Orientierungslauf in Deutschland


WOC Tour – in den Spuren der Weltspitze-Orientierer

Parallel zur Elite-OL-WM und zur Trail-O-WM in und um Trondheim wurde den direkten Zuschauern ein Mehrtagelauf im selben interessanten Gelände geboten. Mit mehr als 2000 Teilnehmern und unzähligen Helfern kam ein Flair von O-Ringen auf. Bei Norwegens bisher größtem OL-Event des Jahrhunderts fand sich auch eine kleine deutsche Fangemeinde – zum Teil mit skandinavischer OL- und Lebenserfahrung – , um "unsere" Männer lautstark anzufeuern und selbst zu laufen.

Kartenausschnitt 2.Etappe WOC Tour 2010
Kartenausschnitt 2.Etappe WOC Tour 2010

Waren WM-Sprintentscheidung und Begrüßungszeremonie auf Trondheims Marktplatz vorletzten Sonntag noch reines Dabeisein, so lernten wir die urigen Wälder samt seltener "Hangsümpfe" um Jervskogen zeitlich jeweils vor der Mittel- und Lang-Qualifikation kennen. Ungeübte Nicht-Skandinavier mussten das als gut belaufbar beschriebene Gelände erst einmal hinsichtlich der Kartenzuordnung und des kraftsparenden Belaufens verstehen lernen, woraus es wohl aber auch seinen besonderen Reiz bezog.

Nach den zwei Langdistanzen folgte eine Sprintetappe rund um Trondheims Bergfestung. Bei aller gegensätzlichen o-technischen Schlichtheit entfaltete der Wettkampf seine typischen Tücken aus Routenwahlen, deutlich höherer Laufgeschwindigkeit und dichtem Läuferkontakt, die zu mehr oder weniger großen Zeit- bzw. Prozentrückständen auf die Sieger der Etappen- und Gesamtwertung führten.

Auf jeden Fall war dies aber eine schöne Abwechslung im Teilgebiet des WM-Sprint-Finals vor dem Ruhetag, an dem dem Langfinale beigewohnt oder auch Trail-O selbst getestet werden konnte.

Die beiden Schlussetappen führten vom und zum Skistadion Granåsen durch teils lichten und sumpfigen Wald mit einzelnen Wegen, aber mit diffuserer Vegetation. Nach einer Mittelstrecke wurden unter Einbeziehung eines (für viele willkommenen) Streichlaufes Jagdstartzeiten berechnet, die sich tags darauf startklassenunabhängig bis 10 Uhr vollzogen (folgend eigenartig dichter), um den Zieleinlauf rechtzeitig für die Mitteldistanz-WM-Finalisten frei zu haben.

Die abschließende Staffel konnten aufgrund der weiten, aber lohnenden (Heim)Reise nicht mehr alle mitverfolgen.

Was auch daheimgebliebene Fans erfuhren: Die WM war wieder ein Beweis dafür, dass OL sehr wohl sehr medienwirksam gestaltet sein kann. Zuweilen waren Sichtstrecke und Zieleinlauf, Großleinwand mit Kameraaufnahmen von Start, Gelände und Posten sowie Karte-Bahn-Einblendung mit Live-Routenübertragung der (bisweilen menschlich irrenden) OL-Stars, Zwischenstand, laufender Ergebnisliste und Interviews fast zu viel für zwei Augen und zwei Ohren.

Auch auffallend: die Norweger fördern mittels Extra-Kinder- und Jugendwertungsläufen ihren OL-Nachwuchs – damit das OL-Ursprungsland auch eines der weltstärksten OL-Nationen bleibt.

Kartenausschnitt Sprint WOC Tour 2010
Kartenausschnitt Sprint WOC Tour 2010

Beispielhaft an dieser Stelle noch zwei WM-Randerfolge aus deutscher Sicht, die nicht nur die Läufer selbst erfreuten: Esther Doetsch (Bottrop) erreichte mit guten Läufen über die langen Bahnen den zweiten Gesamtrang in D21 und Matthias Kretzschmar (Weimar, Halden, Dresden) gelang ein sehr starkes Mitteldistanzrennen in H19-20 Elite, das mit dem achten Platz belohnt wurde.

Obgleich einige Mitstreiter Organisationslücken bemängelten, so stemmten die Norweger doch auch diese dritte und (für unsere Verhältnisse) große Wettkampffolge in der vergangenen Woche hervorragend. So beförderte teils öffentlicher Busverkehr Läufer zu den Wettkampforten, standen bzw. hingen (trotz so mancher Suchaktion) die vielen mit emit bestückten Posten, wo sie hingehörten und nicht zuletzt war die OL-WM spannend aufbereitet. Zudem war der Mix aus Wolkendecke und Sonne sehr angenehm.

Um mit den Worten eines deutschen WOC-Tour-Läufers zu schließen: Wenn man das Orientieren in dem Gelände "endlich (halbwegs) beherrscht", ist es leider vorbei.


Mehr:
Ergebnisse WOC Tour 2010

Autor: Wieland Kundisch
Eingestellt am 19.08.2010

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