Orientierungslauf in Deutschland


Swiss O Week 2011 Flims-Laax – OL-Erlebnis in den Graubündener Bergen

Die Swiss O Week ist zurück in der Spur. Nachdem die letzte Auflage des schweizer 6-Tage-OLs vor zwei Jahren in Moutathal durch das Wetterchaos mit Dauerregen und Murenabgängen so Manchem in eher zweifelhafter Erinnerung geblieben war, kam bei der 5. Auflage der Großveranstaltung in Flims und Laax im Kanton Graubünden wieder das bekannte SOW-Flair auf – tolles Wetter und anspruchsvoller, abwechslungsreicher OL-Sport inbegriffen. Unter den rund 3500 Teilnehmern stellten die über 170 deutschen OL-Sportler das drittgrößte Kontingent.

SOW-Logo
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Den Auftakt bildete die Prolog-Etappe ("die Überdrehte") für die Junioren- und Eliteläufer im anspruchsvollen Flimserwald, wo es galt, beim Massenstart kühlen Kopf zu bewahren und nicht den Gegnerkontakt zu verlieren, um nicht am Ende abgehängt und alleine im diffizilen Bergwald die Posten suchen zu müssen, was beileibe nicht jedem der deutschen Läufer gelang.

Die erste Etappe ("die Legendäre") am Folgetag im Nachbargelände des Prologs forderte nach einem feingliedrigen Teil in einem Felssturzgebiet zu Beginn im weiteren Verlauf vor allem Routenwahlentscheidungen im steilen Waldgelände, belohnte die Läufer der längeren Bahnen aber auch mit einer hervorragenden Aussicht auf die südlich des Laufgeländes gelegene Rheinschlucht, bevor es ins Ziel beim Wettkampfzentrum der SOW im "rocksresort" in Laax-Murschetg ging.

Die längsten und steilsten Bahnen der Woche warteten auf der zweiten Etappe ("die Panoramische") auf die Läufer. Mit der Luftseilbahn ging es ins Zielareal nach Crap Sogn Gion auf rund 2200 m Höhe. Steiles Gelände unmittelbar an und oberhalb der Baumgrenze und ein über 200 m tiefer liegender Start bedeuteten jede Menge Höhenmeter zurück ins Ziel, garniert mit langen Postenverbindungen über die mit Felsen durchsetzten, weitgehend gut belaufbaren Alpweiden.

Impression vom Gletschervorfeld: Sonne + Gletscher = Schmelzwasser. Der Postensetzer blieb hier trocken, die Läufer und Posteneinsammler nicht ganz...
Impression vom Gletschervorfeld: Sonne + Gletscher = Schmelzwasser. Der Postensetzer blieb hier trocken, die Läufer und Posteneinsammler nicht ganz...  Foto: Ralph Körner

Etappe drei ("die Eisgekühlte") bildete die Königsetappe dieser Swiss O Week. Start und Ziel lagen auf rund 2600 m Höhe am Fuße des Vorab-Gletschers bei der Bergstation Vorab, zu der die Läufer mit Luftseil- und Gondelbahnen transportiert wurden. Das Laufgelände bestand in weiten Teilen aus der Stein- und Felswüste des Gletschervorfeldes mit seinen zahlreichen Schneefeldern und Schmelzwasserlöcher, führte aber auch in etwas tiefergelegene Hochalpbereiche mit spärlichem Grasbewuchs und zahlreichen Felsobjekten. Sonniges Wetter, milde Temperaturen und ein atemberaubender Blick auf die Bündner Bergwelt machten diese auch orientierungstechnisch anspruchsvolle Etappe für viele zum Höhepunkt der Woche, bevor am darauf folgenden, zum Glück nur teilweise verregneten Ruhetag vor allem Sightseeing und Ausspannen angesagt war.

Ausgeruht nahmen die Teilnehmer die vierte Etappe ("die Vielschichtige") in Plaun in Angriff. Zum Start ging es mit der Sesselbahn auf rund 2000 m. Nach dem Auftakt über baumlose, durch Heidekraut schwer belaufbare Alpweiden folgten anspruchsvolle Downhill-Passagen durch den ruppigen Bergwald hinunter zum Ziel auf rund 1600 m, wo jedoch kurz vor Schluss noch ein feingliedriges, diffiziles Felsgebiet gutes Orientierungsvermögen von den Läufern forderte.

