Orientierungslauf in Deutschland


Orientierungslauf von Cape- nach Stown Town

Mit einer schweizerisch-finnischen Reisegruppe unter der Leitung des ehemaligen Weltmeisters Janne Salmi (FIN) und dem erfolgreichen ehemaligen schweizer Nationaltrainer Ulrich Aeschlimann führte der Weg von Kapstadt bis Zanzibar über den Krüger-Nationalpark. Jörg Ulver und der ehemalige badische Landesfachwart Emil Kimmig waren die einzigen deutschen Teilnehmer.

Wettkampfzentrum im Gelände
Wettkampfzentrum im Gelände  Foto: Veranstalter

Zur Eingewöhnung führte gleich die erste Trekking-Tour knapp 2 Stunden und 800 Höhenmeter auf den Tafelberg. Typisch Tourist, das Klima und die Hitze leerten schnell das mitgeführte und zu gering bemessene Trinkwasser für unterwegs. Touren zum Kap der Guten Hoffnung, Pinguin-Strand und der Botanische Garten sind für jeden ein muss. Daneben galt es aber auch sich Zeit für die Geschichte der Apartheid zu nehmen sowie entlang der Weinroute das eine oder andere Weingut zu testen. Der 2-Tage-Lauf von Kapstadt begann früh morgens mit einem Sprint an der sonst so belebten Waterfront, dem touristischen Zentrum. Um 07:30 ging es bei 27°C los. Der ausrichtende örtliche Verein PENOC zeigte sich mit den knapp 80 Läufern aus zahlreichen internationalen Ländern zufrieden und bot mit den beiden 2,0 und 3,3 Kilometer langen Sprint-Bahnen einen tollen Veranstaltungsbeginn.

Tags drauf führte uns die OL-Karawane eine Stunde östlich nach Lebanon auf eine Höhe von knapp 1400 Metern. Hier überwogen die über km² hinweg vorhandenen Pinien-und Eukalyptus -plantagen, oft durch riesige Kahlschläge unterbrochen. Einen natürlichen Wald gibt es mit Ausnahme von kleineren geschützten Gebieten in Südafrika nicht mehr. Das schnell zu belaufende Gelände mit wenig Unterbewuchs erinnerte in Teilen an das schweizer Mittelland, geprägt von zahlreichen Felsenhaufen. Hauptproblem für uns Europäer war der Kompass. Ohne einen Speziellen für die Südhalbkugel stand man dann öfters mit einem sich selbst drehenden im Wald und wusste nicht wohin.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt  Foto: Veranstalter

Nach dieser kurzen und äußerst interessanten Eingewöhnungsphase von Südafrika ging es mit dem Flieger nach Johannesburg und anschließend noch ca. 4 Stunden per Mietauto in das schöne und höchstgelegene Dorf auf 2000 Meter nach Dullstroom. Die Gegend ist bei zahlreichen internationalen Spitzenathleten der Leichtathletik bekannt und gilt als eines der Wintertrainingsquartiere bei Ausdauersportlern.

Für uns war es der Beginn der BIG 5 im Orientierungslauf, dem 5-tägigen internationalen Orientierungslauf von Südafrika, welcher in einem Rhythmus von 2 Jahren ausgetragen wird.
Dabei werden die einzelnen Läufe von unterschiedlichen Vereinen organisiert. Tagestemperaturen von über 30°C, plötzlich und unwetterartig auftretende Gewitter mit Hagel und starken Windböen lernten wir tags drauf schon beim ersten Wettkampf kennen.
Das Laufgebiet rund um die Lakenvlei-Wald-Lodge entsprach dem aus Cape Town. Jedoch gleich nach Start merkte man die Höhenlage von 2000 Metern NN und der Puls samt Atmung schoss in die Höhe. Als einer der wenigen musste ich meinen Wettkampf während des Unwetters absolvieren, während die anderen eine Unterbrechung in einer Schutzhütte in Anspruch nehmen konnten. Selbst die Laufkarte hielt dem Hagel nicht stand. Zum Teil waren nicht mal mehr die Postenkreise und Objekte vollständig zu erkennen.

Tag 2 wurde in Dullstroom gelaufen. Es war eine Mitteldistanz im urbanen Gebiet bei über 30°C im
Schatten. Leider waren die meisten Bahnen eher als ein Straßenlauf gelegt. Nur die Schlussschleife mit halboffenen und schwer zu belaufenden hohen und mit vielen Löchern versehenen Grasflächen sorgte für etwas Abwechslung. Über das Zielgetränk freuten sich an diesem Tage dann auch alle. Tags darauf ging es über die Langdistanz wieder rund um die Lakenvlei-Wald-Lodge.Über Passstraßen mit atemberaubender Aussicht, tief eingeschnittenen Canyons und weitflächigen, meist menschenlosen Weide- und Bergflächen ging es einen Tag im Auto weiter, bevor wir in Hazelview unser neues Quartier bezogen.

Equipmenttest
Equipmenttest  Foto: Veranstalter

Die 4. Etappe mit einem normalen Lauf nahe Sabie auf 1400 Meter Höhe war geprägt durch schlecht zu belaufende Kahlschläge, steilem Gelände und der Hitze an diesem Tage. Bei den kartierten Felsen wurden nur die größten aufgenommen, die im Gelände zumindest für die Läufer eindeutig waren. Leider hatten die Postensetzer bzw. die Organisation einen großen Fehler auf den meisten Bahnen eingebaut. Die Elitebahnen hatte man noch kurz vor dem Lauftag geändert und dabei einen Kontrollposten (10) verschoben, leider dabei übersehen, dass dadurch die anderen Bahnen nunmehr einen „nicht mehr vorhandenen“ hatten. Wir hatten genügend Felsen zum Suchen und so mancher hat nach über 30 Minuten vergeblichen Suchens den Wettkampf abgebrochen. Schade, denn das World-Ranking-Event war mit die technisch schwerste Veranstaltung während der Woche. Die Laune war bei dem zweiten offiziellen Grillabend des Veranstalters trotzdem nicht gestört.

Die Entscheidung beim BIG 5 fiel bei einem Sprint im Lowveld National Botanical Garten in Nelspruit (auch Austragungsort der FIFA-Fußballweltmeisterschaften). Sehr viele Posten und unübersichtliche Bahnen sorgten für zahlreiche Fehlstempel. Insgesamt gesehen – sind die BIG 5 für die Südafrikaner eine der wenigen Möglichkeiten, sich auf dem Kontinent mit internationalen Spitzenläufern zu messen. Sehr gute Karten, interessante Bahnen und die einzigartige Natur in Südafrika in Kombination mit dem OL werden hoffentlich in Zukunft für steigende Teilnehmerzahlen sorgen (ca. 180), damit sich der Aufwand für die Organisatoren rechnet. Es war eine gelungene Veranstaltung für alle.


Mehr:
Homepage Veranstaltung bigfive-o

Autor: Jörg Ulver
Eingestellt am 24.01.2012

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