bekannte "Rocks Paradise" machte seinem Namen einmal mehr alle Ehre. Steine und Felsen in allen Formen und Größen sorgten für beeindruckende Anblicke und den einen oder anderen Orientierungsfehler gleichermaßen. Durch die hervorragende Belaufbarkeit des Waldes und das sonnige Wetter wurde das Felsenparadies zu einem wahren OL-Paradies. Die Teilnehmer waren vom Gelände und den anspruchsvollen Bahnen begeistert und auch die OLG Regensburg bot eine tadellose Organisationsleistung. Krönender Abschluss des Tages war eine Schifffahrt auf der Donau zur "Walhalla" und ein bayerischer Abend mit Essen und Musik.

Kartenausschnitt 2. Etappe in Landshut
Kartenausschnitt 2. Etappe in Landshut  Foto: OLV Landshut

Die vierte Etappe – ebenfalls organisiert durch die OLG Regensburg – bedeutete einen großen Kontrast zum felsigen OL des Vortages: nun ging es kreuz und quer durch die historische Altstadt von Regensburg. Der Sprint-OL durch die UNESCO-Welterbestadt – unter anderem vorbei am Dom und über die weltberühmte Steinerne Brücke – beeindruckte die Teilnehmer aus aller Welt ebenso wie die Läufe der Vortage. Bei abermals bestem Wetter hatten die Teilnehmer am Nachmittag schließlich noch genug Zeit, das "Laufgelände" vom Vormittag in aller Ruhe im Rahmen einer Stadtführung näher kennenzulernen. Ein Empfang der Teilnehmer im Rathaus beim Bürgermeister rundete den gelungenen Tag ab.

Mit der fünften Etappe schließlich erreichte die Bavarian Orienteering Tour am Donnerstag Franken. In Hiltpoltstein inmitten der Fränkischen Schweiz erwarteten die Teilnehmer einmal mehr interessante, anspruchsvolle Bahnen mit faszinierenden Blicken auf die Kletterfelsen aus Sandstein. Temperaturen um die 30 Grad sorgten für harte Bedingungen, doch die tadellosen Ausrichter Förderteam OL Mittelfranken und MTV Bamberg sorgten mit kühlen Getränken und leckeren Kirschen für Erfrischung. Im Anschluss ging es weiter nach Bamberg, wo mittels einer Stadtführung die Höhepunkte der UNESCO-Welterbestadt, wie z.B. der Dom, das historische Rathaus oder die Brauereigaststätte "Schlenkerla" entdeckt wurden.

Zum Abschluss der Tour am Freitag in Coburg kletterten die Temperaturen deutlich über die 30-Grad-Marke. Nachdem am Vormittag bereits eine Stadtführung und eine Besichtigung der Veste Coburg auf dem Programm gestanden hatten, fiel am frühen Nachmittag am Fuße der mächtigen Mauern der Veste die der Startschuss zum Tourfinale. Beim vom TV Coburg-Neuses organisierten Downhill-Sprint durch den (von der DM Sprint-OL 2011 bekannten) Coburger Hofgarten hinab zum Kunsthaus am Fuße des Parkareals war schnelles Kartenlesen bei hohem Tempo gefragt. Einige Läufer verloren dabei wertvolle Sekunden, so dass in einigen Kategorien knappe Ergebnisse in der Gesamtwertung zustande kamen. Nach dem Zieleinlauf erhielten alle Tourteilnehmer aus den Händen von Gesamtleiter Ralph Meißner einen steinernen Bierkrug als Souvenir.

Gruppenbild der Medaillengewinner der Bavarian Orienteering Tour
Gruppenbild der Medaillengewinner der Bavarian Orienteering Tour  Foto: Walter Körner

Unmittelbar nach dem Lauf fand im Coburger Naturtheater beim Ziel die Gesamt-Siegerehrung statt. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Tour-Teilnehmer in der mit viel Liebe zum Detail ausgerichteten Veranstaltungswoche zu einer großen OL-Familie geworden waren. Gerade aufgrund der geringer als erhofft ausgefallenen Teilnehmerzahlen war eine viel intensivere Betreuung der nach Bayern gereisten Orientierer möglich, was diese sichtlich auch genossen. Dies zeigte sich einmal mehr beim abschließenden Fränkischen Buffet in einer Bamberger Brauereigaststätte, mit dem die Bucher des Komplettpaketes von der Tour verabschiedet wurden. Am Ende gab es viele persönliche Dankesworte an das Organisatorenteam, dem diese – in Deutschland erstmals in dieser Form durchgeführte – internationale OL-Woche mit vielen neuen Freundschaften ebenfalls in bester Erinnerung bleiben wird.

Trotz der Enttäuschung über die nicht erreichte Zielsetzung bei den Teilnehmerzahlen und der fehlenden Resonanz aus Deutschland zog der Gesamtkoordinator Ralph Meißner eine überaus positive Bilanz: "Es wurde Großes geleistet. Sechs bayerische Vereine haben bewiesen, dass sie ein Ensemble bilden können, das Sport auf höchstem internationalem Niveau und ein Rahmenprogramm bzw. eine Betreuung erster Klasse zu bieten vermag. Ich laufe jetzt 40 Jahre OL und habe schon Vieles organisiert. Doch noch nie habe ich erlebt, dass einem eine Woche lang täglich von allen Teilnehmern soviel Lob, Anerkennung, Freude und beste Stimmung entgegen gebracht werden. Das entschädigte reichlich für die in 21 Monaten von der Idee bis zur Realisierung geleistete Arbeit."

Ehrentafel der Gesamtsieger der Bavarian Orienteering Tour 2012:

D Lang   Sirra Toivonnen       SK Kangasala     FIN 
D 45- Elena Kapitonova Ufa United RUS
D 50- Dilya Bayburina Ufa United RUS
D 55- Margit Widmer OLG Oberwil SUI
D 60- Claire Santoro OL Regio Wil SUI
D 65- Lyalya Muratova Ufa United RUS
H Lang Ralph Körner OLV Landshut GER
H 45- Hagen Nieke USV TU Dresden GER
H 50- Marat Mudarisov Ufa United RUS
H 55- Ted van Geldermalsen Yarra Valley OC AUS
H 60- Franz Wyss OL Regio Olten SUI
H 65- Ivars Brants Alnis OK LAT
HD Kurz Vilhelm Toivonen SK Kangasala FIN


Mehr:
Homepage Bavarian Orienteering Tour 2012
Gesamtwertung der Bavarian Orienteering Tour 2012
Bildergalerie mit rund 1000 Bildern der Bavarian Orienteering Tour 2012

Autor: Ralph Körner  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 03.07.2012

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