Erneut hoch hinaus ging es zu Etappe fünf ("die Trügerische") ins Wettkampfgebiet rund um Nagens auf rund 2100 m über dem Meeresspiegel, das abermals durch Gondelbahnen erreicht wurde. Eine detailreiche, weg- und pfadlose Gletscherrandzone mit einem Flickenteppich aus Felsplatten und Wiesenbereichen, sowie tief eingeschnittenen Bachbetten forderte ständige Feinorientierung, lud aber auch zum schnellen Laufen ein. Erst zum Ende der zunächst sonnigen Etappe schlug das Wetter um und ließ lediglich die mit dem Abbau befassten Organisatoren bei Regen und Windböen zurück, während die letzten Läufer in der Gondelbahn im Trockenen die Talfahrt antreten konnten.

Kartenausschnitt der Königsetappe 3 ("die Eisgekühlte") am Fuße des Vorabgletschers
Kartenausschnitt der Königsetappe 3 ("die Eisgekühlte") am Fuße des Vorabgletschers  Foto: Swiss O Week / Routegadget

Zur abschließenden sechsten Etappe ("die Rockige") zeigte sich die Witterung aber nochmals von ihrer besten und sonnigsten Seite. Beste Voraussetzungen für die anspruchsvolle Mitteldistanz-Etappe, die vom mit dem Sessellift erreichten Startpunkt bei der Station Foppa durch vom Felssturz geprägten, feinkupierten Bergwald hinab ins Ziel bei der Talstation Flims führte und für so manchen Starter nochmals die eine oder andere längere Suchaktion beinhaltete.

Im starken Teilnehmerfeld gab es zwei Podestplätze für die deutschen Teilnehmer. Markus Dingenotto (ASG Teutoburger Wald) wurde Zweiter in H 45 K und Cornelia Eckardt (USV TU Dresden) sicherte sich den dritten Platz in D 40. Auf dem undankbaren vierten Platz landeten zudem Sascha Dammeier (Wolpertinger OK) in H 35, Michael Finkenstädt (OLV Uslar) in H 45 und Kerstein Kaminsky (BSV Halle-Ammendorf) in DC, während Moritz Döllgast (OLG Saar) mit Rang fünf in H 16 für die beste deutsche Nachwuchsplatzierung sorgte.

In der Damenelite bot Karin Schmalfeld (Leksands OK) an allen Wettkampftagen eine starke Vorstellung und belegte am Ende den hervorragenden vierten Platz beim Gesamtsieg der Norwegerin Ida Marie Næss Bjørgul. In der Herrenelite siegte der Finne Jani Lakanen, bester deutscher Starter war Alexander Lubina (DJK Adler Bottrop) auf Rang 65.

Die gesamte Woche über boten die Organisatoren eine tadellose Veranstaltung mit vielen Höhepunkten und zahlreichen OL-Leckerbissen. Die gesamte Swiss O Week war vom Wetterglück begleitet, lediglich am wettkampffreien Tag und teils nachmittags oder abends nach Ende der Wettkämpfe gab es etwas Regen, sonst meist Sonne bei leichter Bewölkung und erst am Abreisetag präsentierten sich Flims und Laax im grauen Regenvorhang.

Alles in allem also eine gelungene Veranstaltung, bei nicht nur in den Infoflyern und Ankündigungen, sondern in Form der Teilnehmerpräsente bereits die nächste Auflage der Swiss O Week ihren Schatten vorauswarf. Im Jahr 2014 wird die SOW an den bislang gigantischsten Schauplatz ihrer Geschichte zurückkehren: Zermatt am Fuße des weltberühmten Matterhorns lädt im Juli 2014 zum OL jenseits der 3000 m mit Rundumblick auf die schneebedeckten Viertausender des Wallis ein.


Mehr:
Homepage Swiss O Week 2011
Ergebnis-Seite Swiss O Week 2011

Autor: Ralph Körner  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 08.08.2011

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