Orientierungslauf in Deutschland


Hannover benennt Straße nach Luise Finke

Die Stadt Hannover wird einen Weg an der Fußball-Arena in Luise-Finke-Weg benennen. Das hat der Rat der niedersächsischen Landeshauptstadt am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Damit hat der vor rund zwei Jahren in die Wege geleitete Antrag, eine Straße der erfolgreichen und weit bekannten Orientierungsläuferin zu widmen, einen erfolgreichen Abschluss gefunden.

Luise Finke beim Zieleinlauf der 5-dagars im Jahr 2000
Luise Finke beim Zieleinlauf der 5-dagars im Jahr 2000  Foto: Privat

Vier Straßen im "Sportviertel" von Hannover werden nach in der Stadt und darüberhinaus bekannten Sportlern benannt. Neben Inge Machts, Grete Rosenberg-Wildhagen und Hermine Stindt trägt künfitg ein Weg den Namen von Luise Finke. Es dürfte zudem mit dem Verbindungsweg, der zwischen dem Haus des Sports und der Fußball-Arena an deren südlicher Seite verläuft, der meist frequentierte der vier Wege sein. Im Haus des Sports haben unter anderem der Landessportbund und mehrere Landesfachverbände ihre Heimstatt. Aufmerksamkeit hat die Benennung der Straßen vor allem durch den Plan gewonnen, auch einen Platz nach dem verstorbenen 96-Torwart Robert Enke zu benennen.

1995 holt Luise Finke bei den 5-dagars den Sieg in ihrer Altersklasse
1995 holt Luise Finke bei den 5-dagars den Sieg in ihrer Altersklasse  Foto: Privat

Luise Finke gehörte zu den Pionieren des Orientierungslaufes in der damaligen Bundesrepublik. Doch bis dahin hatte sie schon eine lange Sportler-Karriere hinter sich. 1917 im ostpreußischen Elbing geboren, wuchs sie in Jena als Tochter des dortigen Direktors der Universitätsbibliothek auf und entwickelte früh ihr ausgeprägtes Verhältnis zum Sport. Sie wurde Sportlehrerin und startete zudem ihre Karriere als Leichtathletin. So wurde Luise Finke 1938 Studenten-Weltmeisterin im Hoch- und im Weitsprung. Nur der Lauf der Geschichte verhinderte für die junge Sportlerin die schon als sicher geltende Teilnahme an den für 1940 in London geplanten Olympischen Spielen im Hochsprungwettbewerb. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die damals 28-jährige nach Göttingen, wo sie an der renommierten Georg-August-Universität im Hochschulsport tätig war. Später zog es sie in die niedersächsische Landeshauptstadt. Leichtathletik geriet für Luise Finke dann immer weiter in den Hintergrund, dafür widmete sich die universelle Sportlerin immer mehr dem Hockeyspielen. Als sich zu Beginn der 60er Jahre Orientierungslauf in der Bundesrepublik als Wettkampfsportart etablierte, stand sie schnell an vorderster Front, obwohl sie diese Disziplin erst im Alter von 50 Jahren für sich entdeckte. Nicht zuletzt, weil ihr leider viel zu früh verstorbener Mann ein leidenschaftliches Engagement für den OL zeigte. Nach dessen Tod übernahm sie sein Erbe, die als eine der Wiegen des bundesdeutschen Orientierungslauf geltende Region von Hannover über den Harz bis nach Göttingen weiter mit auszubauen. So verwundert es nicht, dass die ehemalige Sportlehrerin bis zuletzt OL nicht nur aktiv betrieben hat, sondern auch hinter den Kulissen tätig war und unter anderem im Landesfachausschuss Orientierungslauf des Niedersächsischen Turner-Bundes geflissentlich die Wettkampfstatistiken führte. Für die OLer im RSV Hannover war sie mit ihrem Organisationstalent nach wie vor eine unermüdliche, treibende Kraft.

Auf dem Weg zur Silbermedaille: Luise Finke bei den WMOC 1999 in Dänermark
Auf dem Weg zur Silbermedaille: Luise Finke bei den WMOC 1999 in Dänermark  Foto: Privat

Im Vordergrund standen allerdings immer wieder die sportlichen Leistungen, die sie im Wald erbrachte. Die Liste ihrer Erfolge lässt sich kaum überblicken Zu den sicherlich besten Ergebnissen der letzten Jahre zählten ihre Medaillen bei den Altersklassen-Weltmeisterschaften. 1994 holte sie gar Gold, 1996, 1999 und 2001 sicherte sie sich Silber und 1997 gab es für Luise Finke Bronze. Sehr hoch lassen sich auch ihre Gesamtsiege in ihrer Altersklasse bei mehreren internationalen Mehr-Tage-Orientierungsläufen bewerten, wie zum Beispiel beim 5-dagars 1993. Prägend war dabei immer auch die Leidenschaft, die sie mit ihrem Sport verband. Herzhaft konnte sich die Wahl-Hannoveranerin ärgern, wenn ihr ein Orientierungs-Fehler unterlaufen war. Auch machte es ihr nie etwas aus, dass sie in den letzten Jahren in Altersklassen startete, in denen sie sich teilweise gegen bis zu 30 Jahre jüngere Konkurrenz durchsetzen musste und konnte. Doch wer glaubt, dass sich Luise Finke nur noch auf die Aktivitäten im Orientierungslauf beschränkt hatte, liegt weit daneben. Neben dem beständigen Lauftraining gehörte der jährliche Skiurlaub in den Alpen, wo es fast keinen Hang gab, der ihr zu steil war, fest ins Programm. Auch das Tanzen zählte lange Zeit zu ihrer Leidenschaft. Und selbst die moderne Technik war kein Buch mit sieben Siegeln für Luise Finke, hielt sie sich doch in Computerkursen auf dem neusten Stand der Dinge. Diese Vitalität und letztlich auch das Interesse für OL gab sie natürlich auch an ihre Kinder Bernhard und Heidrun weiter. Es ist fast logisch, dass Heidrun Finke lange zu den erfolgreichsten OLerinnen Deutschlands zählte.

Luise Finke nahm bis kurz vor ihrem Tode aktiv an Wettkämpfen teil. Sie starb 2002 im Alter von 85 Jahren.


Autor: Eike Bruns  (Team für Öffentlichkeitsarbeit)
Eingestellt am 19.12.2010

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