Orientierungslauf in Deutschland


Kalaschnikow zum Frühstück

Wir haben über das Reise-Angebot lange und ernsthaft nachgedacht, denn Israel ist nun einmal ein problematisches Land – weil hin und wieder Raketen unerwartet einschlagen, weil die Regierung eine von uns mitunter nicht nachvollziehbare Politik betreibt, weil sich wohl an keinem anderen Land so heftig die Geister scheiden, weil sich schon beim Nennen des Namens in uns irgendwo ein ganz kleines schlechtes Gewissen rührt und weil in der Nachbarschaft gerade heftige politische Turbulenzen herrschen.

Geheimnisvolles Israel
Geheimnisvolles Israel  Foto: Bernd Wollenberg

Manche haben uns gute Ratschläge gegeben, vor bestimmten Verhaltensweisen gewarnt, die Landschaft, die Menschen und die historischen Dimensionen der Region gerühmt. Wir sind hingefahren, weil wir uns ein eigenes Bild machen wollten.

Die angekündigte Befragung gleich zu Beginn der Eincheck-Formalitäten in Berlin erwies sich als weniger inquisitorisch als erwartet, die Personen- und Gepäckkontrollen hielten sich im normalen Rahmen und letzten Endes dienten sie ja unserer eigenen Sicherheit.

Wir wussten, dass Israel ein modernes Land sein würde, unsere Erwartungen sind durchaus übertroffen worden. In Israel konnten wir z.B. ausschließlich mit Kreditkarte tanken und auch kleine Einkäufe sogar an der Imbissbude erledigt man üblicherweise damit. Wie in Deutschland....2030 vielleicht.

Der OL bildete den Rahmen – drei Läufe in der Negev-Wüste zu Beginn und die Israelische Meisterschaft am Ende, dazwischen Tourismus in Eilat, am Toten Meer und in Jerusalem. Der erste Lauf startete im Golda-Park, einer Oase mit einem Teich aus richtigem Wasser und wüsten Hügeln rundum. Wir haben gelernt, wenn es in dieser Gegend Wasser gibt, dann wuchert alles sehr energisch. Die Dickichte sind mit Recht dunkelgrün, Belaufbarkeit 0-20 % heißt: "Versuch es erst gar nicht." Wenige Meter höher herrschte Trockenheit, kein Halm, kein Blatt, nur Steine, große, kleine, oft scharfkantige. Sanfte Hügel - eigentlich kein Problem. Es war eine lockere Veranstaltung, fast wie ein Volksfest. Ich habe nicht erwartet, dass in so einer Wüstengegend so viele Leute zusammenkommen könnten. Im Prinzip gab es nur drei Bahnen und jeder kam, nahm eine Startzeit und machte los.

Orientierungslauf in der Wüste
Orientierungslauf in der Wüste  Foto: Bernd Wollenberg

Zum Zweiten: Stadt-OL Sprint in und um Shivta, einer Stadt, einst bewohnt von den biblischen Nabatäern, die seit weit über 1000 Jahren verlassen ist und nun nach und nach ausgegraben wird. In weiten Bereichen durfte man deshalb auch in Häusern und Gehöften, hinter Mauern und in Brunnen nach den Posten suchen. Aber auch hier gesperrte Areale, dort, wo die Ausgräber noch nicht hingekommen sind. An diesen Stellen galt die Regel: fest auf den Boden schauen, es könnte etwas silbern oder golden glitzern. Dann hätte man aber vielleicht ein Problem bei der Ausreise von wegen Altertümer…

Der dritte Lauf in Sichtweite der Grenze zu Ägypten war eigentlich nur noch ein Kraftakt im Gelände des Nitzana-Projekts zwischen den Wohn- und Verwaltungsgebäuden und in der Wüste drum herum. Als Abschluss ein Bad im Pool, das die Niedergeschlagenen wieder aufrichtete. Brigitte Schmiedeberg, Martina Fritzsche und Bernd Wollenberg avancierten zu Stars der Negev-Spiele - sie räumten die Medaillen und Pokale reihenweise ab.

Danach lagen fünf Tage Tourismus vor uns. Zuerst ging es nach Eilat , wo die Israelis an ihrem winzigen Zugang zum Roten Meer einen Hafen und ein Luxus-Seebad hingeklotzt haben.

Erkundungstour im Felsgebiet
Erkundungstour im Felsgebiet  Foto: Bernd Wollenberg

Wichtigste Attraktionen: Bei nördlichem Wind steuern die Flugzeuge die Landebahn direkt über die Hauptstraße des Ortes an und fliegen in Höhe der Hausdächer ein. Auto fahren in Israel ist eine reine Freude weil die Straßen sehr gut ausgebaut und top beschildert sind. Baden im Toten Meer - das tut man eigentlich nur, um das obligatorische Foto mit der Zeitung zu machen. Der See-Spiegel ist inzwischen so weit abgesunken, dass es kaum noch Strand oder ähnliche Zugänge gibt.

In der benachbarten Oase En Gedi trafen wir eine große Zahl von Kinder- und Jugendgruppen, denen mit einem "Wandertag" die schönen und wichtigen Stellen des Landes nahe gebracht werden. Ganz lockere junge Leute, die uns immer wieder fragten, "Where you come from?" und die uns herzlich in Israel begrüßten.

Und nun zur Überschrift. Die Gruppen werden grundsätzlich von mehreren Männern, Jungen oder auch Mädchen begleitet, denen eine automatische Waffe am Rücken baumelt. Natürlich sind es keine Kalaschnikows - die Israelis haben andere Typen - aber Munition ist dabei und die Träger wirken recht entschlossen. Auch wenn sie nur einen alten Karabiner mitführen, der den ersten Weltkrieg schon als Museumsstück überlebt hat, die Flinte hängt Tag und Nacht an der Person, also auch zum Frühstück.

Was haben wir gelernt? Die Juden haben nach 2000 Jahren wieder einen eigenen Staat, an dem sie mit allem, was sie haben, festhalten. In Israel bzw. Palästina lebt ein buntes Völkergemisch, das mit den heute in einer zivilisierten Welt üblichen Methoden nicht zu trennen ist. Die Israelis besitzen einen bemerkenswerten Lebensstandard, der Anreiz und nicht nur Neidobjekt für die umliegenden Länder sein kann.

Vielleicht nur so viel noch: Es war auf jeden Fall eine lohnenswerte Reise, die mit Sicherheit eine Wiederholung erfahren wird.


Autor: Eberhard Hoefer
Eingestellt am 27.08.2011

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